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Spieletest: Dungeon Siege 2 - Schickes Monster-Metzeln

Zweiter Teil des Hack&Slay-Titels für PC. Mit Dungeon Siege wollte das Entwicklerstudio Gas Powered Games unter der Leitung von Chris Taylor einen echten Konkurrenten für Diablo und Baldur's Gate auf den Markt bringen, das fertige Spiel gab allerdings viel Anlass zu Diskussionen – vor allem die flache Story und das doch arg simple Kampfsystem gefielen vielen Rollenspielern nicht besonders. Taylor und Co. versprachen Nachbesserung und bringen jetzt mit Dungeon Siege 2 die Fortsetzung ihres in der Fantasy-Welt Aranna angesiedelten Spiels, die tatsächlich vieles besser macht als der Vorgänger.
/ Thorsten Wiesner
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Um es aber gleich vorwegzunehmen: Dungeon Siege 2 ist kein komplett neues Spiel, sondern prinzipiell nur eine logische Fortführung des ersten Teils mit vielen Detailverbesserungen; wer also schon den ersten Teil absolut nicht mochte, braucht diesen Titel hier gar nicht erst zu installieren. Trotzdem sind die Veränderungen doch spürbar, was bereits bei der Hintergrundgeschichte sichtbar wird. Zwar tobt wieder der Kampf Gut gegen Böse und der Tyrann Valdis lässt die Bevölkerung von Aranna ebenso leiden wie ein Kräfte zehrender Bürgerkrieg – so weit, so platt. Die Wandlung des Hauptcharakters vom einst barbarischen Söldner hin zum Kämpfer für das Gute hält vor allem im späteren Spielverlauf aber einige Überraschungen bereit, die deutlich über die klischeebeladene und simple Story des ersten Teils hinausgehen.

Zwar ist auch der Spielablauf von Dungeon Siege 2 wieder sehr linear, den Entwicklern ist es aber gelungen, deutlich mehr NPCs und damit verbundene Nebenquests ins Spiel einzubauen, so dass das Leben in Aranna nun deutlich lebendiger wirkt. Ein ausführliches Questlog lässt einen bequem alle Aufgaben abarbeiten, sämtliche möglichen Aufgaben sind zudem durch Frage- oder Ausrufezeichen über den jeweiligen Charakteren gekennzeichnet. Die Art der Aufträge bietet allerdings meist nur das Genretypische – das Säubern von Dungeons oder das akribische Absuchen der Umgebung nach Schaltern und Schatzhöhlen bestimmt weiterhin den gefährlichen Heldenalltag.

Sehr gut funktioniert in Dungeon Siege 2 das Party-System; mit bis zu maximal fünf Mitstreitern – wahlweise von Mitspielern oder dem PC gesteuert – stellt man sich den wie erwartet großen Horden von Monstern und anderen Gefahren; vor allem im Team mit Freunden macht das Aufräumen in den einzelnen Szenarien deutlich mehr Spaß; allerdings kostet das Mitführen von Kumpanen einiges an Goldstücken, was gerade zu Beginn doch beachtliche Löcher in die Klasse reißt. Natürlich steht die gewohnte Hack&Slay-Action wieder im Vordergrund und trotz einiger Überarbeitung – mehr Waffen, zusätzliche Spezialkräfte wie Unverwundbarkeit oder Blitzangriffe und vor allem: kein automatisches Kämpfen mehr, es sei denn, man aktiviert die Auto-Attacke im Menü – verkommt das Ganze oft doch wieder zu einer hektischen Mausklick-Orgie. Die deutlich erhöhte Anzahl von Items und Waffen sowie die wichtiger gewordene Nutzung von Taktik verleiht dem Ganzen aber doch spürbar mehr Tiefgang und erhöht auch den Schwierigkeitsgrad, so dass nicht nur Anfänger, sondern auch Metzel-Profis mehr Herausforderungen geboten werden.

Hoch anrechen muss man Gas Powered Games, dass sie den Vorlieben des Spielers wirklich entgegenkommen. So war der sehr populäre Lastesel aus Teil 1 erst der Anfang – diesmal gibt es gut zehn gutmütige "Haustiere" wie zum Beispiel Wölfe oder Drachen, die nicht nur zur Beförderung von Lasten taugen, sondern über eine eigene Charakterentwicklung verfügen und sogar die eigene Party verstärken und so in die Gefechte eingreifen können. Die häufig kritisierte Eintönigkeit der Gegner wurde ebenfalls beseitigt – statt immer denselben Monstern stellen sich nun wirklich unterschiedliche und teils sehr fantasievolle Kontrahenten dem Spieler in den Weg. Und das etwas simple Aufleveln des eigenen Charakters ist nun ebenfalls umfangreicher gestaltet worden und überrascht nun mit so genannten "Heldenkräften". Besonders mächtige und starke Spezialattacken sind somit möglich, allerdings immer nur in begrenztem Umfang. Hat man sein Pulver verschossen, muss die Anzeige für die Heldenkraft durch das Niedermetzeln von Feinden erst wieder aufgeladen werden.

Technisch gab es ja bereits am ersten Dungeon Siege wenig auszusetzen, trotzdem wurde die Optik doch spürbar überarbeitet – das frei dreh- und zoombare Aranna wartet nun mit noch mehr grafischen Überraschungen auf und demonstriert eindrucksvoll, wie hübsch Action-Rollenspiele aussehen können – ohne dabei in puncto Hardwareanforderungen das Maß des Üblichen zu überschreiten. Wälder und Inseln, Wüsten und Schneelandschaften, aber auch Attacken wie Feuerbälle oder Animationen wie etwa fließendes Wasser sehen oft einfach grandios aus. Auch der teils sehr bombastische Sound fördert die Atmosphäre doch spürbar.

Die deutlich erhöhte Zahl von Quests und Nebenquests sowie die zahllosen Items, Heldenkräfte und erweiterten Charaktereigenschaften sorgen dafür, dass die Spieldauer diesmal auch deutlich länger ist – 30 Stunden sind in etwa das Minimum für das Erfüllen aller Aufgaben, wer sich in Aranna richtig austobt, mit den Haustieren herumexperimentiert und sein Inventar zum Bersten voll packt, kann aber auch locker auf eine Spieldauer von 50 Stunden kommen. Die geforderten 50 Euro entsprechen diesmal also einem deutlich besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fazit:
Wie bereits zu Beginn angedeutet erfindet Dungeon Siege 2 das Genre Action-Rollenspiel nicht neu – wer mit dem Gemetzel des Vorgängers nichts anfangen konnte, wird auch diesen Titel nicht mögen. Hat man aber schon damals gerne seine Zeit in Aranna verbracht oder gehört man zu den Anfängern im Rollenspiel-Genre, ist das Geld für Dungeon Siege 2 wirklich gut angelegt – größerer Umfang, bessere Story, tolle Grafik und viel mehr Möglichkeiten heben den Spielspaß doch deutlich an. Wer sich unsicher ist, sollte die wirklich sehr umfangreiche Demo-Version herunterladen, die einen guten Eindruck vom Spiel ermittelt.


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