USA: Publisher zieht GTA: San Andreas zurück
Tüftler hatten herausgefunden, dass sich im Spiel vom Entwickler Rockstar Games nicht-aktivierte Inhalte verbargen, die sich durch minimale Änderung am Programmcode freischalten ließen. Dies ist per " Hot Coffee Mod " in der PC-Version und mittels Action Replay Max und Cheatcodes auch bei der PlayStation-2-Version von GTA: San Andreas möglich – Rockstar behauptet weiterhin, dass Hacker die ins Rampenlicht geratenen Sex-Minispiele mutwillig hinzugefügt haben.
Auch in einer Take-Two-Mitteilung heißt es explizit, dass die Szenen in der Hot Coffee Modifikation in der Retail-Version nicht spielbar sind, es sei denn, man installiere sich eine "unautorisierte Software, die den Inhalt der originalen Retail-Version des Spiels verändert, was eine Verletzung der Nutzungsbestimmung (EULA) von Take-Two und Rockstar sowie deren Urheberrechte darstelle. Dass die Inhalte im Spiel vorhanden, aber nur deaktiviert sind, weist Take-Two nicht ausdrücklich zurück, wirft aber auch den Mod-Nutzern Rechtsbruch vor.
Der Name Hot Coffee ergibt sich daraus, dass die virtuellen Freundinnen in GTA: San Andreas den Spielercharakter nach erfolgreichem Date auf einen Kaffee nach oben bitten und es dort dann in Soft-Porno-Manier zur Sache geht – bei voll angezogenem Spielcharakter, mehr oder weniger leicht beschürzter Dame und ohne Darstellung von Genitalien. Es gilt, die virtuelle Freundin zu beglücken; gelingt dies nicht, maßregelt einen das Spiel mit den Worten "Failure to satisfy a woman is a CRIME!"
Vor allem in den USA hat der Hot Coffee Mod für viel Trubel gesorgt. Sowohl republikanische als auch demokratische Politiker sowie Elterninitiativen war GTA: San Andreas wegen der Gewaltdarstellung und anscheinend unabhängig von seiner Alterseinstufung ab 17 Jahren schon zuvor ein Gräuel. Als neben der Gewalt auch noch Sex ins Spiel kam, machten sich neben den bekannten Gegnern von "Gewaltspielen" auch andere Politiker wie etwa Senatorin Hillary Clinton für eine stärkere Reglementierung von Spielen stark. Vor allem die ESRB bekam den Ärger zu spüren, wies die Kritik allerdings vehement zurück.
Take-Two befürchtet, dass der Rückruf der im Handel liegenden Spiele sich negativ auf das laufende Geschäftsquartal auswirken wird und hat seine Erwartungen dementsprechend etwas gesenkt – allerdings ist das bei Presse und Spielern gut angekommene Spiel schon seit Ende 2004 im Handel erhältlich und auch die hochgekochte Aufregung um die eher harmlos wirkenden Sex-Minispielchen wird den Verkäufen alles andere als geschadet haben.
Derzeit erwägt Take-Two rechtliche Schritte gegen Unternehmen, die – wie es der Publisher schwammig ausdrückt – durch die Herstellung und den Vertrieb von Tools profitiert haben, mit denen sich der Inhalt von GTA: San Andreas verändern lässt. Damit könnte auch Datel gemeint sein, auf deren Codejunkies-Website für das Action Replay Max zwischenzeitlich die nötigen Cheat-Codes für die PlayStation 2 zu finden waren, aber recht schnell wieder verschwanden.
Auch an den durch das Hot Coffee Mod bekannt gewordenen holländischen GTA-Modder Patrick Wildenborg versuchten Rockstar und Take-Two schon heranzukommen – etwa über die sich auch mit dem Thema Hot Coffee Mod beschäftigende Website GamePolitics.com(öffnet im neuen Fenster) , deren Verantwortliche die Anfrage nach Kontaktdaten eigenen Angaben zufolge aber zurückwiesen.
Von Rockstar soll es bald einen Software-Patch geben, der den Hot Coffee Mod auf dem PC nicht mehr möglich machen soll. Daneben stellte Rockstar die Produktion der aktuellen Spielversion ein und bereitet ein von den Sex-Minispielchen befreites GTA: San Andreas vor, das dann wieder im Handel vertrieben werden soll und das alte ESRB-Rating (ab 17 Jahren) behalten wird. Händler, welche die bisherige Version weiterverkaufen wollen, sollen Aufkleber für die neue Alterskennzeichnung der Spielverpackung erhalten.
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