Das digitale Kino wird Realität
Fast ein Jahr lang hatte man nichts von der DCI gehört. Bereits im September 2004 hatte das Gremium die Version 5.0 seiner Spezifikation für das digitale Kino vorgelegt – allerdings damals schon mit dem Hinweis, dass noch ein Jahr für die Feinarbeit ins Land gehen würde.
Die nun endgültige Spezifikation ist nicht öffentlich zugänglich, fest steht jedoch, dass für die digitalen Filmvorführungen DLP-Projektoren eingesetzt werden sollen. Texas Instruments, Barco, Christie Digital und NEC hatten an den DCI-Spezifikationen mitgearbeitet. Bisher gibt es jedoch nach Angaben von Texas Instruments weltweit erst 380 digitale Kinos in 29 Ländern. Dort werden seit dem Jahr 2000 erste Filme digital vorgeführt, einer der ersten Streifen – die nun keine mehr sind – war "Star Wars: Episode II".
Die Zahl der digitalen Filmtheater dürfte in Zukunft deutlich zunehmen, auch wenn die Kosten dafür erst einmal bei den Kinobetreibern liegen. Die DCI kündigte jedoch an, dass mit Disney, Fox, Paramount, Sony, Universal und Warner die größten Hollywood-Studios in Zukunft Filme nach DCI-Standard vertreiben wollen. Auch Regisseure freuen sich, die DCI zitiert in ihrer Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) von James Cameron bis George Lucas alles, was Rang und Namen hat.
Während sich die Kreativen vor allem über neue Möglichkeiten wie 3D-Formate begeistern, ist das digitale Kino für die Studios und Verleiher zunächst einmal eine Möglichkeit, massiv Kosten zu sparen. Filme müssen nicht mehr in zentnerschweren Dosen per Kurier verteilt werden und der Verschleiß der Kopien entfällt ebenfalls.
Da der Vertrieb eines physikalischen Mediums nicht mehr nötig ist, wird auch der in der letzten Zeit beliebte weltweit gleichzeitige Start eines Films leichter.
Wie ein DCI-Blockbuster in Zukunft verteilt wird, hält das Gremium wohlweislich noch weitgehend unter Verschluss. Bekannt ist bisher nur, dass die Filme über verschlüsselte Standleitungen vom Vertrieb direkt auf die Festplatten des Kinos gespielt werden sollen. Dabei wären freilich auch für jedes Kino individuelle digitale Wasserzeichen in Bild und Ton leicht anzubringen, wie das schon bei "Traumschiff Surprise: Periode 1" geschehen sein soll. Damals will Constantin das Kino, in dem die erste in Tauschbörsen zirkulierende Kopie des Films angefertigt worden sein soll, anhand der Wasserzeichen eindeutig identifiziert haben. Auf die Kinobetreiber kommen also neben den Investitionen in die Technik vermutlich auch Kosten für mehr Sicherheit zu.
Aufgrund der langen Arbeit der DCI an der Standardisierung des digitalen Kinos waren nationale Initiativen teils schneller. So hat das digitale Kino-Netzwerk Delicatessen(öffnet im neuen Fenster) in Deutschland bereits 44 Kinos unter Vertrag, in denen zu besonderen Terminen vorwiegend Autorenfilme und Dokumentationen digital aufgeführt werden. [von Nico Ernst]
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