T2: Optimale Linux-Distribution im Eigenbau
Zwar ist T2 in erster Linie eine Distribution von Entwicklern für Entwickler, trotzdem gestaltet sich die Installation nicht sonderlich kompliziert. Dennoch müssen beispielsweise benötigte Dienste aus Sicherheitsgründen explizit gestartet werden, von Hause aus sind alle Dienste deaktiviert. Das Konfigurationswerkzeug "stone" deckt lediglich die wichtigsten Bereiche ab, ausgeklügelte Wizards, wie sie andere Distributionen bieten, bringt T2 nicht mit, wohl aber eine umfangreiche Dokumentation und eine Schnellstart-Anleitung(öffnet im neuen Fenster).
Die Stärken von T2 liegen in anderen Bereichen: T2 verfügt über eine sehr klare und schlanke Struktur, lässt die einzelnen Softwarepakete weitgehend unangetastet und erlaubt es, die gesamte Distribution auf die Ziel-Hardware zu optimieren, ähnlich wie diverse BSD-Derivate oder Gentoo. Dabei bestehen die einzelnen Pakete in der Regel nur aus einer knappen Paketbeschreibung und verweisen auf die Original-Quelltexte. Patches werden nur dann eingebunden, wenn dies unbedingt notwendig ist, beispielsweise weil eine Software sich andernfalls nicht kompilieren lässt oder eine Sicherheitslücke gestopft werden soll.
Entsprechend einfach ist es, neue T2-Pakete zu erstellen, denn es werden lediglich einige Meta-Daten benötigt. Das Build-System von T2 kann die meisten Pakete automatisch erstellen und auch Abhängigkeiten weitgehend automatisch auflösen, ohne dass diese in die Pakete per Hand eingepflegt werden müssen. Die Quelltexte werden direkt von den Entwicklern übernommen, wenn gewünscht auch aus dem CVS- oder SVN-Repository, so dass T2 eine sehr aktuelle Software-Auswahl bieten kann.
Dabei ist T2 auf zahlreichen Plattformen verfügbar. Derzeit werden Alpha, ARM, IA32 (x86, inkl. AMD64), IA64 (Itanium), MIPS, HPPA (inkl. HPPA64), PowerPC, Sparc (inkl. Sparc64) und SuperH unterstützt.
Größter Vorteil an T2 ist die hohe Flexibilität. Mit dem Baukasten lassen sich Distributionen für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke erstellen, angefangen bei einer Zusammenstellung von unter 10 MByte für Embedded-Geräte über eine Server-Konfiguration bis hin zu Desktop-Betriebssystem samt KDE, GNOME und OpenOffice.org. Insgesamt umfasst T2 derzeit mehr als 1.200 Pakete.
T2 erzeugt dazu so genannte "Targets", wobei es sich um eine Art Sub-Distribution handelt – beispielsweise das Image einer Installtions-CD, eine Live-CD oder ein ROM-Image, das die gewünschte Zusammenstellung enthält. Aber auch eine Netzwerkinstallation ist möglich, da der gesamte Installationsprozess terminalbasiert abgewickelt wird. Dies eignet sich vor allem für größere Installationen, wobei auch Cluster-Systeme explizit unterstützt werden.
Dabei setzt T2 in großem Umfang auf Bash-Scripte und bringt von Hause aus einige dieser Targets mit, darunter ein Boot-, Installations- und Rettungssystem, ein allgemeines Target, das alle verfügbaren Pakete baut, ein minimales System für kleine Geräte, wahlweise auch mit X oder mit der "DietLibC" sowie Server- und Router-System sowie ein Desktop, für den auch kommerzieller Support angeboten wird.
Die einzelnen Targets können wiederum als Baukasten für neue Sub-Distributionen dienen, wobei sie nicht auf die Paketauswahl beschränkt sind, die sie selbst nutzen. Vielmehr reduziert ein Target den Download- und Build-Aufwand, kann aber auch zusätzliche Pakete herunterladen und in neue, zu erzeugende Targets einbinden. Jedem Target stehen wieder alle T2-Pakete zur Verfügung, eine Internetverbindung vorausgesetzt.
Einzelne Pakete lassen sich aus den Quelltexten direkt mit einem Befehl wie "./scripts/Emerge-Pkg -dep xemacs" übersetzen und installieren. Auch ein Update des gesamten Systems ist mit "./scripts/Update-System" möglich, was an Debian oder Gentoo erinnert. Die große Flexibilität zeigt sich beispielhaft am Boot-Loader, hier werden über das Setup-Tool "stone" neben LILO und GRUB auch Yaboot, SILO und ABoot unterstützt.
Für die Hardware-Erkennung ist in der Version 2.1 "Rock-Plug" verantwortlich, das vollständig auf dem Hotplug-Mechanismus von Linux basiert. Das System unterscheidet somit nicht zwischen fest integrierter Hardware und Geräten, die im laufenden Betrieb hinzugefügt werden. Für die Netzwerkkonfiguration steht Rock-Net zur Verfügung.
T2 bringt in der Version 2.1 zudem Unterstützung für U/DEV(öffnet im neuen Fenster) und HAL(öffnet im neuen Fenster) mit, diese sind allerdings standardmäßig deaktiviert. Dies wird sich aber vermutlich mit T2 2.2.0 ändern, dem nächsten stabilen Release, das in rund drei Monaten erscheinen soll. Die Version 2.2.0 wird dann umfangreichen Gebrauch von Techniken wie U/DEV(öffnet im neuen Fenster), D-BUS(öffnet im neuen Fenster) und HAL(öffnet im neuen Fenster) machen. Im Desktop-Bereich soll dies die Unterstützung von Wechseldatenträgern wie CDs, ZIP-Disks oder USB-Sticks verbessern. HAL (Hardware Abstraction Layer) bietet dazu eine Infrastruktur, die Programme für die Anzeige von Hardware-Informationen verwenden können. D-BUS könnte in Zukunft spezielle Kommunikationsprotokolle ablösen, beispielsweise wenn es darum geht, Sonderfunktionstasten zum Dimmen des Bildschirms oder der Lautstärke-Einstellung am Notebook abzuwickeln.
Auch ROCK Plug wird mit der kommenden Version 2.2 aufs Altenteil geschickt und durch die in C++ geschriebene Hotplug-Implementierung hotplug++ ersetzt. Dann soll auch ein neuer Userspace-Code zusammen mit einem komplett modularen Kernel zum Einsatz kommen, der dann von nahezu jeder Hardware – samt SCSI, iSCSI oder Firewire – booten kann.
Als Kernel kommt Linux zum Einsatz, aber T2 ist nicht darauf beschränkt; an der Unterstützung von Hurd, OpenDarwin und OpenBSD wird schon gearbeitet.
T2 steht in der stabilen Version 2.1 ab sofort unter t2-project.org(öffnet im neuen Fenster) zum Download als Installations-CD bereit, kann aber auch direkt aus den Quellen gebaut werden, ein funktionierendes System samt Compiler und GNU-Tools vorausgesetzt. Auch die noch in der Entwicklung befindliche Version 2.2, auf der auch die T2-Live-CD basiert, ist schon verwendbar und steht ebenfalls zum Download bereit.
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