Suchmaschinen-Experte: Quaero-Aufbau dauert noch Jahre

Er halte es für gefährlich, wenn das weltweite Wissen maßgeblich von Firmen in den USA zugänglich gemacht werde. Dass sich die französische und deutsche Regierung nun um eine eigene Suchtechnik bemühen, sei ein "Lichtblick" , sagte Sander-Beuermann, der zugleich Gründer und Geschäftsführer des "Vereins zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs" (SuMa) ist. Er habe in den vergangenen Jahren vielfach erfolglos mit Entscheidungsträgern über das Problem gesprochen. "Jetzt sind offenbar einige Leute aufgewacht" , sagt er.
Sander-Beuermann veranschlagt für das europäische Projekt eine Entwicklungszeit von mehreren Jahren – sofern genug Geld zur Verfügung gestellt wird. Es fehle zum Beispiel an Erfahrung mit verteilter Suchmaschinen-Software auf zehntausenden von Rechnern. "Das können in Deutschland und Europa derzeit weder Großkonzerne noch Forschungseinrichtungen" , sagt er. Der Suchmaschinen-Experte geht davon aus, dass das Suchmaschinenprojekt nur realisiert werden kann, wenn Regierung, Unternehmen und Experten der Universitäten zusammenarbeiten. Die deutsche Industrie ist bislang noch zurückhaltend. "Letztlich fehlt es den Konzernen hier an Erfahrung bei dem Thema" , sagt Sander-Beuermann.
Vorbild für das europäische Projekt könne Japan sein, wo Unternehmen und Universitäten bereits gemeinsam an einer Suchmaschine arbeiten. Auch in China gebe es mit der Suchmaschine www.baidu.com eine komplett eigene Technologie. "In Asien ist man etwas eher aufgewacht" , sagte er. Ob es jemals eine europäische Suchmaschine geben wird, ist nach Einschätzung von Sander-Beuermann noch völlig offen: "Es ist vier nach zwölf. Wenn wir jetzt nicht anfangen, können wir die USA nicht mehr einholen, und Fernost ebenso wenig. Es ist die letzte Chance, alle vorhandenen Kräfte auf diesem Gebiet zu bündeln."



