Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

US-Lehrbücher mit Verfallsdatum - dank DRM

"Universal Digital Textbooks" nur fünf Monate lesbar. Der US-Buchgroßhändler "MBS Textbook Exchange" wird zusammen mit fünf großen Verlagen Lehrbücher als E-Books anbieten. Die digitalen Ausgaben sollen ein Drittel weniger kosten als ihre gedruckten Pendants, aber mit Hilfe von Digitalem-Rechtekontroll-Management (DRM) nur auf einem Computer gespeichert werden können und nach fünf Monaten "ablaufen".
/ Jens Ihlenfeld
68 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)

"Universal Digital Textbooks(öffnet im neuen Fenster)" nennt MBS das Programm, an dem die Verlage McGraw-Hill Higher Education, Houghton Mifflin Company, John Wiley & Sons, Thomson Learning und Sage Publications teilnehmen. In einem ersten Schritt sollen die E-Books in Buchläden an zehn US-Universitäten verkauft werden. Die E-Books im PDF-Format werden mit einem DRM-System versehen, das kontrollieren soll, dass die Bücher nur auf einen Computer geladen werden können und nach fünf Monaten – einem US-Semester – nicht mehr lesbar sind. Auch können die E-Books nicht weiterverkauft werden.

Lehrbücher haben im US-Universitätssystem traditionell eine andere Bedeutung als an deutschen Hochschulen. In den USA gibt es für jedes Studienfach eine bestimmte Auswahl an Referenz-Lehrbüchern, die in jedem Hochschulkurs zum Thema verwendet werden. Diese Bücher werden meist exklusiv in einer Buchhandlung auf dem Universitätsgelände verkauft, die aber nicht zwangsläufig der Hochschule gehört.

Dies führt dazu, dass ein Lehrbuch eine Quasi-Monopolstellung innehat, wenn es sich als das Standardlehrbuch durchsetzen kann. Preise von mehr als 100,- US-Dollar pro Buch sind daher keine Seltenheit. Außerdem hat sich ein großer Markt für gebrauchte Bücher etabliert, in dem gut erhaltene Lehrbücher oft für mehr als die Hälfte des Neupreises weiterverkauft werden können, solange keine wichtige Neuauflage des Buches auf den Markt kommt. Dennoch gibt es immer wieder Kritik an den hohen Preisen der Bücher.

Nach eigenen Aussagen wollen MBS und die Verlage diese Kritik entkräften, indem sie günstigere Ausgaben der Bücher in elektronischer Form anbieten. Um ein solches E-Book herunterladen zu können, müssen Käufer in der Universitätsbuchhandlung eine so genannte "Universal Digital Textbook Card" kaufen. Dadurch wird das E-Book zum Download freigegeben.

Darin, dass die Studierenden weiter in die Buchhandlung gehen müssen, um an ein E-Book zu kommen, sieht MBS nur Vorteile: Zum einen können sie sehen, zu welchem Preis neue und gebrauchte Druckexemplare angeboten werden, zum anderen sei es auf diese Art einfacher, Buchkäufe über universitätstypische Rabattprogramme abzuwickeln. Für die Universitätsbuchhandlungen bedeutet dies, weiter am Umsatz beteiligt zu sein.

Kritik am Programm äußerte Fred von Lohmann, Anwalt bei der Electronic Frontier Foundation: "Solange die Käufer die Wahl haben, gedruckte Bücher zu kaufen, sehe ich da kein Problem. Die entscheidende Frage ist, wie lange es dauert, bis die Verlage aufhören, Bücher zu drucken. Es gibt keinen Zweifel, dass sie eine Welt bevorzugen, in der es keinen Markt für gebrauchte Bücher gibt", sagte von Lohman(öffnet im neuen Fenster) gegenüber dem IT-Nachrichtendienst CNet.

Edward Felten, Professor für Computerwissenschaften an der Princeton University und einer der bekanntesten DRM-Kritiker, glaubt nicht, dass sich DRM-kontrollierte E-Books durchsetzen werden: "Wenn der Preis zwei Drittel des gedruckten Buches beträgt, ist das offensichtlich ein schlechtes Geschäft. Unsere Studenten sind schlau genug zu entscheiden, welche Version sie kaufen – und die Dozenten werden sie gerne beraten, falls sie nicht sicher sind", schreibt Felten in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster).

"Es stört mich nicht, wenn andere Leute ihr Geld verschwenden, um Produkte zu entwickeln, die die Käufer nicht wollen", fährt Felten fort. "Das Problem mit DRM ist nicht, dass schlechte Produkte angeboten werden können, sondern dass der Staat manchmal schlechte Produkte schützt, indem er den freien Markt und den freien Fluss der Ideen ausbremst. Wenn man den Markt in Ruhe lässt, wird er DRM aus der Welt schaffen." [von Matthias Spielkamp]


Relevante Themen