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Interview: Ein Spezialprozessor wäre für Intel gefährlich

Golem: Sie sind bei Intel jetzt schon einige Monate für das Server-Geschäft und den Itanium zuständig. Auf dem letzten Herbst-IDF in San Francisco im August 2005 zeigten sie sich nach ihrer Präsentation enttäuscht, dass nicht ein Teilnehmer Fragen zu Itanium-Produkten stellen wollte. Hat sich das inzwischen geändert?

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Gelsinger: Damals hat sich Presse halt für andere Dinge interessiert ... ich würde sagen, dass es letztens eine Art "stille Zeit" um den Itanium gegeben hat. Und plötzlich tauchten diese Gerüchte auf, dass HP und andere Unternehmen den Itanium fallen lassen würden. Die sind aber vollkommen unbegründet und falsch.

Golem: An diesen Gerüchten ist also nichts dran?

Gelsinger: Sie sind vollkommen unbegründet und völlig falsch. Auch, dass Intel den Itanium aufgeben würde, wurde ja berichtet - und auch das ist vollkommen falsch. Außer, dass die Presse ein bisschen Spaß damit hat, gibt es für die Gerüchte keine Grundlage. Der Itanium ist von entscheidender Wichtigkeit für HPs Geschäfte. Man muss sich doch nur einmal deren Produktportfolio, Umsätze und die Dienstleistungen und Software-Angebote rund um den Itanium ansehen. Und was uns betrifft: Wir senken unsere Investitionen in den Itanium nicht, wir erhöhen sie!

Golem: Als Ersatz für Mainframes scheint der Itanium ja bereits ein Erfolg zu sein. In der Top-500-Liste der schnellsten Supercomputer stehen über 70 Itanium-Systeme. Wird es in Zukunft auch kleinere Rechner mit Itaniums geben? SGI hat vor kurzem eine Workstation angekündigt, aber das ist das einzige neue Produkt dieser Klasse mit Itanium-Prozessor.

Gelsinger: Beim Mainframe-Ersatz war das klar abzusehen. Jeder in der Branche wechselt zum Itanium: Fujitsu, Hitachi, NEC, Unisys, Bull, HP - also jeder im Mainframe-Geschäft, mit Ausnahme von IBM, hat das als strategische Entscheidung gefällt. Damit ist der Itanium die einzige echte Alternative für einen Mainframe. Bei den Supercomputern wiederum findet gerade eine Spaltung statt. Jeder, außer IBM, der Multiprocessing-Systeme baut, hat den Itanium gewählt, wenn die Rechner skalierbar und mit gemeinsamem Speicher ausgestattet sein sollen. Wenn Sie sich die Top-500-Liste ansehen, werden Sie feststellen, dass die meisten Rechner gut verteilte Parallelsysteme sind, typischerweise also Cluster oder Grids. Bei diesen Rechnern arbeiten manche mit Itaniums und manche mit Xeons. Insgesamt liegt Intels Marktanteil an den Top-500-Systemen bei etwa zwei Dritteln. Von diesen zwei Dritteln ist etwa ein Viertel mit Itaniums ausgestattet, drei Viertel mit Xeons.

Golem: Woher kommt das?

Gelsinger: Die Xeon-Supercomputer sind meistens Grids. Wenn man aber ein hoch skalierfähiges, symmetrisches Design braucht, hat sich der Itanium als der Prozessor der Wahl herausgestellt. Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen wie IBMs "Blue Gene". Bei den kleineren Servern reden wir aber von "RISC Replacement", wo man die Wahl zwischen zwei oder vier Prozessoren mit PA/RISC-, MIPS-, Power-, Xeon- oder Itanium-Architektur hat. Das ist das Segment, wo es die meisten Alternativen gibt. Die Leute nehmen da dann Vierfach-Xeon-Rechner und skalieren dann nach oben. SGI ist hier mit Itanium-Maschinen schon aktiv, und ich erwarte da auch noch andere Mitspieler, die 2- und 4fach-Maschinen anbieten werden. Wir sehen das aber nicht als großen Trend.

Golem: Ist nicht gerade in diesem Bereich das Betriebssystem entscheidend? Microsoft hat vor kurzem angekündigt, keine allgemeine Variante von Windows "Longhorn" für den Itanium zu entwickeln, nur spezielle Versionen etwa für Datenbank-Server.

Gelsinger: Diese Ankündigung von Microsoft kann man positiv oder negativ auffassen und Sie haben gerade die negative Seite beschrieben. Lassen Sie mich das mal positiv formulieren: Microsoft hat doch angekündigt, langfristig bestimmte Anwendungsmodelle des Itanium unterstützen zu wollen. Sie unterstützen aber zum Beispiel keine Druckerserver - aber warum sollte man denn da einen Itanium reinstecken? Sie unterstützen den Itanium nicht für Mailserver - und warum sollte man ihn da auch einsetzen? Was Microsoft also gesagt hat ist, dass sie den Itanium in all den Bereichen unterstützen, für die wir oder HP oder jeder andere ihn auch positionieren.

Golem: Wird dennoch nicht Linux immer wichtiger für den Itanium?

Gelsinger: Gerade bei den Supercomputern ist Linux eine sehr wichtige Alternative. Aber beim RISC-Replacement wird die Entscheidung über das Betriebssystem von dem OS getrieben, das ersetzt werden soll. Da gibt es zum Beispiel Primequest von Fujitsu, HP/UX von HP und so weiter. Viel von unserem gesamten Itanium-Volumen geht in diesen Markt für Mainframe-Betriebssysteme. Wenn aber jemand ein Microsoft-Betriebssystem haben will, ist das meist aus den Synergieeffekten getrieben, wenn Windows exklusiv in einer Schicht des Unternehmens eingesetzt wird. In allen drei Bereichen, beim Mainframe-Ersatz, Linux und Microsoft, sind wir dabei mit dem Itanium erfolgreich, da gibt es echte Anwendungen und echte Kunden.

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Higgins 23. Nov 2005

Medizin. Du meintest MEDIZIN.

Steppenwolf 22. Nov 2005

Naja, das x86-Design ist schon so oft totgesagt worden ... vielleicht erinnerst du dich...

jakobi 21. Nov 2005

Ups habe beim Performance Diagram geschaut: Bei den Systemen sieht so aus 66,6 % Intel...


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