Google beugt sich chinesischen Zensurforderungen
Starke Kritik übt die Journalisten-Organisation "Reporter ohne Grenzen" an Googles Umsetzungen. "Der Start von Google.cn(öffnet im neuen Fenster) ist ein schwarzer Tag für die Meinungsfreiheit in China" , bemängelt die Organisation, die sich weltweit für die Durchsetzung der Presse- und Redefreiheit einsetzt. Es wird kritisiert, dass Google etwa in den USA die Internetnutzer vor der US-Regierung schützt, bei dieser Aufgabe aber auf dem chinesischen Markt versagt.
Besonders pikant ist das Verhalten Googles auf dem chinesischen Markt, weil sich der Suchmaschinengigant als Firmenmotto auf die Fahnen geschrieben hat, nicht böse zu sein ("Don't be evil") und hier mit diesem hehren Ziel bricht. Auch wendet sich Google von seinem Vorhaben ab, dem Internetnutzer alle Informationen der Welt leicht zugänglich zu präsentieren. Stattdessen hilft Google aktiv, die Auswahl der verfügbaren Informationen zu beschränken.
Google selbst sieht die Sache freilich anders und bezeichnete die Umsetzung von Google.cn gegenüber dem Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) als akzeptable Balance zwischen den chinesischen Gesetzen und der Firmenphilosophie, alle Informationen der Welt zugänglich zu machen. Eine zensierte Version von Google erfülle dieses Ziel mehr als wenn die Suchmaschine überhaupt nicht in China angeboten werde, begründet Andrew McLaughlin, Senior Policy Counsel bei Google, das Verhalten gegenüber der Zeitung.
Bereits vor dem Start von Google.cn war eine chinesischsprachige Variante der Suchmaschine verfügbar, die aber mit langsamen Antwortzeiten zu kämpfen hatte, weil die gesamte Infrastruktur in den USA stand. In dieser chinesischen Google-Variante wurden bereits Newsseiten zensiert, während die Websuche bislang unbehelligt blieb.
Besonders Googles Einhaltung der chinesischen Gesetze, die vielfach die Meinungsfreiheit unterdrücken, kritisiert "Reporter ohne Grenzen". Nach deren Auffassung müsse Google die chinesischen Gesetze nicht befolgen, weil diese gegen die allgemeinen Menschenrechte verstoßen. Die Organisation bemängelt, dass Google mit seinem Verhalten der chinesischen Regierung hilft, den Internetzugang zu beschränken.
Auf dem chinesischen Markt sind Yahoo und Microsoft bereits seit längerem mit Suchmaschinen aktiv, wobei auch diese nach dem Willen der chinesischen Führung um unliebsame Inhalte bereinigt wurden und werden. "Reporter ohne Grenzen" hat Anfang Januar 2006 einen 6-Punkte-Leitfaden(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, um Unternehmen zu zeigen, wie sie sich in Gesellschaften ohne Wahrung der Meinungsfreiheit verhalten sollten.



