Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

www.ftp-Welt.com - Anklage gegen vier Verdächtige erhoben

Ermittlungsverfahren gegen Kunden von www.ftp-welt.com laufen. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen hat Anklage gegen vier Verdächtige erhoben, denen vorgeworfen wird, über die Webseite www.ftp-welt.com widerrechtlich Kopien von Filmen, Musikdaten, PC-Spielen und Computerprogramme vertrieben zu haben. Insgesamt sollen die Angeklagten einen Gewinn von 700.000 Euro erwirtschaftet haben. Ermittlungen gegen Nutzer des Dienstes laufen noch.
/ Ingo Pakalski
47 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)

Der strafrechtliche Vorwurf gegen die beiden Brüder Daniel R. und Thomas R. sowie gegen den Münchner Rechtsanwalt Bernhard S. lautet auf gemeinschaftliche gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke und gemeinschaftliche Verbreitung pornografischer Schriften. Dem Mitangeklagten Martin E. wird Beihilfe zu diesen Straftaten vorgeworfen. Dem Angeklagten Daniel R. wirft die Staatsanwaltschaft außerdem die Anstiftung zur Ausspähung von Daten, Computersabotage und Kennzeichenverletzung vor.

Von Juni 2003 bis September 2004 sollen vier Männer im Alter von 21 bis 47 Jahren ohne Genehmigung der Rechteinhaber über die Webseite www.ftp-welt.com Filme, Musik, PC-Spiele und Anwendungssoftware angeboten und damit rund 700.000 Euro Gewinn erzielt haben.

Der Beschuldigte Daniel R. soll Anfang 2003 erste Planungen vorgenommen haben, um über das Internet Spielfilme, Software und Musik zu verkaufen. Laut Staatsanwaltschaft war das Ziel des Vorhabens, möglichst große Profite zu erzielen. In den Folgemonaten soll sich Daniel R. dann mit seinem mitangeklagten Bruder Thomas R. und dem Münchner Rechtsanwalt Bernhard S. zusammengetan haben, die dann gemeinsam ein Organisations- und Vertriebskonzept erarbeitet haben. Das Resultat war die Gründung einer Firma auf den British Virgin Islands und der Beginn von www.ftp-welt.com.

Wie die Staatsanwaltschaft erklärt, waren zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Spielfilme, 9 Filme mit pornografischem Inhalt sowie 27 Softwareprodukte verfügbar, was sich bis zum Jahr 2004 deutlich steigerte. Am 9. August 2004 bot der Dienst nach Angaben der Staatsanwaltschaft 329 Filmtitel, davon 15 pornografische Filme, 100 MP3-Dateien, 86 PC-Spiele und 29 PC-Programme. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nutzten rund 15.000 Kunden diesen Dienst.

Die organisatorischen Aktivitäten übernahm der Mitangeklagte Bernhard S., der etwa Server angemietet und Rechnungslegungen kontrolliert habe, so die Staatsanwaltschaft. Zudem soll der Münchner Rechtsanwalt beratend tätig gewesen sein. Bernhard S. bestreitet, Kenntnis von den illegalen Geschäften gehabt zu haben. Dem gleichfalls Mitangeklagten Martin E. wird lediglich Beihilfe vorgeworfen, da er mit der Wartung und der Erledigung technischer Änderungen betraut gewesen sei. Dazu mietete er auf Weisung von Daniel R. unter falschem Namen Hotelzimmer mit Internetanschluss an.

Im Sommer 2003 soll der Angeklagte Daniel R. mit einem von ihm beauftragten russischen Programmierer dafür gesorgt haben, dass der Eindruck entstehe, dass alle von www.ftp-welt.com angebotenen Dateien auf den Servern der Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel gelagert seien. Das war auch der Grund, dass die Fachhochschule zu Beginn der Ermittlungen in das Visier der Behörden geriet. Wie man jetzt weiß, waren die Vorwürfe unbegründet.

Um der Seite www.ftp-welt.com einen seriösen Anstrich zu verpassen, postierte Daniel R. auf der Startseite einen Schriftzug mit der "Bezeichnung Downloadtest", der ein Plagiat des Logos der "Stiftung Warentest" darstellte, heißt es von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen.

Mitte September 2004 fanden Hausdurchsuchungen wegen www.ftp-welt.com statt und es ergingen Haftbefehle, die später außer Kraft gesetzt wurden. Im Zuge der Ermittlungen konnten die Behörden Ende September 2004 Bargeld in Höhe von 380.000,- Euro sicherstellen. Die Angeklagten hatten diese Summe zuvor von einem Geschäftskonto abgehoben und versteckt. Insgesamt wurden in dem Verfahren Vermögenswerte von rund 723.000 Euro sichergestellt. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten im Wesentlichen auf sämtliche vorläufig gesicherten Vermögenswerte freiwillig verzichtet. Die Angeklagten haben sich zu den Vorwürfen geäußert, diese jedoch nur teilweise eingeräumt.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mühlhausen wurden durch das Thüringer Landeskriminalamt die Identitäten von rund 14.500 Kunden ermittelt. Davon wurden bereits mehr als 7.700 Ermittlungsvorgänge an die für den Wohnsitz der jeweiligen Kunden zuständigen Landeskriminalämter weitergeleitet. Etwa 120 Verfahren sind derzeit bei den Staatsanwaltschaften in Thüringen anhängig, davon wiederum 28 bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Durch Letztere wurden 20 Verfahren ohne Auflagen eingestellt. In den übrigen Verfahren dauern die Ermittlungen an.


Relevante Themen