Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

ifo Institut: Rechner bergen negatives Potenzial für Schüler

Computerausstattung der Schule hat keinen Einfluss auf Leistungen der Schüler. Bislang ist man landläufig davon ausgegangen, dass eine intensive Computernutzung durch Schüler zu besseren Leistungen in der Schule führt. Dies widerlegen nun Auswertungen der internationalen PISA-Daten durch Forscher des ifo Institus. Demnach sorgt die Verfügbarkeit von Computern zu Hause und die intensive Nutzung von Computern in der Schule nicht für bessere, sondern zumeist sogar für schlechtere Leistungen.
/ Andreas Donath
45 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)

"Viele Studien betrachten lediglich den einfachen Zusammenhang zwischen zwei Variablen", erklärte Ludger Wößmann vom ifo Institut. So berichtet etwa die OECD, dass Schüler mit stärkerem Computerinteresse im PISA-Test besser abschneiden. "Andere Faktoren, die die Schülerleistung in erheblichem Maße beeinflussen, werden bei diesen Untersuchungen nicht berücksichtigt", kritisierte Wößmann die Ergebnisse.

Wie das ifo Institut berichtet, wird der Zusammenhang zwischen Computern zu Hause und PISA-Leistungen sehr klein und statistisch insignifikant, wenn der familiäre Hintergrund berücksichtigt wird. Wenn noch die Einflüsse häuslicher und schulischer Inputs (z.B. Bildungsausgaben pro Schüler), institutioneller Gegebenheiten (z.B. externe Abschlussprüfungen) und sonstige Länderunterschiede berücksichtigt werden, kehrt sich der Zusammenhang in einen statistisch signifikant negativen Effekt um: Die Leistungen von Schülern mit einem Computer zu Hause sind schlechter als die von Schülern ohne Computer. Die Kenntnisse der Schüler liegen bis zu einem halben Schuljahr auseinander.

"Wird der Computer zu Hause für Computerspiele genutzt, geht dies auf Kosten des Lernens", erklärte Wößmann die Resultate. Die ifo-Forscher können aber auch zeigen, dass sich die PISA-Leistungen leicht verbessern, wenn der Computer lernfördernd eingesetzt wird.

Ein weiteres, überraschendes Ergebnis: Die Computerausstattung der Schule hat keinen Einfluss auf die PISA-Leistungen der Schüler. Eine moderate Computer- und Internetnutzung zu Unterrichtszwecken kann durchaus einen positiven Einfluss haben. Wird dieses Niveau allerdings überschritten, besteht die Gefahr der Verdrängung alternativer Unterrichtsformen, wie dem klassischen, tafelbasierten Unterricht, und es zeigen sich negative Effekte.

"Unsere Ergebnisse besagen nicht, dass der Einsatz von Computern an Schulen prinzipiell kein positives Potenzial für Schülerleistungen hat", stellt Wößmann klar, warnt aber vor einem großflächigen intensiven Einsatz von Computern in Schulen.

Der Studientext kann als PDF(öffnet im neuen Fenster) heruntergeladen werden.


Relevante Themen