Auf dem Weg zur europäischen Digital-Bibliothek
Die Kommission bittet die Europäer mittels einer Onlinekonsultation(öffnet im neuen Fenster) zur Stellungnahme zu einer Reihe von Fragen. Die bis zum 20. Januar 2006 eingegangen Beiträge sollen in einen Vorschlag für eine Empfehlung über die Digitalisierung und digitale Aufbewahrung eingehen, der im Juni 2006 vorgelegt werden soll.
"Ohne kollektives Gedächtnis sind wir nichts und können nichts erreichen. Es definiert unsere Identität und wir nutzen es ständig für unsere Bildung, unsere Arbeit und unsere Freizeit" , bemerkte die für die Informationsgesellschaft und die Medien zuständige EU-Kommissarin Reding. "Das Internet ist unser mächtigstes neues Werkzeug für die Speicherung und gemeinsame Nutzung von Informationen seit der Druckpresse von Gutenberg. So lasst uns es verwenden, um das Material in Europas Bibliotheken und Archiven allen verfügbar zu machen."
Der für Bildung und Kultur zuständige EU-Kommissar Ján Figel fügte hinzu, dass auf diesem Gebiet die europäische Zusammenarbeit eine offensichtliche Notwendigkeit sei. Es gehe darum, die Bewahrung unseres gemeinsamen kulturellen Erbes und den Zugang zu ihm für künftige Generationen sicherzustellen.
Dass es keine leichte Aufgabe werden wird, das Material in Europas Bibliotheken und Archiven im Internet verfügbar zu machen, ist der Kommission bewusst. Es geht um eine gigantische Menge an unterschiedlichen Materialien: Bücher, Filmfragmente, Fotos, Manuskripte, Reden und Musik. Ausgewählt werden müsse aus 2,5 Milliarden Büchern und gebundenen Zeitschriften in Europas Bibliotheken und Millionen von Stunden Film und Video in den Archiven von Sendeanstalten. Drei wichtige Maßnahmenbereiche wurden bisher genannt: die Digitalisierung, die Onlineverfügbarkeit und die digitale Aufbewahrung.
Die in den verschiedenen Mitgliedsstaaten existierenden, nicht miteinander koordinierten Initiativen hofft die Kommission zur Zusammenarbeit bewegen zu können, um inkompatible Systeme und Doppelarbeit zu vermeiden. Die Kommission schlägt deshalb vor, dass die Mitgliedsstaaten und die großen kulturellen Einrichtungen sich den Bemühungen der EU anschließen, "digitale Bibliotheken in ganz Europa Wirklichkeit werden zu lassen" . Zur Erreichung dieses Ziels seien unter anderem eine private Beteiligung und öffentlich-private Partnerschaften wichtig.
Die Kommission will sich ihrerseits darum kümmern, Koordinierungsarbeiten zu verstärken und über ihre Forschungsprogramme und das Programm eContentplus zur Finanzierung des ehrgeizigen Projekts beitragen. Die Ergebnisse der Onlinekonsultation sollen auch bei anderen relevanten Initiativen berücksichtigt werden, wie etwa bei der für 2006 geplanten Überprüfung der Urheberrechtsvorschriften der EU (2006) und bei der Durchführung der für 2007 avisierten Forschungs- und Entwicklungsprogramme der Gemeinschaft.
Eine Expertengruppe soll die Kommission darüber beraten, wie die genannten Herausforderungen auf europäischer Ebene am besten bewältigt werden können. Um eine europaweite Koordinierung sicherzustellen, hat die Kommission angekündigt, mit kulturellen Einrichtungen, wie etwa den Staatsbibliotheken und den Pflichtexemplarbibliotheken, zusammenarbeiten zu wollen.
Bereits am 1. Juni 2005 hatte die Kommission mit der Verabschiedung der Initiative "i2010 – Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung" den digitalen Bibliotheken eine wichtige Rolle zugeschrieben.