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Amiga wird 20 Jahre alt

Von Lorraine bis AmigaOne. Vor genau 20 Jahren wurde der erste Amiga Computer im Lincoln Center in New York der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch die eigentliche Geschichte des Amigas ging bereits viel früher los, denn bereits 1982 plante Jay Miner einen Rechner zu bauen, der die Computerwelt revolutionieren sollte. Das Problem dabei war allerdings, dass sämtliche Geldgeber eigentlich eine Spielekonsole haben wollten. Heimcomputer waren damals praktisch noch ein Fremdwort.
/ Jens Ihlenfeld
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So wendete Jay Miner einen kleinen Trick an und entwickelte unter dem Firmennamen Amiga eine Spielekonsole mit dem Namen Lorraine, die sich jederzeit zu einem vollwertigen Computer aufrüsten lassen sollte.

Leider ging aber der Firma Amiga das Geld aus. Zeitgleich suchte Commodore einen Nachfolger für den erfolgreichen C64 . So kam es dazu, dass Amiga von Commodore Business Machines aufgekauft und kurzerhand auch der eigentliche Name des Rechners von Lorraine auf Amiga geändert wurde. Im Spanischen bedeutet Amiga übrigens Freundin.

Commodore wollte jedoch einen wesentlich schwächeren Rechner produzieren und nur 256 KByte Speicher einbauen. Auch einige andere Funktionen, wie etwa ein integriertes Modem, wurden gestrichen. Leider setzte sich Commodore gegen den Widerstand von Jay Miner durch. Dies sollte nicht der einzige Fehler bleiben, den Commodore in der Geschichte des Amigas gemacht hatte.

Dennoch markierte der 23. Juli 1985 zunächst den Beginn der Erfolgsgeschichte Amiga, denn an diesem Tag wurde der Amiga 1000 als erstes Modell der Serie in New York erstmals der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. Er beherrschte Auflösungen bis zu 640 x 400 Pixel mit maximal 16 Farben, in der niedrigen Auflösung von 320 x 200 Pixel standen sogar 4.096 Farben zur Verfügung.

Diese 4.096 Farben, vierstimmiger digitaler Sound und eine grafische Benutzeroberfläche waren damals eine absolute Weltneuheit. Außerdem wurde als Prozessor ein Motorola 68000 in den Rechner eingebaut. Der damals neue 32-Bit-Mikroprozessor war mit 7,16 MHz praktisch das Schnellste, was es im Heimanwenderbereich gab.

Aber das war noch lange nicht alles, was den Amiga von herkömmlichen Rechnern unterschieden hatte: Multitasking , ein Begriff, der wohl keinen anderen Computer mehr prägte als den Amiga, hielt Einzug in den Computermarkt. Es dauerte noch ein halbes Jahrzehnt bis andere Computersysteme auch nur ansatzweise in der Lage waren, mehrere Aufgaben scheinbar gleichzeitig auszuführen.

Nach Deutschland kam der Amiga erst zur CeBIT 1986. Durch die Änderungen der Grafikchips zur Darstellung von PAL konnte der Amiga in der niedrigen Auflösung 56 Zeilen, in der hohen Auflösung sogar 112 Zeilen mehr darstellen als ein US-Amiga im NTSC -Modus. Anfangs kostetet der Amiga 1000 rund 6.000,- DM. Der Verkaufspreis wurde aber innerhalb eines Jahres auf rund ein Drittel des Einführungspreises gesenkt.

Um den Amiga IBM-PC -kompatibel zu machen, kamen die Entwickler auf die Idee, eine Sidecar zu entwickeln, die an dem Erweiterungs-Slot des Amiga angeschlossen werden konnte. Damit lief dann auch IBM-Software auf dem Amiga.

Commodore merkte jedoch sehr schnell, dass die Produktionskosten für den Amiga 1000 zu hoch waren und entwickelten unter den Codenamen B52 den 1987 veröffentlichten Amiga 500 . Mehr oder weniger zeitgleich wurde der Amiga 2000 entwickelt. Nach Einführung dieser beiden neuen Modelle wurde die Produktion des Amiga 1000 eingestellt.

Von 1987 bis heute wurden diverse Amiga-Modelle entwickelt, veröffentlicht, wieder eingestellt und neu aufgelegt. Derzeit aktuelle Rechner sind der AmigaOne und Pegasos , die beide auf dem PowerPC -Prozessor aufbauen.

Auch die Entwicklung des Betriebssystems ging langsam, aber stetig weiter. So ist inzwischen eine Vorabversion des AmigaOS 4 erhältlich, das speziell für PowerPC-Amigas programmiert wurde. Auch die Amiga-Gemeinschaft ist noch am Leben, denn weltweit beschäftigen sich noch Tausende treue Amiga-Fans aus den verschiedensten Gründen mit ihren Computern.

Und auch wenn man mit diversen Einschränkungen beim Arbeiten mit dem Amiga leben muss, so macht der Amiga den meisten Nutzern wesentlich mehr Spaß als ein handelsüblicher Windows-PC. Es gibt sogar noch zwei Print-Magazine für das Gerät: Das Amiga Magazin und die Amiga Future.

Der Mutterkonzern Amiga Inc. kümmert sich allerdings überhaupt nicht mehr um den Computer oder das Betriebssystem und hat sich komplett anderen Bereichen zugewandt. [von Andreas Magerl]

Andreas Magerl ist Herausgeber der Zeitschrift Amiga Future(öffnet im neuen Fenster)


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