Test: PlayStation Portable - Die besten Spiele zum Start
Umfangreiches LineUp ab dem 1. September 2005 verfügbar. Fast ein Jahr nach dem Japan-Start ist die PlayStation Portable - kurz PSP - nun endlich auch in Europa verfügbar. Das etwa 249,- Euro teure Value Pack, in dem neben der Konsole auch ein Memory Stick, Kopfhörer und Schutztasche stecken, enthält allerdings kein Spiel - mindestens weitere 50 Euro (Durchschnittspreis der Games) werden also fällig, wenn man seine neue Konsole auch zum Zocken nutzen möchte. Das Launch-Angebot kann sich dabei durchaus sehen lassen: Sowohl Sony selbst als auch Dritthersteller warten bereits zum Start mit einigen sehr guten Titeln auf.
Vor allem Renn- und Sportspielfans können gleich zu Beginn aus dem Vollen schöpfen, auch in Sachen Puzzle und Action sieht es schon ganz gut aus. Adventures, Jump&Runs oder Rollenspiele sind hingegen Mangelware, was sich allerdings noch vor Weihnachten ändern soll. Im Folgenden haben wir die erste Welle der interessantesten bereits erhältlichen Spiele zusammengefasst und einzeln getestet; ein zweiter Artikel mit weiteren Titeln wie Colin McRae, DTM Race Driver, Medievil und Need For Speed folgt in Kürze.
Ein Kritikpunkt ist allen Spielen gemein und findet daher nicht mehr einzeln in den Berichten Erwähnung: Die teils wirklich ausufernden Ladezeiten zehren oftmals ganz schön an den Nerven. Alle getesteten Spiele brauchen nach dem Einschalten der Konsole einen beträchtlichen Zeitraum, bis das Spielen wirklich losgehen kann - Wartezeiten von 60 Sekunden und mehr sind keine Seltenheit. Bei einigen Titeln wird auch innerhalb des Spiels beständig und ausufernd nachgeladen - da fragt man sich schon, ob die UMD wirklich das perfekte Medium ist und eine Auslieferung der Spiele etwa auf Memory Stick nicht sinnvoller gewesen wäre. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler bei zukünftigen Veröffentlichungen noch Wege finden, hier nachzubessern. Zusätzlich bremst die Akkuleistung oft den Spielspaß - nicht selten ist nach etwas mehr als zwei Stunden auch schon wieder Schluss und die PSP schaltet sich ohne Vorwarnung ab.
Die eigentliche Hardware haben wir bereits im Dezember 2004 unter die Lupe genommen und in einem umfangreichen Test beleuchtet.
Ridge Racer
Die Ridge-Racer-Reihe genießt seit Jahren einen sehr guten Ruf und Entwickler Namco hat schon so einige Male bewiesen, dass er bereits zum Start einer Konsole technisch hervorragende Spiele entwickeln kann - schließlich wurde auch der Launch der PlayStation 2 von einem Ridge-Racer-Spiel begleitet. Für Ridge Racer auf der PSP gilt das Gleiche: Dieser Titel zeigt eindrucksvoll, wozu Sonys tragbare Spielekonsole in der Lage ist - und gehört im gesamten Testfeld zu den Titeln, mit denen sich am besten angeben lässt.
Strecken und Autos sehen hervorragend aus, zahlreiche Effekte vermitteln einen für Handheld-Spiele ungewohnt hohen Realismusgrad. Trotzdem bricht die Frame-Rate niemals ein: Ridge Racer läuft jederzeit flüssig und lässt vor allem im späteren Spielverlauf - sobald neue und schnellere Fahrzeuge freigeschaltet wurden - ein beeindruckendes Geschwindigkeitsgefühl aufkommen.
Aber auch spielerisch bewahrt die PSP-Version die Tugenden der Reihe: Die Fahrzeuge verlangen ein bisschen Feingefühl bei der Steuerung, lassen sich aber prinzipiell butterweich über die Strecken führen; natürlich sind ausufernde Drifts wieder der Weg zum Erfolg, wobei diesmal mit jedem Drift eine Boost-Anzeige gefüllt wird. Per Knopfdruck kann dieser Boost - sobald er voll aufgeladen ist - dann gezündet werden.
Da auch der Spielumfang kaum Wünsche offen lässt, gehört Ridge Racer zu den ersten sicheren Hits auf der PSP - wer Rennspiele mag, muss zugreifen.
Wipeout Pure
Wipeout Pure bietet im Grunde genau das Gameplay, mit dem bereits die ersten, frühen Wipeout-Spiele aufwarteten: In einem schnittigen Raumgleiter rast man über kurvenreiche Science-Fiction-Kurse und sammelt durch das Überfliegen entsprechender Symbole diverse Waffen ein, mit denen sich die Kontrahenten auf der Strecke dann malträtieren lassen.
In puncto Spielspaß hält Wipeout Pure damit dann auch das hohe Niveau, das man von dieser Rennspiel-Reihe kennt; das Abfeuern von Bomben, Minen und Raketen macht gewohnt viel Spaß, die simple Steuerung lässt einen auch bei hohen Geschwindigkeiten gekonnt über die einfallsreich gestalteten Kurse gleiten. Auch optisch ist Wipeout Pure gelungen, und die Tatsache, dass Sony zukünftig per Online-Modus das Abspeichern neuer Kurse auf dem Memory Stick anbieten will, weiß auch zu gefallen.
Wie praktisch jedes hier getestete Spiel wartet auch Wipeout Pure mit einer Multiplayer-Option via Wifi auf, so dass bis zu acht Spieler gegeneinander rasen können. Zusammen mit Ridge Racer stellt Wipeout somit die derzeitige Referenz in Sachen Rennspiele auf der PSP dar und verdient eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!
Fired Up
Beim ersten Anspielen von Fired Up waren wir uns sicher, es hier mit einer Beta und nicht mit einem fertigen Spiel zu tun zu haben - vor allem die Grafik in der unwirtlichen Stadt, in dem das Spiel angesiedelt ist, macht einen seltsamen unfertigen Eindruck. Die Texturen der Häuser etwa wirken so, als ob sich noch kein Entwickler um sie gekümmert hätte.
Ist dieser Grafik-Schock erstmal überwunden, geht es aber daran, die spielerischen Qualitäten des Titels zu entdecken - und die sind zweifellos vorhanden. In Buggys, Jeeps und LKws fährt man durch die Straßen der umkämpften Stadt, muss mit den Panzern und anderen Angriffsfahrzeugen der feindlichen "Republikaner" fertig werden und unterschiedliche Missionen bestehen. Die Aufgaben sind dabei sehr variantenreich: Mal gilt es, einfach nur Verpflegung einzusammeln, dann müssen Konvois von Flüchtlingen eskortiert oder Anschläge vorbereitet werden.
Die Bedienung ist sehr simpel - neue Munition und andere Extras werden einfach durch das Überfahren diverser Symbole eingesammelt, die Fahrzeuge steuern sich sehr Arcade-lastig, das Abschießen von Waffen passiert einfach per Knopfdruck.
Durch diverse Rampen, Hindernisse, Straßensperren und mehr ist das Fahren durch die Stadt allerdings eine recht spaßige Angelegenheit. Action-Fans sollten also einen Blick riskieren, sich dabei allerdings auf die bereits angesprochene, sehr karge Optik einstellen.
Virtua Tennis: World Tour
Ebenso wie Ridge Racer im Racing-Genre eine Qualitätsmarke ist, steht Virtua Tennis seit längerem für eine herausragende Umsetzung des weißen Sports - und daran ändert sich auch auf der PSP nichts. Mit lizenzierten Spielern wie Federer oder Sharapova bzw. mit einem selbst erstellten Profi tritt man in Freundschaftsspielen an, kämpft in Turnieren oder bemüht sich, die Nummer eins der Weltrangliste zu werden.
Sandplätze spielen sich dabei natürlich anders als Matches auf Rasen oder Beton, und da die Steuerung nicht nur sehr vielseitig, sondern auch absolut eingängig ist, gelingen platzierte Schmetterbälle bald genauso gut wie gefühlvolle Lobs und Volleys. In diversen Minispielen - etwa beim Duell gegen eine Ballmaschine oder beim Wegschmettern von Steinblöcken - lassen sich alle Schlagvarianten perfekt einstudieren.
Kritikpunkte an Virtua Tennis gibt es eigentlich nur zwei: Zunächst einmal hätte die Grafik ruhig etwas detaillierter sein können - gerade in den Zwischensequenzen, wenn die Spieler groß zu sehen sind, fällt auf, wie kantig die Polygon-Modelle sind. Neben der sehr langen Ladezeit verwirrt zudem, dass nach einem Ballwechsel - kurz vor Einblenden des aktuellen Spielstandes - die Grafik für eine Sekunde einfriert und zu hängen scheint.
Davon abgesehen gilt aber: In puncto Spielbarkeit und Dauermotivation wird es auf der PSP auf absehbare Zeit wohl kein ähnlich gutes Tennisspiel geben.
Ape Academy
Die Affen aus Ape Academy sind keine Unbekannten mehr - im PS2-Spiel Ape Escape sorgten sie bereits für ein ungewöhnliches Action-Vergnügen. Ape Academy hat damit allerdings nur die Hauptcharaktere gemeinsam - anstelle von Jump&Run-Aufgaben gilt es auf der PSP, zahlreiche Minispiele zu lösen.
Das Szenario ist dabei durchaus witzig: Man wählt seinen Lieblingsaffen aus und muss dann zunächst auf der Schulbank der Ape Academy Platz nehmen. Um in die nächste Klasse versetzt zu werden, müssen natürlich die Leistungen stimmen - und die werden in einer Reihe kleinerer Aufgaben ermittelt. Objekte fangen, tanzen, balancieren oder Stiere herausfordern - viel Abwechslung ist dabei garantiert.
Jede Geschicklichkeitsübung dauert kaum länger als eine Minute, das Ganze erinnert somit doch deutlich an Nintendos Mario Party - und hat mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen: Im Multiplayer-Modus via WLAN ist das Ganze recht amüsant, alleine langweilt man sich schnell, zumal die Präsentation auch eher witzig als wirklich hübsch ist. Somit ist Ape Academy wohl nur für große Fans von Partyspielen wirklich interessant.
World Tour Soccer Challenge
Während Tennisfans mit Virtua Tennis von Beginn an gut versorgt sind, sieht es bei Fußball-Anhängern nicht ganz so rosig aus - World Tour Soccer Challenge ist zwar kein schlechtes Spiel, bietet aber noch einigen Raum für Verbesserungen. Positiv fallen die offiziellen Lizenzen und damit verbunden bekannte Namen wie Oliver Kahn und Co. auf, wirklich ähnlich sehen die Polygon-Kicker ihren Vorbildern allerdings nicht.
Überhaupt wäre in Sachen Präsentation deutlich mehr drin gewesen - hier muss man wohl auf die bald folgende Umsetzung des EA-Titels Fifa für die PSP warten. Die Bedienung ist sehr simpel und einsteigerfreundlich, lässt allerdings einiges an Tiefgang vermissen; wer auf der stationären Konsole von den Qualitäten eines Pro Evolution Soccers begeistert ist, wird bei World Tour Soccer Challenge über den eher geringen Funktionsumfang bei der Ballbehandlung enttäuscht sein.
Ein bisschen erinnert World Tour Soccer Challenge damit an die ebenfalls von Sony stammende This-is-Football-Reihe: Es sieht alles ganz o.k. aus und spielt sich auch nicht wirklich schlecht, trotzdem hat man irgendwie das Gefühl, dass das alles noch deutlich besser hätte gemacht werden können. Wer also nicht unbedingt sofort ein Fußballspiel benötigt, wartet besser auf Fifa 06.
Everybody's Golf
Everybody's Golf trägt seinen Namen nicht zu Unrecht - das Spiel richtet sich explizit auch an Golf-Anfänger und will von der ernsten Präsentation eines Tiger Woods nichts wissen. Das sieht man schon bei der Spielerauswahl - die Charaktere im Anime-Look sind eher knuddelig und witzig als sonderlich sportlich, Parallelen zu Fun-Golf-Programmen wie Mario Golf sind also durchaus gegeben.
Trotz des witzigen Looks ist das Gameplay aber durchaus ernst zu nehmen: Die Schlagmöglichkeiten sind relativ umfangreich, die Kurse interessant designt. Hinzu kommt die wirklich gute Grafik, die schnell und ohne Ruckler auch über weite Entfernungen dem Golfball folgt und die Spieler bei teils sehr witzigen Animationen zeigt.
Der Vorteil von Everybody's Golf ist eindeutig, dass durch die peppige Präsentation auch Golf-Neulinge schnell Gefallen finden dürften, Profis dürfte das Ganze aber dann doch etwas zu bunt sein - trotz Multiplayer-Option für acht Spieler. Wer einen unkomplizierten Einstieg in den Golfsport für unterwegs sucht, macht mit dem Kauf dieser UMD sicherlich nichts falsch.
Lumines
So schön manche Renn- und Actionspiele auch sind - vielen PSP-Besitzern ist ein zwar unauffälligeres, aber dafür dauerhaft süchtig machendes Puzzle-Spiel bestimmt deutlich lieber. Denen wird mit Lumines geholfen - einem auf den ersten Blick recht simpel wirkenden Klötzchen-Stapel-Spiel, das mit zunehmender Spieldauer allerdings einiges an Tiefgang offenbart.
Das grundsätzliche Prinzip erinnert an Tetris: Objekte fallen von oben herab und müssen so gestapelt werden, dass sie zusammenhängende Formationen bilden und dann verschwinden. Dabei handelt es sich um aus vier in insgesamt zwei Farben vorkommenden Einzelteilen bestehende Quadrate, die wiederum so aufgebaut werden müssen, dass sie zu komplett gleichfarbigen Quadraten werden - je größer, desto besser. Eine Zeitlinie bewegt sich alle paar Sekunden von links nach rechts und "löscht" dann jedes Mal alle gleichfarbigen Vierecke.
Was zu Beginn wenig innovativ klingt, motiviert auch dank zahlreicher Modi im späteren Spielverlauf immer mehr: Egal ob im Endlosspiel, gegeneinander oder unter Zeitdruck, man versucht immer stärker, große Quadrate zu bauen und die zweifarbigen Klötzchen so intelligent wie möglich abzulegen. Ähnlich wie bei "Collapse" gibt es übrigens auch Bonussteine, die nicht nur einfarbige Quadrate, sondern auch alle anderen Steinchen, die an das Quadrat angrenzen und dieselbe Farbe haben, abräumen.
Ein weiterer Punkt zeichnet Lumines aus und verrät, dass hier die Entwickler des innovativen Rez am Werke waren - im Gegensatz zu anderen Puzzlespielen ist bei Lumines die Grafik und der Sound ein zentraler Bestandteil des Spiels. Die atmosphärischen Hintergründe sehen toll aus und variieren beständig während des Spiels, die Club-Musik lässt einen immer mehr ins Spiel eintauchen und die Umwelt vergessen - zumal auch sie sich in puncto Geschwindigkeit am Spiel orientiert. Puzzlespiel-Fans müssen zugreifen!
Tony Hawk's Underground 2 Remix
Die Tony-Hawk-Serie konnte nicht nur bereits am PC und allen stationären Konsolen mit toller Spielbarkeit überzeugen, sondern hat dank eines gelungenen GBA-Ports auch ihre Handheld-Feuertaufe bereits hinter sich. Von der PSP-Version wird das GBA-Modul allerdings locker in den Schatten gestellt - so gut wie hier war das virtuelle Skaten unterwegs noch nie möglich.
Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei Tony Hawk's Underground 2 Remix vor allem um eine Portierung des Konsolentitels Tony Hawk's Underground 2 - alles, was den Titel auf PS2 und Co. auszeichnete, findet sich auch auf dieser UMD. So darf in zahlreichen Arealen geskatet werden und unzählige Aufgaben sorgen für Abwechslung und Spaß - neben dem bekannten Einsammeln von Buchstaben, dem Durchführen komplexer Combos oder dem Suchen von Tapes geht es auch und vor allem darum, sich einem Team von Tony Hawk oder Bam Margera anzuschließen und zerstörerische Stunts auszuführen.
Den Zusatz "Remix" verdient sich die PSP-Version auf Grund von vier neuen City-Leveln - Las Vegas, Atlanta, Kyoto und Santa Cruz sind jetzt mit dabei. Gelungen sind auch die zahlreichen Multiplayer-Varianten, die kabellose Wettkämpfe für bis zu vier Spieler ermöglichen.
Steuerung, Gameplay und Umfang sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben, beeindruckend ist aber auch die technische Seite: Tony Hawk's Underground 2 Remix sieht auf der PSP nur unwesentlich schlechter aus als auf dem PS2-Vorgänger und lässt in puncto Bedienvielfalt und Spielgefühl im direkten Vergleich kaum etwas vermissen. Auch dieser Spross der Tony-Hawk-Reihe kann somit uneingeschränkt empfohlen werden.