IDF: Erste Details zur neuen Intel-Architektur

Hatte Intel im Vorfeld der Markteinführung des Pentium 4 Ende 2000 noch mit griffigen Marketing-Schlagworten wie "Netburst", "TraceCache" oder "Rapid Execution Engine" nur so um sich geworfen, gibt es nun noch nicht einmal einen Codenamen der neuen Architektur, die Netburst beerben soll. Wohl auch, weil Intel bereits im Mai 2005 erste Hinweise auf eine neue Architektur gab, hatten offenbar einige Journalisten mehr als das in San Francisco Gebotene erwartet.
Im anschließend als "Mega-Briefing" angekündigten Vortrag, zu dem nur die Presse geladen war, passten die neuen Informationen über die neue Intel-Architektur dann ebenfalls auf eine einzelne Folie. So soll die Pipeline mit 14 Stufen gegenüber der extrem langen Pipe des aktuellen Prescott-Kerns mit 31 Stufen stark verkürzt werden. Dafür passen nun vier Befehle in die Pipe, die dadurch weiter und effizienter wird. Das gefürchtete "Stalling", bei dem die Pipeline durch falsche spekulative Ausführungen eher zur Bremse als zum Beschleuniger wird, soll dadurch deutlich seltener auftreten. Diese "Out of Order Execution", eine der zentralen Leistungsquellen aller modernen x86-Prozessoren, wird dadurch laut Intel deutlich effektiver.
Daneben hat Intel auch an der Speicherverwaltung gearbeitet, die durch den noch immer nicht integrierten Speichercontroller einen Flaschenhals der Intel-Architekturen darstellt. Wie das Unternehmen auf dem IDF aber wieder einmal erklärte, will es an der Trennung von CPU und Northbridge festhalten, um den PC-Herstellern flexible Kombinationen zu ermöglichen und schneller auf neue Speichertechnologien reagieren zu können. Damit der Speicher trotzdem effektiver genutzt wird, will Intel das vorausschauende Laden, den Prefetch, bei seiner neuen Architektur verbessern.
Daher habe man für die neue Architektur zuerst den für Intel ungewohnt niedrigen Rahmen einer typischen Leistungsaufnahme von nicht mehr als 65 Watt festgelegt und sich dann überlegt, welche Funktionen damit in der ersten Generation zu realisieren sind. HyperThreading sei diesen Überlegungen als Erstes zum Opfer gefallen. Zwar schließe man eine spätere Implementierung nicht aus, Merom, Conroe und Woodcrest kämen jedoch ohne HyperThreading auf den Markt.
Stattdessen will Intel die neuen Funktionen wie die bisher als Vanderpool bekannte Virtualisierungstechnik, das Sicherheitskonzept LaGrande und die schon im Prescott befindliche Stromspartechnik Geyserville bei den neuen CPUs vom Start weg unterstützen.
Noch mehr Strom als bisher sollen die Prozessoren durch eine neue Version des Strained Silicon sparen, zudem habe man die gerade beim Prescott kritischen Leckströme nun besser im Griff. Darüber hinaus setzt Intel im neuen Design jetzt unterschiedlich schnell schaltende Transistoren ein – die schnellsten und stromhungrigsten nur da, wo es unbedingt nötig ist.
Da unbestätigten Informationen zufolge die neue Architektur nur mit etwas mehr als 2 GHz pro Core starten soll, ist deren Leistung bei älteren Single-Threaded-Anwendungen vorerst zumindest zweifelhaft. Stephen L. Smith meinte darauf voller Zuversicht, Intel werde auch weiterhin "marktführende Single-Core-Leistung" liefern. Da auch schon der heutige Pentium M Takt für Takt weit effizienter als der Pentium 4 ist, erscheint das realistisch – wenn sich denn die versprochenen neuen Features für eine bessere spekulative Ausführung und den schnelleren Speicherzugriff nur genügend auswirken.
Doch noch darf man zwei weitere IDFs lang um die neuen Prozessoren rätseln. Immerhin hat Intel nun, über ein Jahr vor der Markteinführung, schon mehr zum neuen Design preisgegeben als ein Jahr vor dem Start des Pentium 4. So viel, dass der neue Pentium M "Yonah" nun unbedingt pünktlich Anfang 2006 kommen muss, damit nicht einige Notebook-Hersteller diesen nur noch als Zwischenschritt anzusehenden Prozessor schlicht ignorieren. [von Nico Ernst]



