Flotte Benutzeroberfläche, überzeugender Klang. Von Apples kleinstem Musikplayer, der weniger als sieben Millimeter dünn ist, gibt es noch kaum Testgeräte. Dennoch hatte Golem.de Gelegenheit, sich den iPod nano und sein Zubehör auf einer Apple-Veranstaltung in München bereits anzusehen. Auch einige interessante technische Details gab es zu erfahren.
Das geringe Gewicht von 42,5 Gramm merkt man dem iPod nano an – er liegt dank der abgerundeten Kanten angenehem in der Hand und wirkt dabei sogar noch leichter. Das könnte er auch sein, denn die Rückseite ist wie bei den großen Brüdern aus Edelstahl. Ohne den Blechdeckel ginge aber das Wertigkeitsgefühl verloren, meinte Apple in München – und auch die Möglichkeit, ihn bei direkter Bestellung bei Apple kostenlos gravieren zu lassen.
Die Bedienung, eines der Erfolgsgeheimnisse der iPods, erfolgt auch beim nano über das bewährte "Click Wheel". Nur die mittlere Taste weist einen spürbaren Druckpunkt auf, die runde Sensorfläche darum dient zum schnellen Scrollen oder zur Regulierung der Lautstärke. Bei der Vorstellung des Produkts kamen auch Personen nach zwei Minuten damit zurecht, die noch nie einen iPod in der Hand hatten.
Einzig die verschiedenen Modi des Click Wheel, etwa wenn die Lautstärkeanzeige bei Wiedergabe nicht sichtbar ist, bedurften eines erklärenden Satzes. Für routinierte iPod-Benutzer mit großen Händen wirkt der Steuerkranz mit seinen etwa drei Zentimetern Durchmesser etwas fummelig – es will feinfühlend bedient werden, woran man sich aber schnell gewöhnt, da man den Daumen ohnehin nur mit der Kante aufsetzen kann, wenn man das Gerät in der Hand hält.
Anders als beim iPod mini ist beim nano die Kopfhörerbuchse an der Unterseite angebracht. Das ist unpraktisch, wenn man den Player beispielsweise in das urspünglich für Wechselgeld vorgesehene Fach einer Jeans stecken will, wie das nebenstehende Bild es zeigt. Nützlich ist die Positionierung der Buchse aber für die optionalen "Lanyard"-Kopfhörer. Dann baumelt der Player kopfüber am Hals des Benutzers und das Display bleibt lesbar.
Für das Lanyard verlangt Apple aber 39,- Euro extra. Es verfügt auf den ersten Blick über dieselben Kopfhörer-Treiber wie beim mitgelieferten Hörer. Bei diesem ist der Stecker so dünn ausgefallen, dass der nano auch flach auf dem Tisch liegen kann – leider ist der Stecker aber nicht gewinkelt, so dass ein Verschleiß des meist abgeknickten Kabels beim Tragen in der Jackentasche programmiert ist. Andere gewinkelte Stecker, etwa der des zum Test ebenfalls eingesetzten "The Plug" von Koss, tragen am iPod nano deutlich auf.
Dennoch gefiel der Klang der einfach wirkenden Serienhörer. Sie entwickeln einen beachtlichen Pegel, neigen jedoch auch bei den Werkseinstellungen des Equalizers wie etwa "Rock" oder "Dance" bei hohen Lautstärken zum Verzerren des Bassbereichs. Solche Klangattacken sollte man kleinen Hörern aber ohnehin nicht lange zumuten, sonst sind die Treiber schnell durchgebrannt. Auch bei abgeschaltetem EQ klang der iPod nano recht bassstark.
Diese vermutlich ab Werk vorgenommene Anhebung der Tiefen zeigte sich auch mit dem "The Plug" von Koss. Mit diesem Hörer zeichnete der nano das Klangbild noch luftiger, typische MP3-Artefakte wie klingelnde Höhen bei ungeeigneten EQ-Einstellungen kitzelte dieser Hörer aber auch deutlich heraus. Durch die laute Umgebung, kurze Testzeit und die von Apple aufgespielten Songs auf den Playern war eine endgültige Beurteilung des Klangs nicht möglich. Doch auch unter diesen Bedingungen war der iPod nano einfachen MP3-Playern, wie sie schon unter 40,- Euro zu haben sind, meilenweit überlegen und überzeugte nicht nur durch hohe Lautstärke, sondern auch einen gleichbleibenden Klang über den gesamten Lautstärkebereich.
Neben den Lanyards ist wohl das Dock für den iPod nano für 39,- Euro das interessanteste Zubehör. Der Schreibtisch-Aufsteller schleift im Wesentlichen nur den iPod-Port des Players durch und bietet einen zusätzlichen Line-Ausgang. Die verbreitete Praxis, MP3-Player über den Kopfhörerausgang an Verstärker anzuschließen, ist klanglich minderwertig. Doch auch dafür scheint der Preis des Dock überzogen. Es macht sich aber schick auf dem Schreibtisch, belegt weniger Raum als eine Visitenkarte und steht stabil.
Da Apple keine Tasche für den nano mitliefert, ist man auch hier auf Zubehör angewiesen – nicht nur zum Schutz vor Kratzern: Auf den hochglanzpolierten Oberflächen des nano wird jeder Fingerabdruck sofort sichtbar. Die fünf in Anspielung auf jüngste Forschung "nano Tubes" genannten Gummihüllen gibt es nur gemeinsam zu kaufen, sie kosten 29,- Euro. Die von einigen Anwesenden auch als iPod-Kondome betitelten Tubes sitzen bombenfest und sollten den Player auch bei einem Sturz auf harten Untergrund schützen. Sie reflektieren grelles Licht recht stark, wie die geblitzte Aufnahme belegt.
Das gilt auch für den Ring um das Click Wheel, den Apple – nomen est omen – auf dem "Armband" angebracht hat. Er soll für ein bisschen mehr Sicherheit beim Joggen dienen. Das in fünf Farben erhältliche Band (Grau, Blau, Grün, Pink, Rot) wirkt belastbar, hat einen Klettverschluss mit groben Krallen, was der Lebensdauer dient – aber auch einen stolzen Preis von 29,- Euro je Stück.
Bei der für die kleinen ipods neuen Funktion des Bilderbetrachtens legte der nano eine Geschwindigkeit von unter etwa einer halben Sekunde beim Wechsel der Motive vor. Kein Wunder: iTunes rechnet die Bilder beim Übertragen auf den Player automatisch auf die Größe des Displays von 176 x 132 Punkten herunter. Nicht ins Format passende Bilder werden mit Balken dargestellt, ein Zoomen auf dem 1,5-Zoll-Display ist nicht möglich. So bleibt die Funktion trotz der hohen Farbtiefe von 65.535 Farbtönen nur nettes Beiwerk: So manches Handy-Display ist größer und eignet sich besser als digitales Taschenalbum. Schade eigentlich, das Display des iPod ist scharf und recht leuchtstark.
Apples iPod-Produktmanagerin Danika Cleary bestätigte im Rahmen der Veranstaltung, dass auch beim iPod nano der Akku fest eingebaut ist – ein Kritikpunkt, von dem Apple seit dem ersten iPod nicht abrückt. Laut Cleary soll es aber auch wie bei den bisherigen Produkten ein Akku-Austauschprogramm geben. Die Kosten für eine neue Zelle sollen dabei "dem Produkt angepasst werden". Einen konkreten Betrag wollte die Managerin nicht nennen, ließ sich aber zumindest auf "unter 100 Euro" ein. Im Vergleich mit Handys oder Digitalkameras scheinen da aber eher weniger als 50,- Euro vertretbar – 100 Euro für einen neuen nano-Akku würden beim 2-GByte-Modell der Hälfte des Kaufpreises entsprechen.
Dabei sollte man aber bedenken, dass bei der von Apple versprochenen Laufzeit von 14 Stunden der Akku des iPod nano weit weniger schnell abgenutzt sein dürfte als etwa der eines Handys. Dennoch altern Lithium-Ionen-Zellen und spätestens nach fünf Jahren hat sich die Kapazität bei den meisten Akkus halbiert. Doch ob des Schnuckelfaktors neuer Apple-Produkte werden sich viele trendbewusste Käufer dann ohnehin nach dem aktuellen Modell umsehen. [von Nico Ernst]