Strompreiserhöhungen um bis zu 30 Prozent geplant?
Die Energieexpertin, die laut ARD-Plusminus die Auswirkungen der Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse auf die Verbraucherpreise untersucht, geht von Erhöhungen von bis zu 30 Prozent aus. "Vielleicht ist es etwas weniger, weil die direkten Preissteigerungen nicht unmittelbar oder eins zu eins umgelegt werden, aber in der Bandbreite von 25 bis 30 Prozent wäre eine Strompreissteigerung möglich", so Kemfert.
Die Stromkonzerne selbst sollen bislang keine konkreten Zahlen nennen. Auf Nachfrage von Plusminus habe der größte deutsche Stromversorger rwe als wichtigen Grund für künftige Erhöhungen ausdrücklich die hohen Preise für Emissionszertifikate angeführt. Die Stromerzeuger müssen diese seit Anfang des Jahres für den Ausstoß von Treibhausgasen erwerben.
Plusminus zufolge sind die Zertifikate für das laufende Jahr den Konzernen von der Bundesregierung fast vollständig kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Bundesumweltminister Jürgen Trittin kommentierte entsprechend gegenüber dem Magazin: "Wenn sie das Geschenk [...], das im Laufe der Zeit mehr wert wird, dazu benutzen, Stromkunden abzuzocken, dann ist das in der Tat ein Missbrauch der Marktmacht." Allerdings wird für die Zukunft auch eine deutliche Verknappung der bisher recht großzügig verteilten Zertifikate erwartet.
Auch der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel, CDU, soll mit zweistelligen Preissteigerungen für Strom rechnen. Eine nachvollziehbare Begründung sei für ihn aber nicht zu erkennen: "Deswegen ist das Kartellamt in der Tat aufgerufen, hier näher draufzuschauen, ob es sich nicht um einen Missbrauch von marktbeherrschender Stellung handelt", zitiert Plusminus den CDU-Politiker.
Die Plusminus-Sendung wird am Dienstag, dem 16. August 2005, um 21:55 Uhr in der ARD gezeigt.