Gizmondo Widescreen - Angriff auf die PSP

Wer bisher mit dem Gizmondo liebäugelte, musste und muss sich wohl auch in Zukunft auf das Warten einrichten – oder sich das Gerät aus Großbritannien importieren. Bisher ist es in keinem anderen europäischen Land erschienen und die immer wieder durch das Netz geisternden Termine für eine mögliche Markteinführung sind sang- und klanglos verstrichen. Auch in den USA hat es Tiger Telematics bisher nicht geschafft, das erste Gizmondo-Modell auf den Markt zu bekommen.
Der Gizmondo Widescreen findet nicht nur per Tri-Band-GSM (900/1800/1900 MHz), GPRS und Bluetooth Anschluss, sondern versteht sich im Unterschied zum Vorgänger auch auf WLAN (IEEE 802.11b/g). Das Nintendo DS, die PlayStation Portable – beide mit WLAN bestückt – und das glücklose Nokia N-Gage (GSM/GPRS) können mit dieser Masse an Funktechnik nicht mithalten. Über WLAN sollen Gizmondo-Widescreen-Besitzer Mehrspielerfunktionen und – falls ein Access Point zur Verfügung steht – Onlinedienste nutzen können. Damit es im Flugzeug keinen Ärger gibt, können im "Flug-Modus" alle Drahtlos-Dienste zentral deaktiviert werden.
Die augenfälligste Änderung ist sicherlich das 4-Zoll-Breitbild-LCD, das mit 480 x 272 Bildpunkten die gleiche Auflösung wie das 4,3-Zoll-16:9-LCD der PSP bietet. Sollte das nicht reichen, kann der Bildschirm-Inhalt auch über einen analogen TV-Ausgang auf einem Fernseher dargestellt werden.
Unter der Haube hat sich auch einiges geändert: Unter anderem soll der Prozessor – zuvor war es eine Samsung-ARM-CPU mit 400 MHz – mit laut Hersteller mindestens 500 MHz zu Werke gehen. Auch der 3D-Grafikchip soll ein besserer sein und wird vermutlich wieder von Nvidia stammen – im Vorgänger steckt ein GoForce 4500, vielleicht findet sich dann ein GoForce 4800 im Neuling.
Zudem soll der Speicher größer sein; ob das sowohl das Onboard-RAM als auch den Onboard-Flash-Speicher betrifft, ist aber noch nicht bekannt. Dazu kommen ein extern zugänglicher SD-Card-Reader und ein interner, aber vom Nutzer selbst bestückbarer Platz für die kleineren Transflash-Speicherkarten.
Wie schon das erste Gerät soll auch der Gizmondo Widescreen über einen GPS-Empfänger verfügen, der sowohl mit Navigationssoftware als auch von Spielen genutzt werden kann. Auf eine 2-Megapixel-Digicam muss ebenfalls nicht verzichtet werden, sie soll gar mit Autofokus und LED-Blitz daherkommen. Auf den bis jetzt veröffentlichten ersten Bildern eines Prototyps findet sich noch der Hinweis auf eine 1,3-Megapixel-Kamera. Per USB 2.0 können Daten mit dem PC ausgetauscht werden und dank USB-On-The-Go-Unterstützung kommuniziert das Handheld auch selbst mit externen USB-Datenträgern.
Zur Kommunikation mit anderen stehen neben Telefonie auch SMS, MMS, Instant-Messaging und ein E-Mail-Client zur Verfügung. Die Eingabe dürfte aber dank fehlender Stiftsteuerung nicht sonderlich bequem sein. Eingehende Nachrichten und Anrufe können auch per Vibrationsmodus signalisiert werden. Als Betriebssystem kommt Windows CE 5.0 mit DRM 10 und dem .Net compact Framework 2.0 zum Einsatz.
Die technischen Daten des Gizmondo Widescreen sind zwar beeindruckend, es bleiben aber einige wichtige Fragen offen: Da wäre die Frage nach der Akkulaufzeit des Geräts, denn bisher verschwieg der Hersteller noch, wie lange der Lithium-Ionen-Akku durchhalten wird. Auch in Bezug auf das Gewicht und die Größe fehlen bisher Angaben. Zudem wird so viel Technik auch ihren Preis haben, denn schon das einfache Gizmondo liegt preislich über einer PSP. Aber vielleicht helfen hier die Subventionierung durch Mobilfunkbetreiber und die Werbefinanzierung ("Smart-ADD"), wobei ab und an MMS mit zielgruppengerechter Werbung empfangen werden.
Tiger Telematics gibt zwar an, dass eine Verkaufsgenehmigung vorliege und das Gerät voraussichtlich im 2. Quartal 2006 in die USA und etwas später nach Europa kommen soll, hat allerdings beim aktuellen Gizmondo-Modell bisher nicht durch Pünktlichkeit glänzen können. Die erste öffentliche Demonstration des neuen Modells soll im Januar 2006 auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas erfolgen.
Tiger spricht indes von einer Multi-Produkt-Roadmap, plant also, auch in Zukunft mehrere verschiedene Spiele-Handhelds anbieten zu wollen und spricht auch nebulös von deren Aufrüstbarkeit. Mehr dazu werde in Zukunft bekannt gegeben. Zu den bisherigen Gizmondo-Spielen – von denen die meisten noch nicht verfügbar sind – soll das neue Modell abwärtskompatibel sein.
Dass man es beim Breitbild-Gizmondo vor allem mit der PSP aufnehmen will, zeigt ein Kommentar von Carl Freer, einem der Gründer und Vorsitzender von Tiger Telematics: "Unsere langfristige Aufgabenstellung ist, einen Bereich von Unterhaltungs- und Nachrichten-Einheiten anzubieten, die sich für unterschiedliche Unterhaltungswünsche eignen. Widescreen ist am besten vergleichbar mit der Sony PSP, aber mit noch mehr Leistung und Leistungsmerkmalen."



