Studie: Deutschland hinkt trotz Breitbandschub hinterher
Mit gerade einmal 6,9 Millionen Nutzern und 18 Prozent Marktdurchdringung gehörte Deutschland Ende 2004 im internationalen Vergleich zu den Breitbandschlusslichtern. Schuld war der fehlende Wettbewerb auf der Infrastrukturseite, die wenigen Anbieter mit meist nur geringer Marktpräsenz, die gemessen an anderen Ländern relativ hohen Zugangspreise und die Koppelung des DSL-Zugangs. Erst mit dem DSL-Resale-Angebot der Deutschen Telekom Mitte 2004 kam Bewegung in den Markt, so Mercer.
So sei mit 1&1, freenet und Arcor auf überregionaler Ebene und regionalen Anbietern wie HanseNet oder Versatel ein aggressiver Wettbewerb entstanden, der die Vermarktung höherer Bandbreiten auf bis zu 6 MBit/s angetrieben und einen harten Preiskampf bei Flatrate-Tarifen sowie Anschlussgebühren ausgelöst hat. Teilweise gingen die Preise um weit mehr als 50 Prozent zurück.
Dem deutschen Breitbandmarkt habe dies einen deutlichen Schub gegeben. Die Zahl der Nutzer in Deutschland kletterte im ersten Halbjahr 2005 um weitere 16 Prozent auf 8 Millionen, was einer Breitbandpenetration von nunmehr rund 21 Prozent entspricht. "Dies kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland in punkto Breitband im internationalen Vergleich noch immer weit hinterherhinkt und Gefahr läuft, ein signifikantes volkswirtschaftliches Wachstumspotenzial zu verschenken", konstatiert Alexander Mogg, Medienexperte bei Mercer Management Consulting.
Erst im Jahr 2010, so die Mercer-Prognose, wird Deutschland eine Marktdurchdringung von 44 Prozent aufweisen und damit wenigstens auf den westeuropäischen Durchschnitt aufgeholt haben. Mercer rechnet mit einem hiesigen Gesamtpotenzial von 20 bis 22 Millionen Breitbandanschlüssen, so dass in drei Jahren mit 16,3 Millionen Anschlüssen bereits eine Marktsättigung von rund 80 Prozent erreicht sein wird.
Damit sei spätestens in drei Jahren das heutige Access-Geschäftsmodell als Wachstumsmotor ausgereizt. Zum anderen schrumpfen bei anhaltendem Preisdruck und weiteren Investitionen in immer höhere Bandbreiten bei den Betreibern zunehmend die Erträge.
Der Bedarf an hohen Bandbreiten sei dabei gering, komfortables Surfen, ständig online zu sein und die Möglichkeit gleichzeitig zu telefonieren und untereinander Dateien auszutauschen sei schon mit 1 MBit/s gut möglich. Gerade 2 Prozent der DSL-Kunden nutzen derzeit Bandbreiten von 3 MBit/s beziehungsweise 6 MBit/s, 13 Prozent werden es laut Mercer im Jahr 2010 sein. Dann aber werden sich immer noch 60 Prozent der Breitbandnutzer mit 1 MBit/s oder weniger zufrieden geben.
Alexander Mogg sieht darin ein Dilemma für die Breitband-Anbieter: "Hohe Bandbreiten sind die Voraussetzung für attraktive neue Inhalte, Dienste und Anwendungen, die dem Kunden eine neue TV- oder PC-Erlebniswelt eröffnen. Außer bei TV/Video zeichnen sich derzeit allerdings keine neuen breitbandigen Dienste ab, die den Netzbetreibern, Medienhäusern, Internet-Providern und Content-Anbietern zusätzliche Erlösquellen bescheren."
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