Interview: Viiv - Intels Schnellstart ins Wohnzimmer

Um eben mit Viiv in den Massenmarkt zu kommen, spielt auch der Preis eine wichtige Rolle. Viiv-Systeme sollen deutlich günstiger zu haben sein als ein typischer Media-Center-PC, der rund 1.500,- US-Dollar oder mehr kostet. Es gebe gerade im Bereich der Unterhaltungsindustrie feste Preispunkte, die es zu treffen gelte. Preise von 700,- oder 800,- US-Dollar seien ebenso möglich wie 1.500,- oder 2.000,- US-Dollar.
Trotz Dual-Core-Prozessoren sollen die Viiv-Systeme flüsterleise sein – und dies sei auch unbedingt notwendig, um die Wünsche der Kunden zu treffen, so MacDonald. Der Weg dahin sei weniger ein technisches Problem gewesen – denn Intel habe hervorragende Ingenieure -, sondern vielmehr ein Problem der falschen Zielsetzung. Intel habe aber erkannt, dass sich die Kundenwünsche geändert haben und hat die Vorgaben an die eigenen Ingenieure entsprechend angepasst, auch wenn die Herausforderungen dadurch deutlich steigen: Nicht mehr nur Leistung, es komme auch auf geringen Stromverbrauch und kleine Abmaße an.
Das wohl Interessanteste an Viiv dürfte wohl das schnelle Ein- und Ausschalten sein. Zwar hielt sich MacDonald hier mit Details zurück, verglich den Ansatz aber mit den Stromsparmechanismen, über die auch aktuelle Systeme verfügen. Der besondere Clou liegt darin, dass sich so das System auch teilweise abschalten lässt, je nachdem, wie es genutzt wird. Als "digitale Medienzentrale" sollen Viiv-Systeme schließlich von mehreren Nutzern gleichzeitig verwendet werden können, ohne dass der eine vor einem schwarzen Bildschirm sitzt, nur weil ein anderer das Gerät gerade abschaltet.
Dazu wird die Plattform partitioniert und nur die Teile aktiviert, die jeweils benötigt werden. Benötigt niemand die Festplatte, wird sie abgeschaltet, steht aber binnen Bruchteilen einer Sekunde wieder zur Verfügung, sollte sie gebraucht werden. "Es funktioniert genau so, wie die Kunden es erwarten" , beschriebt MacDonald den Ansatz. Im Bereich der Unterhaltungsindustrie reiche es nicht aus, wenn etwas meistens funktioniert, das sei eben der PC-Ansatz, vom dem Intel Viiv klar abgrenzen will. Viiv hingegen soll "äußerst robust und einfach sein" .
Der von MacDonald gezeigte Konzept-PC in Form eines Mac mini, den Intel schon auf der CeBIT zeigte, wird, so MacDonald, mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Markt kommen. Mittlerweile steckt auch ein Dual-Core-Prozessor in der kleinen Kiste, was zur CeBIT noch nicht der Fall war. Das Design entwickelte FIC im Auftrag von Intel – wer es aber kommerziell umsetzen soll, wollte MacDonald nicht verraten. Das Interesse an dem Gerät sei aber sehr groß und er sei sich ziemlich sicher, dass man die kleine Multi-Media-Kiste bald kaufen kann.
Schon im Vorfeld der Ankündigung von Viiv auf dem IDF Fall 2005 war das Logo auf einigen Webseiten zu sehen. Laut Don MacDonald hatte Intel damit jedoch gerechnet, da man für eine Markenameldung frühzeitig Unterlagen einreichen muss. Ingesamt, so der Intel-Manager, habe man von der Agentur "Lexicon Branding" im kalifornischen Sausalito 27.000 mögliche Namen prüfen lassen. Aus dem engeren Kreis von etwa 20 Namen, die noch nicht geschützt waren und auch in exotischen Sprachen keine unangenehme Bedeutung haben, habe man sich dann für Viiv entschieden, das wie "five" mit weichem Anfangskonsonanten ausgesprochen wird. Zudem sei der Name nicht vorbelastet: "Marken funktionieren so: Man nimmt einen Begriff, der nichts bedeutet, und füllt diesen mit Leben."



