'Killerspiele' im politischen Rampenlicht
Unter "Killerspielen" versteht die CDU-Politikerin dabei Spiele, bei denen es darum geht, möglichst alles zu zerstören. Dadurch werde Gewalt eingeübt, so Böhmer gegenüber dem Deutschlandradio. Argumente, dass die Spiele Schnelligkeit und strategisches Denken verlangen würden, lässt sie nicht gelten, dafür gebe es auch andere Darstellungsformen. Die Diskussion über Killerspiele sei dabei mindestens genauso wichtig wie eine rechtliche Überprüfung und eine Verbotsregelung.
Böhmer hebt darauf ab, dass sich durch entsprechende Gewaltdarstellungen die Hemmschwelle im alltäglichen Umgang miteinander verschieben könne, was möglicherweise zu einer Abstumpfung und zur Toleranz von Gewalt im ganz alltäglichen Umgang führe. Diese Entwicklungen müsse man im Blick haben, nicht nur die spektakulären und schrecklichen Einzelfälle, so Böhmer in dem Interview.
Das NRW-Landtagsmitglied Thomas Jarzombek(öffnet im neuen Fenster) , seines Zeichens Beauftragter der CDU-Fraktion für Neue Medien, vertritt einen anderen Standpunkt: "Die Äußerungen mancher Kollegen in den letzten Tagen machen mich sehr nachdenklich. Es ist absurd, dass Verbote von Spielen gefordert werden, die bereits vor Marktstart mit dem Rating USK 18 (ab 18 Jahre freigegeben) belegt oder gleich indiziert wurden."
Darüber hinaus habe der Bund mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) selbst eine starke Kontrollinstanz; die Länder haben erst im vorletzten Jahr mit der KJM (Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten) einen weiteren Schutzmechanismus geschaffen, der sich zurzeit sehr gut bewähre.
"Dass trotzdem USK-18-Spiele in vielen Kinderzimmern zu finden sind, zeugt von der begrenzten Wirksamkeit von Verboten" , so Jarzombek. "Auch ein Totalverbot wird an der Situation nichts ändern. Die meisten Gewaltspiele werden nicht verkauft, sondern illegal kopiert – entweder auf dem Schulhof oder über das Internet."
Handlungsbedarf sieht deshalb auch Jarzombek, allerdings in einem ganz anderen Bereich: Die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen werde da geschürt, wo Kinder sich selbst am Computer überlassen werden und niemand da ist, der die im Spiel entstandenen Emotionen auffängt. Laut einer Studie der Uni Bielefeld hätten 86,5 Prozent aller Mütter und 70,7 Prozent aller Väter noch nie mit ihren Kindern am Computer gespielt. "Man sollte besser solche Eltern statt der Spiele verbieten" , so der CDU-Politiker.
Er vermutet, dass auch etwas anderes dahinter stecken könnte, der alte Streit um Zuständigkeiten der Länder und des Bundes – derzeit sind Medienangelegenheiten klassische Aufgaben der Länder. "Möglicherweise handelt es sich aber auch um den Versuch, weitere Landesaufgaben durch den Bund zu übernehmen" , so Jarzombek. "Die Bundesländer haben in der Vergangenheit erfolgreich im Jugendschutz gearbeitet. Das lassen wir uns nicht von Bundespolitikern der zweiten oder dritten Garnitur schlechtreden."
Von Seiten der Spieleentwickler wird indes gefordert, dass erst einmal der Begriff "Killerspiele" eindeutig definiert werden sollte: "Soweit mit diesem Begriff auch auf die so genannten 'Ego-Shooter' abgezielt wird, möchten wir darauf hinweisen, dass aus unserer Sicht die bestehenden Regelungen im Bereich des Jugendschutzes für den Bereich Computer- und Videospiele ausreichen" , so der norddeutsche Entwickler-Verband Northstar Developers. Auch hier heißt es, dass bereits die bestehenden gesetzlichen Regelungen eine Indizierung und damit ein Verbot von Gewalt verherrlichenden und Menschen verachtenden Computerspielen vorsehen würden.
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