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Weiter Ärger um versteckte Sex-Spielchen in GTA: San Andreas

Rockstar Games verliert Glaubwürdigkeit. Spiele-Entwickler Rockstar Games kommt wegen der versteckten Sex-Minispiele in Grand Theft Auto: San Andreas nicht aus den Schlagzeilen und der Schusslinie von Politikern heraus – selbst die demokratische US-Senatorin Hillary Clinton zieht gegen das so genannten "Hot Coffee"-Mods zu Felde. Rockstars Versuch, argwillige Hacker aus der GTA-Modding-Szene verantwortlich zu machen, scheiterte nun an findigen Tüftlern, welche die Sex-Szenen per Cheat-Codes auch auf der PlayStation 2 freischalteten.
/ Christian Klaß
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Für den PC erschien das Hot-Coffee-Mod schon vor einigen Wochen, seit Kurzem ist es in Form von Cheatcodes(öffnet im neuen Fenster) auch für die PlayStation 2 erhältlich – wohlgemerkt nur in Verbindung mit Datels PS2-Zubehör Action Replay Max. Wie der für das Hot-Coffee-Mod mitverantwortliche und damit wider Willen berühmt gewordene holländische GTA-Modder Patrick Wildenborg(öffnet im neuen Fenster) angab, müssen nur einige Bytes vom Spiel geändert werden, um die Sex-Szenen freizuschalten.

Der Name Hot Coffee ergibt sich daraus, dass die virtuellen Freundinnen in GTA: San Andreas den Spielercharakter nach erfolgreichem Date auf einen Kaffee nach oben bitten und es dort dann in Soft-Porno-Manier zur Sache geht. Am Spieler ist es, die Knöpfe im richtigen Rhythmus zu betätigen und die Freundin zum Höhepunkt zu bringen, wie Gamespot(öffnet im neuen Fenster) beschreibt. Etwas banale sexuelle Erziehung gibt es dabei auch: "Failure to satisfy a woman is a CRIME!" heißt es, wenn der Möchtegern-Gangster die Gelüste seiner Freundin nicht befriedigen kann.

Genitalien sind zwar, trotz der eindeutigen Stellungen, nicht zu sehen. Rockstars kopulierende Spiel-Charaktere werden aber dennoch seit einigen Wochen in den US-Medien und vor allem auch in der Politik hochgekocht. In den USA versuchen Hardliner schon seit einiger Zeit, den Jugendschutz zu verstärken und kritisieren die Arbeit des von der Spielebranche finanzierten Entertainment Software Ratings Board (ESRB) als ungenügend.

Dabei sieht sich das ESRB(öffnet im neuen Fenster) selbst in keiner Schuld. Über 80 Prozent der nach strengen Kriterien durchgeführten Bewertungen würden mit denen von Eltern und anderen Experten übereinstimmen und auch die Richtlinien für den Handel seien klar. Die ESRB untersucht die Anschuldigungen gegen das GTA-Spiel auch selbst – das Hot-Coffee-Mod erschien erst Wochen nach der Verfügbarkeit des Spiels. Laut ESRB sind die Minispiele nicht als offizieller Spielinhalt gedacht, wurden nicht von Rockstar selbst freigegeben, waren weder Easter Egg noch Cheat und werfen deshalb die Frage auf, was denn alles zum spielbaren Inhalt gehört.

Es ist also möglich, dass die verborgenen Szenen noch zu einer Neubewertung des Spiels führen – bisher ist GTA: San Andreas in den USA für Jugendliche ab 17 Jahren ("Mature") freigegeben. Die grafische Darstellung von Geschlechtsverkehr würde die Einstufung wohl auf ab 18 Jahren ("AO – Adults only") hochschieben. Dabei hat Rockstar für GTA: San Andreas schon wegen des Gewalttaten beinhaltenden Spielinhalts alleine viel Kritik abbekommen.

Gegen Rockstars Spiele, die ESRB und für einen stärkeren Jugendschutz tun sich vor allem der durch seinen Kampf gegen das Take-2-Spiel Manhunt bekannt gewordene Anwalt Jack Thompson(öffnet im neuen Fenster) , der kalifornische Abgeordnete und Kinderpsychologe Leland Yee(öffnet im neuen Fenster) und mittlerweile auch die demokratische US-Senatorin Hillary Clinton(öffnet im neuen Fenster) hervor. Sie sehen vor allem in Gewalt-Spielen ein Problem. Die Kombination auf Gewalt und Sex lässt sie zum Teil noch (laut-)stärker nach Beschränkungen für Spieleentwickler rufen. Clinton hatte gar die Federal Trade Commission (FTC) um eine Untersuchung des Falls gebeten.

"Grand Theft Auto lehrt unsere Kinder nicht nur, wie man Mitmenschen auflauert, verstümmelt und tötet, sondern überschwemmt die sich entwickelnden Psyche auch noch mit erniedrigenden Bildern von Frauen" , klagt Yee und drängt seinerseits die FTC, die freiwillige Selbstkontrolle der Spielebranche unter die Lupe zu nehmen.

Rockstar selbst hat nun zwei Probleme: Zum einen hat das Unternehmen mit der Stellungnahme, dass böswillige Hacker die Sex-Szenen per Mod nachträglich einfügten, bisher eher an Glaubwürdigkeit verloren, zum anderen könnte als Resultat ein Rückruf des Spiels nötig werden. Ob Rockstar derartiges finanziell verkraften würde, ist zu bezweifeln(öffnet im neuen Fenster) . Das wäre aber den Gewaltspielgegnern vermutlich gar nicht so unrecht. Ausgerechnet diese machen aber mit dem von ihnen veranstalteten Wirbel ordentlich Werbung für GTA: San Andreas...

Ein weiteres Spiel, das die um das Seelenheil der Kinder und Jugendlichen besorgten Politiker schon im Vorfeld auf die Palme gebracht hat, ist das Spiel 25 to Life. Darin geht es darum, auf Seiten der Cops oder Gangster zu kämpfen – besonders dass virtuelle Polizisten umgebracht werden können, erregt die Gemüter von Kritikern.


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