Spieletest: Sly 3 - Jump&Run-Adventure in Hochform
Neuer Teil der Sly-Racoon-Serie für PlayStation 2. Während beispielsweise Jak & Daxter oder Ratchet & Clank Namen sind, die beinahe jeder PlayStation-2-Besitzer kennen dürfte, ist die Popularität von Meisterdieb Sly Racoon und seiner Bande eher gering – und das, obwohl bereits die ersten beiden Spiele in der Reihe atmosphärische und spielerische Highlights waren. In Sly 3: Honor Among Thieves zieht der Waschbär nun erneut los und begeistert wieder einmal mit abwechslungsreichem Gameplay und einer wunderbar erzählten Geschichte.
Von Beginn an erinnert Sly 3 an den direkten Vorgänger – Inszenierung, Optik und Bedienung haben sich praktisch nicht geändert. Neu sind dafür die Umstände, in denen sich die Truppe befindet: Sly Racoon muss dafür sorgen, dass sein sorgfältig gehüteter Familienschatz nicht einer Reihe von bösen Ganoven in die Hände fällt und dafür eine Reise antreten, die in Venedig beginnt, später aber quer durch die Welt über Australien bis hin nach Asien führt. Natürlich ist er dabei wieder nicht alleine: Schildkröte und Mastermind Bentley sitzt nach den Erlebnissen in Sly 2 zwar neuerdings im Rollstuhl, löst aber weiter auch die kniffligsten Probleme und hackt sich in alle Computersysteme ein. Und Kraftprotz Murray hat ebenfalls wenig von seiner Durchschlagkraft verloren und ist immer dann zur Stelle, wenn nur noch pure Gewalt weiterhilft und Türen durchbrochen oder gleich ganze Truppen von Angreifern vermöbelt werden müssen.
Hinzu kommen im späteren Spielverlauf auch noch neue Mitstreiter, und dabei trifft man zum Teil auf alte Bekannte – ein Wiedersehen mit der Polizei-Dame Carmelita gibt es ebenso wie mit einigen von den kriminellen Typen, die man in Sly 2 noch hinter Schloss und Riegel gebracht hatte. Und mit den neuen Kumpanen erweitert sich natürlich auch das Waffen- und Gadget-Arsenal der Truppe; da stehen dann plötzlich auch Schusswaffen, Feuerwerkskörper oder Fernlenk-Hubschrauber zur Verfügung.
Wie im Vorgänger gibt es auch in Sly 3 vor jeder Mission ein umfangreiches Briefing, in dem in einer Art Dia-Vortrag auf sehr witzige Art und Weise erzählt wird, was in den nächsten Minuten zu tun ist. Das eigentliche Gameplay bietet dann den gewohnten Mix aus Action-Adventure, Jump&Run und Minispielen und variiert wie angesprochen in Abhängigkeit davon, wen man gerade steuert.
Mit einem der spielbaren Charaktere hüpft man zunächst vom Unterschlupf des Teams aus durch das liebevoll gestaltete Stadtszenario in Italien, Holland oder der Karibik zum Einsatzpunkt, vermöbelt unterwegs Wachen und Gegner oder schleicht sich unauffällig über Laternen und Dächer – und dann beginnt oft eine Geschicklichkeitsübung oder andere abwechslungsreiche Aktionen und Mini-Spiele wie etwa ein Boots-Rennen oder das Knacken von Schlössern. Letzteres wartet übrigens mit einer speziellen Überraschung auf: Sony legt Sly 3 eine 3D-Brille bei, wie man sie aus frühen TV-Versuchen kennt und die an einigen speziell gekennzeichneten Stellen im Spiel aufgesetzt werden kann; ob das Ganze spielerisch sinnvoll ist, können wir allerdings leider nicht beurteilen, da unserem Pressemuster keine solche Brille beigefügt war. Allerdings lässt sich Sly 3 in dieser Hand voll Situationen natürlich auch ohne rot-grün gefärbte Sicht lösen.
Besonderer Höhepunkt von Sly 3 ist natürlich wieder einmal die tolle Inszenierung: Die stimmige Geschichte ist ebenso witzig wie spannend, Missions-Briefings- und Zwischensequenzen wirken, als wären sie direkt einem tollen Comic-Band entnommen und die abgedrehten Charaktere sind ebenso liebenswert wie ungewöhnlich. Hinzu kommen eine gewohnt gute Sprachausgabe – auch wenn Murray diesmal leider mit einer neuen Synchronstimme auskommen muss – und eine sehr stimmige Spiel-Grafik im Cel-Shading-Look. Der Schwierigkeitsgrad ist wieder sehr familienfreundlich niedrig angesetzt, auch Jump&Run-Neulinge werden mit den gelegentlichen Hüpfeinlagen also mit ein bisschen Übung schnell zurechtkommen.
Sly 3 ist exklusiv für die PlayStation 2 im Handel erhältlich und kostet etwa 60 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten.
Fazit: Wer die Sly-Racoon-Reihe bisher ignoriert hat, sollte spätestens jetzt zugreifen – Sly 3 fasst alle Stärken der Serie zusammen und bündelt sie mit einer Hand voll sinnvollen Neuerungen. Neben der spielerischen Abwechslung aus Schleich-, Spring-, Action- und Minispiel-Einlagen wartet der Titel zudem wieder mit einer stimmig erzählten Geschichte auf und bietet genau das, was man bei so vielen anderen Spielen vermisst: ein durch und durch schlüssiges, liebevoll arrangiertes und zu keinem Zeitpunkt unfertig wirkendes Spielerlebnis.