Xbox 360 ohne Festplatte: Fluch oder Segen?
Konsolen modular aufzubauen ist schon immer ein schwieriges Unterfangen gewesen. Selten sind die Spieler bereit, Zubehör zu erstehen, wenn es nicht absolut notwendig ist. Zusätzliche Joypads und Speicherkarten verkaufen sich dementsprechend gut. Größere Erweiterungen wie Festplatten oder Speicher dagegen werden selten gekauft, was dazu führt, dass Entwickler derartiges Zubehör vernachlässigen.
Um dem entgegenzuwirken, liefert der Hersteller eines Spiels das notwendige Zubehör oftmals mit, so geschehen beim EyeToy für die PlayStation 2 oder der Speichererweiterung für das N64, welches Donkey Kong 64 beilag.
Die Xbox-360-Festplatte einem Spiel beizulegen ist jedoch vermutlich keine Lösung für die Redmonder. Zum einen besitzt die Premium-Variante für knapp 400,- Euro, die Microsoft zumindest anfangs in größerer Zahl verkaufen will, diese bereits und zum anderen ist der Preis für die separat rund 100,- Euro teure Festplatte dafür wohl zu hoch.
Unter Spieleentwicklern haben Microsofts Pläne daher für gemischte Gefühle gesorgt, wie eine Umfrage von next-gen.biz(öffnet im neuen Fenster) zeigt: Mark Rein von Epic Games ist mit der Entscheidung einverstanden. Für ihn sind die 512 MByte RAM der Konsole sowieso das beste und auch wichtigste Geschenk, das Microsoft für die Entwickler machen konnte. Die Festplatte hat für ihn weniger Bedeutung als der Arbeitsspeicher.
David Perry von Shiny Entertainment sieht in der Erweiterbarkeit der Konsole einen Pluspunkt. Er vergleicht die Situation mit dem Computer, wo der Nutzer, das, was er sich wünscht, hinzukaufen kann und hofft, dass Microsoft bei einer möglichen Xbox 720 diesen Gedanken weiterführt. Auch Lyle Hall von den Heavy Iron Studios hat mit der Entscheidung aus Entwicklersicht keine Probleme, da man bereits darauf vorbereitet war, dass die Festplatte nicht immer zur Konsole gehört. Langfristig befürchtet er jedoch technische Einschränkungen.
Diese Bedenken unterstreicht Scott Miller von 3D Realms, der in Microsofts Entscheidung einen Fehler sieht. Nach seiner Meinung werden nur wenige Entwickler von der Festplatte Gebrauch machen, da sich die meisten immer auf die schlechter ausgestattete Xbox 360 einstellen werden, um eine möglichst große Nutzerbasis mit ihren Titeln erreichen zu können.
Drastischere Worte findet hier CS Weaver von Bethesda Softworks. Für ihn ist die Xbox 360 Standard ein Ferrari F430, der nicht über den ersten Gang hinaus kommt. Die Entscheidung soll von einem Nicht-Spieler im mittleren Alter (middle-aged, non-gamer) getroffen worden sein, der früher für den Konsumgüter-Hersteller Proctor & Gamble gearbeitet hat, so Weaver. Er fordert Microsoft zudem auf, seine Kundschaft mit Respekt zu behandeln und sie nicht durch derartige Entscheidungen zu verunsichern.
Jon Middleton vom Zubehörhersteller Mad Catz hingegen begrüßt die Entscheidung Microsofts, die Konsole in zwei unterschiedlichen Ausstattungen auszuliefern, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Zubehöranbieter dadurch leichter ihre Produkte verkaufen können.
Microsoft hat schon früher verlauten lassen, dass die Entwickler nicht damit rechnen sollten, eine Festplatte vorzufinden. Die Spiele werden anfangs somit sicher keine Festplatte voraussetzen und ihre Speicherstände und herunterladbaren Inhalte auf den Memory Units speichern können. Bei den angepeilten 35,- Euro für eine offizielle Memory Unit könnte sich die Festplatte jedoch schnell bezahlt machen. [von Andreas Sebayang]
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