Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Gegenklage: Activision greift Finest-Hour-Entwickler an

Publisher wirft Spark Unlimited Betrug und Vertragsbruch vor. Der Publisher Activision reagiert mit einer Gegenklage und nicht minder heftigen Vorwürfen auf die Klage des kleinen Entwicklerstudios Spark Unlimited. Damit werfen sich nun Activision und Spark Unlimited gegenseitig Betrug und Vertragsbruch vor, Activision geht jedoch noch weiter.
/ Christian Klaß
7 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Spark entwickelte für Activision das 2004 erschienene Konsolenspiel "Call of Duty: Finest Hour" und sollte noch zwei Nachfolger liefern. Im März 2005 kündigte Activision an, zwei neue Call-of-Duty-Konsolentitel durch drei seiner internen Studios entwickeln zu lassen. Spark hingegen vermeldete, einen Vertrag mit Atari über Spiele für kommende Konsolen abgeschlossen zu haben. Im August 2005 machte Spark dann durch eine Klage gegen Activision auf sich aufmerksam. Das Spielestudio wirft dem Publisher Betrug, Vertragsbruch sowie eine absichtliche Schädigung des Unternehmens vor und verlangt 10 Millionen US-Dollar als Entschädigung. Wie das Verfahren ausgeht, wird wohl erst in einigen Monaten klar sein.

Das unabhängige Entwicklerstudio besteht zum großen Teil aus ehemaligen Electronic-Arts-Angestellten, die an der Medal-of-Honor-Serie mitwirkten. An dieser Stelle setzt Activision laut eines GameSpot-Berichts(öffnet im neuen Fenster) mit seiner Gegenklage an. Spark-CEO Craig Allen hätte Activisions Klageschrift zufolge die Beteiligung der eigenen Entwickler an "Medal of Honor" bei Verhandlungen im Jahr 2002 absichtlich überbewertet.

Activision gibt an, dies selbst erst später erkannt zu haben und wirft Spark "monumentale Inkompetenz" auf der Führungsebene vor. Zudem sei das Unternehmen nur durch Intervention von Activision vor dem Ruin bewahrt worden – etwa durch vorzeitige Zahlung von Geldern, die Spark für einen Rechtsstreit mit EA benötigte. Zitiert wird dabei aus vertraulichen Projektunterlagen und E-Mails von Allen. Darin hat GameSpot zufolge der Spark-CEO selbst eingestanden, dass die Entwicklung von "Finest Hour" problematisch war und die Schuld größtenteils bei Spark selbst liege.

Die Vorwürfe seitens Activision werden jedoch im Verlauf der Klageschrift noch härter. Der ehemalige Spark-Entwicklungsleiter Adrian Jones hätte frühzeitig Entscheidungen getroffen, von denen sich Spark lange nicht erholt habe. Erst Anfang 2004 wurde er seines Postens enthoben und später durch NovaLogic-Mitgründer John Butrovich ersetzt. Entwicklungsziele sollen mehrfach nicht eingehalten worden sein. Obwohl Activision zusätzliches Personal und Geldmittel beigesteuert hatte, musste der geplante Veröffentlichungstermin vom Juni auf den November 2004 verschoben werden.

Was laut GameSpot nicht in Sparks Klage erwähnt wurde: Zusätzlich zu den 8,5 Millionen US-Dollar für die Finest-Hour-Entwicklung zahlte Activision eigenen Angaben zufolge auch noch zusätzliche 2,7 Millionen US-Dollar, wonach Spark die Verantwortung für die Entwicklung der Xbox- und GameCube-Version abgab. Activision musste dafür auf eigene Kosten externe Entwickler bemühen, heißt es seitens des Publishers.

Anstatt sich aber beim zweiten geplanten Spiel umso mehr ins Zeug zu legen und ein überzeugendes Angebot zu machen, kritisiert Activision, dass Spark nur äußerst unvollständige, uninspirierte und nicht akzeptable Entwürfe vorlegte. Dazu kam noch, dass Sparks Angebot für einen Finest-Hour-Nachfolger auch ohne einen Mehrspieler-Modus den Budget- und Zeitrahmen gesprengt hätte und Spark weiterhin auf die 3D-Engine RenderWare setzte – obwohl diese mittlerweile von Activisions Rivalen EA gekaufte wurde.

Spark hatte in seiner eigenen Klage angegeben, dass die eigenen Entwürfe für einen Nachfolger und dessen Schauplätze von Activisions eigenen Studios Gray Matter und Treyarch unerlaubt übernommen wurden. Im Oktober 2005, kurz nach Sparks erstem Entwurf, hatte Activision dann seine Verträge mit Spark gekündigt.

Activisions Anschuldigungen gegen Spark gehen noch weiter: Das Entwicklerstudio soll einige Activision-Rechner mit Quellcode des Publishers nicht zurückgegeben haben, obwohl Spark mittlerweile mit Atari zusammenarbeitet. Entsprechend wirft Activision Spark vor, Geschäftsgeheimnisse verraten und durch seine Klage auch eine bindende Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen zu haben.

Die angeführten Streitpunkte lassen nicht darauf schließen, dass Spark und sein Multimillionen-Dollar-Gegner Activision schnell zu einer Klärung gelangen. Man darf gespannt sein, ob Atari sich hinter seinen Partner stellt und ob der Rechtsstreit Auswirkungen auf die dort geplanten Projekte haben wird.


Relevante Themen