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Spieletest: Fable The Lost Chapters - Endlich am PC

Molyneuxs Rollenspiel von der Xbox umgesetzt. Mit der Bevorzugung der Xbox-Plattform gegenüber dem PC hat Microsoft schon so einige Spieler verprellt – als der Shooter Halo etwa nach ewiger Wartezeit doch noch den Sprung von der Konsole auf den Computer schaffte, wollten viele potenzielle Käufer schon nichts mehr von dem Titel wissen. Auch bei Fable dauerte es fast ein Jahr nach Release des Xbox-Originals, bis nun auch eine PC-Version verfügbar ist; die lockt allerdings dafür auch mit zahlreichen neuen Inhalten.
/ Thorsten Wiesner
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Fable galt vor seiner Veröffentlichung für die Xbox als eines der ambitioniertesten Spieleprojekte überhaupt: Unter anderem war es das Ziel der Entwickler, eine lebendig wirkende Fantasiewelt zu erzeugen und dem Spieler nahezu unbegrenzte Handlungsfreiheit zu geben. Ein ehrgeiziges Unterfangen – das letztendlich leider auch weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

In der Rolle eines namenlosen kleinen Jungen tollt man zu Beginn durch sein Heimatdorf, sucht dabei nach einem Geburtstagsgeschenk für die eigene Schwester und wird von den Nachbarn immer wieder zu kleineren Aufgaben herangezogen, bei denen man sich das erste Mal entscheiden darf, ob man eher böse oder eher gut vorgeht – eine mit der Zeit immer wichtiger werdende Frage.

Verpfeift man also den Typen, der seine Frau betrügt und mit der schönen Bauerntochter fremdgeht? Hilft man einem Händler und passt auf seine Kisten auf – oder zerstört man sie lieber in seiner Abwesenheit, um zu schauen, ob etwas Wertvolles darin versteckt ist?

Die glückliche Kindheit währt allerdings nicht lange: Schon kurz nach Spielbeginn wird das kleine Heimatdorf Ziel eines brutalen Überfalls, unzählige Bewohner werden brutal dahingemetzelt – darunter auch der Vater des zukünftigen Helden. Die Mutter und Schwester hingegen werden verschleppt und unser Held selbst entgeht ebenfalls nur knapp dem Tod – in letzter Minute springt ihm ein mysteriöser Magier mit Namen Maze zur Seite und rettet ihn in die so genannte Heldengilde.

Von dort aus nehmen die zukünftigen Abenteuer ihren Ausgang – kaum ist man mit der grundsätzlichen Steuerung und den spielerischen Möglichkeiten vertraut, geht es auch daran, sich in die Hauptstory und die zahlreichen Nebenquests zu stürzen.

Der folgende Spielverlauf sowie die Hauptgeschichte der PC-Version sind identisch mit dem Xbox-Vorbild – wer vor dem Spielen mehr darüber erfahren will, sollte einen Blick in den ausführlichen Testbericht zu dieser Version werfen. Dort wird natürlich auch die wichtigste Eigenheit von Fable dargestellt: die Möglichkeit, durch eigene Handlungen den Spielcharakter inhaltlich und auch optisch zu formen und so die Interaktionen mit der Umgebung ganz nach eigenem Gusto zu bestimmen, wobei sich das Ganze längst nicht so frei gestaltet wie von Molyneux einst angekündigt hatte – daran hat sich also ebenfalls nichts geändert. Für PC-Spieler vor allem interessant dürfte somit allerdings die Frage sein, was sich bei der Umsetzung geändert hat – und das ist doch so einiges.

Zunächst einmal wurde die Bedienung vom Pad an Tastatur und Maus angepasst, was größtenteils gelungen ist – Rollenspielfans werden sich hier schnell zurechtfinden, auch wenn manche Tastaturkürzel zunächst etwas ungünstig belegt erscheinen und auch das optionale automatische Anvisieren von Feinden teils für mehr Verwirrung denn Erleichterung sorgt; so ganz kann Fable seine Konsolenvergangenheit also nicht verleugnen. Zudem gibt es auch ein paar Ungereimtheiten, etwa das teils nervige Speichersystem: Weiterhin kann nicht beliebig, sondern nur zwischen Quests wirklich die komplette Welt gesichert werden, was öfter das Wiederholen längerer Spielabschnitte nötig macht. Optisch sieht Fable auf dem PC alleine schon auf Grund der jetzt höheren möglichen Auflösungen ein ganzes Stück besser aus; die von Microsoft angekündigte "komplette Optimierung für die Windows-Plattform" hätte allerdings noch deutlicher ausfallen können – neue Maßstäbe setzt Fable sicherlich nicht, trotz zahlreicher animierter Details und beispielsweise wirklich stimmungsvoll umgesetzter Landschaftsgrafik und neuer Texturen.

Den Beinamen Lost Chapters verdient sich Fable durch das Hinzufügen neuer Inhalte, die die Hauptstory nicht wirklich merklich ändern, aber dafür die auf der Konsole doch arg kurze Spielzeit verlängern – angefangen bei zusätzlichen Regionen, vielen Nebenquests sowie optionalen Missionen bis hin zu weiteren Monstern und Waffen gibt es doch einiges an zusätzlichem Material zu entdecken. Die epische Breite eines Morrowind erreicht Fable trotzdem nicht, dafür punktet der Titel durch seine tolle Atmosphäre und die enge Bindung des Spielers an den Hauptcharakter.

Fable – The Lost Chapters ist seit 22. September 2005 für den PC im Handel erhältlich und kostet etwa 40,- Euro. Wer bereits das Xbox-Original besitzt, braucht sich übrigens nicht alleine auf Grund der neuen Inhalte die PC-Version zu holen – Microsoft will Lost Chapters in Kürze auch für die Konsole anbieten.

Fazit:
Fable war ein tolles, wenn auch nicht revolutionäres Rollenspiel auf der Xbox und bleibt das auch am PC – wenn man auch kritisch anmerken muss, dass der ohnehin nicht gerade bahnbrechende Innovationsgehalt des Spieles ein Jahr nach der Erstveröffentlichung natürlich kaum noch vorhanden ist und am PC generell ein ganz anderes Konkurrenzumfeld herrscht als auf der Xbox. Wer sich an einem niedrigen Schwierigkeitsgrad und einem im Verhältnis zu epischen Werken wie Morrowind eher geringen Spielumfang nicht stört, wird mit diesem Titel trotzdem viel Spaß haben – einen Sonderpreis für gelungene Atmosphäre hat er sich jedenfalls verdient.


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