Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Urheberrechte nur für IE-Nutzer?

US-Copyright-Office erwägt Seite nur für Nutzer des Internet Explorer. Das US-Copyright-Office hat eine Diskussion darüber angestoßen, mit welchen Browsern eine Website erreichbar sein muss. Ausgangspunkt ist die Frage, ob es ausreichend wäre, wenn die Seite zur Vorabanmeldung von Urheberrechtsansprüchen nur noch mit Microsofts Internet Explorer zugänglich wäre.
/ Jens Ihlenfeld
40 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Anders als in Europa müssen Ansprüche auf Urheberrechte in den USA beim "US Copyright Office" eingereicht werden, will man diese beispielsweise vor Gericht durchsetzen. Künftig soll es auch möglich sein, Ansprüche auf Urheberrechte von noch nicht publizierten Werken anzumelden. Um hier eine effiziente Abwicklung zu gewährleisten, setzt das US-Copyright-Office auf ein elektronisches System, spielt aber auf Grund des engen Zeitrahmens mit dem Gedanken, die entsprechende Webseite nur auf den Internet Explorer von Microsoft ab Version 5.1 zuzuschneiden und fordert die Öffentlichkeit auf, Kommentare zu diesem Vorhaben abzugeben.

Ganz konkret wird aber gefragt, was jemanden, der seine Rechte anmelden wolle, davon abhalten könnte, den Internet Explorer zu nutzen.

Unterstützung für die Browser Netscape 7.2, Firefox 1.0.3 und Mozilla 1.7.7 sei zwar geplant, werde aber zum Start des Angebots nicht zur Verfügung stehen, so dass Nutzer dieser Browser ihre Ansprüche womöglich nicht anmelden könnten, heißt es von Seiten des US-Copyright-Office.

Mit Tim Berners-Lee, dem Direktor des World Wide Web Consortium (W3C), und Daniel J. Weitzner, Technology and Society Domain Leader im S3C, haben sich jetzt zwei prominente Köpfe gegen das Vorhaben, die Seite nur für Nutzer des Internet Explorer zugänglich zu machen, ausgesprochen. Ihr Brief an das US-Copyright-Office(öffnet im neuen Fenster) wurde jetzt auf Groklaw veröffentlicht.

Laut Berners-Lee stehe das Vorhaben im Gegensatz zum E-Government Act aus dem Jahre 2002 und andere Bundesvorschriften. Seine Kritik geht aber nicht in Richtung Internet Explorer; auch wenn nur Mozilla Firefox, Safari oder ein anderer Browser unterstützt werden sollte, wäre seine Argumentation die gleiche, so Berners-Lee.

Auch wenn viele den Internet Explorer einsetzen würden, stehe er in seiner aktuellen Version nur auf einer von drei populären Desktop-Betriebssystemen zur Verfügung – Windows. Nutzer von MacOS oder Linux und Unix bleiben außen vor. Doch selbst wenn in Unternehmen die richtige Plattform zum Einsatz komme, hätten sich einige Unternehmen explizit gegen den Einsatz des Internet Explorer entschieden, beispielsweise aus Sicherheitsgründen, bzw. offene Sicherheitslücken machten den Einsatz der Software zumindest vorübergehend unmöglich.

Vor diesem Hintergrund macht sich Berners-Lee für einen standardbasierten Ansatz stark, der sicherstelle, dass die Seite des Copyright Office jederzeit genutzt werden könne. Auch wenn eine Software aus Sicherheitsgründen vorübergehend nicht genutzt werden könne, wäre so ein Ausweichen auf eine Alternative möglich.

Berners-Lee verweist auch auf Handys, PDAs und andere Nicht-PC-Geräte, bei denen Nutzer oft keinen Einfluss auf den installierten Browser hätten. Auch könnten behinderte Nutzer unter der geplanten reinen Internet-Explorer-Seite leiden, da diese oft auf alternative Browser angewiesen seien.


Relevante Themen