2005: Web 2.0 mit Vorratsdatenspeicherung

Urheber- und Bürgerrechte zwischen den Fronten

In Frankreich zeichnete sich Ende 2005 ein bizarrer Streit ums Urheberrecht ab: Eine geplante drastische Verschärfung des Urheberrechts, von der sich auch Entwickler freier Software bedroht sahen, wurde nicht im Schnelldurchlauf vor Weihnachten verabschiedet, stattdessen brachte eine kleine Gruppe Abgeordneter eine Legalisierung von Tauschbörsen auf den Weg - unter dem Strich eine interessante Ausgangsposition für 2006. In Kanada ging ein Gesetzesvorschlag zum Schutz von Urhebern so weit, dass er gleich das Cachen von Webseiten in Frage stellte.

Stellenmarkt
  1. Data & Analytics Architecture Professional (m/w/d)
    Schaeffler AG, Nürnberg
  2. Technische Sachbearbeiterin / Technischer Sachbearbeiter Netzdesign - Baubetreuung und Planung (m/w/d)
    Der Polizeipräsident in Berlin, Berlin
Detailsuche

Hier zu Lande wurde der zweite Korb der Urheberrechtsnovelle auf Grund der Bundestagswahl verschoben. Die Ideen dabei könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Musikindustrie hätte beispielsweise gern eine verlängerte Schutzfrist für Tonträger von 95 Jahren, ein Sendeprivileg sowie die Abschaffung der Privatkopie. Das Projekt FairSharing hingegen setzt sich für eine Legalisierung von Musik- und Filmtausch ein. Die Verwertungsgesellschaften, allen voran die VG Wort, pochen weiterhin auf Pauschalabgaben auf PCs und PC-Zubehör, was die Gerätehersteller auf die Palme bringt. Sie setzen auf DRM statt Pauschalabgaben, während die VG Wort durch die Urteile zu ihren Gunsten das Recht der Bürger auf privates Kopieren nachhaltig gestärkt sieht.

Derweil kommt Jochen Haller in seiner Dissertation zum Thema Urheberrecht zu dem Schluss, "Weniger Schutz ist besser für die Gesellschaft". Leonardo Chiariglione, Gründer des MPEG-Standards, sieht in einer Kultur-Flatrate keinen Gegensatz zu DRM und die OECD empfiehlt der Musikindustrie unterdessen, sie solle sich die neue Technik zunutze machen.

Unabhängig von der Urheberrechtsnovelle freut sich die Musikindustrie aber über Pläne der Bundesregierung im Rahmen der EU-Duchsetzungsrichtlinie: Der Gesetzentwurf soll den Kampf gegen Produktpiraterie erleichtern und die Stellung von geistigem Eigentum stärken. Unter anderem wird auch ein Auskunftsanspruch gegenüber Dritten, z.B. Providern, eingeräumt.

Besonders pikant sind diese Pläne vor dem Hintergrund der auf EU-Ebene beschlossenen Vorratsdatenspeicherung, die von Datenschützern als verfassungswidriger Eingriff in das Telekommunikationsgeheimnis und in den Datenschutz abgelehnt wird. Mit der geplanten Speicherung aller Verbindungsdaten über bis zu 24 Monate drohe Europa von einer freiheitlichen Informationsgesellschaft zum digitalen Überwachungsstaat zu werden.

Für die Musikindustrie war 2005 ein durchaus erfolgreiches Jahr, zumindest wenn man glaubt, dass Tauschbörsen Musikern schaden. Der US-Supreme-Court machte Anbieter von Tauschbörsen-Software haftbar für Urheberrechtsverletzung, einige machten daraufhin dicht. Kazaa bietet seine Software derweil in Australien nicht mehr an.

Aber nicht nur Tauschbörsen sind im Visier der Musikindustrie, auch Anbieter, die meinen, Lücken in der Verwertungskette auszunutzen, standen unter Beschuss; Weblisten.com machte dicht, Allofmp3.com versuchte man durch Link-Verbote unsichtbar zu machen. Auch Links auf Slysoft, die Software des Herstellers kann Kopierschutzsysteme umgehen, werden angegriffen, selbst in redaktionellen Umfeldern. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen, der betroffene Heise-Verlag kündigte im Kampf um die Pressefreiheit Verfassungsbeschwerde an. In einem anderen Streitfall, in den Heise verwickelt ist, steht die Existenz von Foren auf dem Spiel. Die Frage ist, ob der Heise-Verlag mehr als 200.000 Foren-Beiträge im Monat vor Veröffentlichung auf Rechtsverstöße prüfen muss.

Das für die Musikindustrie wichtige Thema Urheberrechte treibt 2005 interessante Blüten: Sony BMG blamierte sich mit dem völlig misslungenen Kopierschutz der Firma First4Internet, US-Lehrbuchverlage wollen Lehrbücher künftig digital anbieten, nutzbar bei minimalem Preisvorteil gegenüber dem Neukauf der gedruckten Version, aber nur für ein Semester.

Für die Rechte der Nutzer setzt sich derweil das Projekt iRights.info ein. Hier geht es vor allem um Aufklärung über die rechtliche Situation aus Sicht des Kunden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 2005: Web 2.0 mit Vorratsdatenspeicherung
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Burnout in der IT
"Es ging einfach nichts mehr"

Geht es um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter, appellieren Firmen oft an deren Eigenverantwortung. Doch vor allem in der Pandemie reicht das nicht.
Von Pauline Schinkel

Burnout in der IT: Es ging einfach nichts mehr
Artikel
  1. Analoge Kamera: Bastler baut unkomplizierte digitale Filmpatrone
    Analoge Kamera
    Bastler baut unkomplizierte digitale Filmpatrone

    Für seine alte Kamera hat der Bastler Befinitiv einen Filmersatz aus einem Raspberry Pi Zero W und der Pi Camera gebaut - das einfache Design hat aber einen Haken.

  2. Cell Broadcast: Seehofer sieht keine Widerstände mehr gegen Warnung per SMS
    Cell Broadcast
    Seehofer sieht keine Widerstände mehr gegen Warnung per SMS

    Innerhalb der Bundesregierung gab es wohl Widerstände gegen die Einführung von Cell Broadcast. Laut Seehofer sind diese nun überwunden.

  3. Kryptowährung: Bitcoin kratzt an der 40.000-Dollar-Grenze
    Kryptowährung
    Bitcoin kratzt an der 40.000-Dollar-Grenze

    Nachdem der Bitcoin lange bei einem Kurs um die 32.000 US-Dollar verharrte, geht es seit dem Wochenende bergauf. Grund könnte Amazon sein.

christian H 19. Jan 2006

www.reliwa.de

mgs 28. Dez 2005

Nein, nein, das ist schon richtig. Der Ausblick auf das Web 2006, nach der...



  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Bosch Professional Amazon-Exklusives günstiger • Samsung G7 27" QLED Curved WQHD 240Hz 459€ • Kingston Fury 32GB Kit 3200MHz 149,90€ • 3 für 2 & Sony-TV-Aktion bei MM • New World vorbestellbar ab 39,99€ • Alternate (u. a. Deepcool RGB LED-Streifen 10,99€) • Apple Days [Werbung]
    •  /