Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Interview: Viiv - Intels Schnellstart ins Wohnzimmer

Golem.de im Gespräch mit Intels "Mr. Viiv" Don MacDonald. Mit "Viiv" will Intel nun endlich die heimischen Wohnzimmer erobern und hofft, durch die neue Marke das Image des lärmenden und komplizierten Schreibtisch-PCs abzulegen. Was Intel als ganz neue Art des PCs beschreibt, wird vor allem dadurch interessant, dass sich die Systeme endlich auf Knopfdruck und in unter einer Sekunde ein- und ausschalten lassen, ohne lästiges Booten. Golem.de sprach mit Intels "Mr. Viiv" Don MacDonald(öffnet im neuen Fenster) , dem für Intels Digital Home Group verantwortlichen General Manager und Intel-Vize-Präsidenten.
/ Jens Ihlenfeld
24 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Das Thema Unterhaltungs-PC an sich ist nichts Neues, Intel sprach darüber schon vor zehn Jahren und selbst Microsofts Media Center liegt mittlerweile in der zweiten Generation vor. Dennoch, so Don MacDonald, erst jetzt seien Hardware und Software wirklich reif und die Zeit für ein Massenmarktgeschäft in diesem Bereich gekommen. Auch bei WLAN habe es rund neun Jahre gedauert, von der Vorstellung der ersten 802.11-Spezifikation bis zum Start von Centrino.

Um eben mit Viiv in den Massenmarkt zu kommen, spielt auch der Preis eine wichtige Rolle. Viiv-Systeme sollen deutlich günstiger zu haben sein als ein typischer Media-Center-PC, der rund 1.500,- US-Dollar oder mehr kostet. Es gebe gerade im Bereich der Unterhaltungsindustrie feste Preispunkte, die es zu treffen gelte. Preise von 700,- oder 800,- US-Dollar seien ebenso möglich wie 1.500,- oder 2.000,- US-Dollar.

Trotz Dual-Core-Prozessoren sollen die Viiv-Systeme flüsterleise sein – und dies sei auch unbedingt notwendig, um die Wünsche der Kunden zu treffen, so MacDonald. Der Weg dahin sei weniger ein technisches Problem gewesen – denn Intel habe hervorragende Ingenieure -, sondern vielmehr ein Problem der falschen Zielsetzung. Intel habe aber erkannt, dass sich die Kundenwünsche geändert haben und hat die Vorgaben an die eigenen Ingenieure entsprechend angepasst, auch wenn die Herausforderungen dadurch deutlich steigen: Nicht mehr nur Leistung, es komme auch auf geringen Stromverbrauch und kleine Abmaße an.

WLAN ist bei Viiv nicht zwingend vorgeschrieben, was MacDonald damit erklärt, dass hier die Bandbreiten derzeit kaum ausreichen. Zwar würden IEEE 802.11a und 802.11g ausreichend Bandbreite bieten, doch meist komme noch 802.11b zum Einsatz, das theoretisch nur 11 MBit/s und praktisch nur etwa 5 MBit/s biete – zu wenig, um HD-Video mit 20 MBit/s drahtlos zu übertragen. Intel wolle daher hier keine engen Vorgaben machen, lediglich irgendwie netzwerkfähig müssen die Geräte sein – ob nun per Ethernet, Homplug oder WLAN spiele dabei eine untergeordnete Rolle.

Das wohl Interessanteste an Viiv dürfte wohl das schnelle Ein- und Ausschalten sein. Zwar hielt sich MacDonald hier mit Details zurück, verglich den Ansatz aber mit den Stromsparmechanismen, über die auch aktuelle Systeme verfügen. Der besondere Clou liegt darin, dass sich so das System auch teilweise abschalten lässt, je nachdem, wie es genutzt wird. Als "digitale Medienzentrale" sollen Viiv-Systeme schließlich von mehreren Nutzern gleichzeitig verwendet werden können, ohne dass der eine vor einem schwarzen Bildschirm sitzt, nur weil ein anderer das Gerät gerade abschaltet.

Dazu wird die Plattform partitioniert und nur die Teile aktiviert, die jeweils benötigt werden. Benötigt niemand die Festplatte, wird sie abgeschaltet, steht aber binnen Bruchteilen einer Sekunde wieder zur Verfügung, sollte sie gebraucht werden. "Es funktioniert genau so, wie die Kunden es erwarten" , beschriebt MacDonald den Ansatz. Im Bereich der Unterhaltungsindustrie reiche es nicht aus, wenn etwas meistens funktioniert, das sei eben der PC-Ansatz, vom dem Intel Viiv klar abgrenzen will. Viiv hingegen soll "äußerst robust und einfach sein" .

Dazu soll die Viiv-Plattform auch mit Monitoring-Funktionen ausgestattet sein, allerdings bietet Intel hierzu nur die notwendigen Kernfunktionen an. Wie dies letztendlich umgesetzt wird, ist Sache der Systemhersteller. Droht eine Festplatte voll zu laufen, sollen sich Daten zudem leicht auf externe Speicher übertragen lassen. Die Systeme sollen über RAID-Funktionen verfügen.

Der von MacDonald gezeigte Konzept-PC in Form eines Mac mini, den Intel schon auf der CeBIT zeigte, wird, so MacDonald, mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Markt kommen. Mittlerweile steckt auch ein Dual-Core-Prozessor in der kleinen Kiste, was zur CeBIT noch nicht der Fall war. Das Design entwickelte FIC im Auftrag von Intel – wer es aber kommerziell umsetzen soll, wollte MacDonald nicht verraten. Das Interesse an dem Gerät sei aber sehr groß und er sei sich ziemlich sicher, dass man die kleine Multi-Media-Kiste bald kaufen kann.

Schon im Vorfeld der Ankündigung von Viiv auf dem IDF Fall 2005 war das Logo auf einigen Webseiten zu sehen. Laut Don MacDonald hatte Intel damit jedoch gerechnet, da man für eine Markenameldung frühzeitig Unterlagen einreichen muss. Ingesamt, so der Intel-Manager, habe man von der Agentur "Lexicon Branding" im kalifornischen Sausalito 27.000 mögliche Namen prüfen lassen. Aus dem engeren Kreis von etwa 20 Namen, die noch nicht geschützt waren und auch in exotischen Sprachen keine unangenehme Bedeutung haben, habe man sich dann für Viiv entschieden, das wie "five" mit weichem Anfangskonsonanten ausgesprochen wird. Zudem sei der Name nicht vorbelastet: "Marken funktionieren so: Man nimmt einen Begriff, der nichts bedeutet, und füllt diesen mit Leben."

Dass ausgerechnet Don MacDonald mit Viiv beauftragt wurde, kommt nicht von ungefähr. Er war für die erste Marketing-Kampagne von Intels Centrino-Konzept zuständig. Bekanntlich dürfen Notebook-Hersteller nur dann das von Intel selbst heftig beworbene und damit wertvolle Centrino-Logo auf ihren Produkten anbringen, wenn sie CPU, Chipsatz und WLAN-Modul von Intel kaufen. Über den Werbekostenzuschuss bei Verwendung des "Intel Inside"-Logos hinaus gebe es aber kein "Centrino-Geld" für die Gerätehersteller. Das, so der Intel-Mananger, wolle man auch bei Viiv so halten. "Ich freue mich aber schon auf die Kampagne" , sagt McDonald schmunzelnd. Vermutlich dürfte man spätestens zum Weihnachtsgeschäft zahlreiche Viiv-Spots im Fernsehen bewundern können – ob dann aber auch genügend Hersteller entsprechende Geräte anbieten, steht noch in den Sternen. Anders als bei anderen Konzepten konnte Intel auf dem IDF noch nicht ein einziges angekündigtes Gerät zeigen, und auch nicht die übliche Liste der Firmen vorlegen, die sie herstellen wollen. [von Nico Ernst und Jens Ihlenfeld]


Relevante Themen