Epic: UT2007 nicht das erste Unreal-Engine-3-Spiel?
Galt vor einem Jahr noch die Doom3-Engine von id Software als das Maß aller Dinge bei 3D-Spielen, so hat sich das nach der Vorstellung der Unreal-3-Engine auf der E3 2005 gründlich geändert. Das Team von Epic Games um Mark Rein schmiedet hier derzeit das heißeste Eisen, wenn es um beeindruckende Grafik in schnellen Spielen geht. Kein Wunder also, dass Nvidia seinen Veranstaltungsdauergast in der vergangenen Woche auch nach Paris einfliegen ließ, um sein Software-Wunderwerk mit dem derzeit schnellsten 3D-Grafikchip GeForce 7800 GTX vorzuführen.
Wann immer die Kamera eine Lichtquelle ansteuerte, überstrahlte das helle Licht die Umgebung so naturgetreu, wie man das vom menschlichen Auge auch gewohnt ist. Far Cry, Splinter Cell 3 und bald auch Half-Life 2 setzen ebenfalls auf HDR. Zusammen mit Nebel- und Shader-Effekten für Oberflächen wirkte die Demo beinahe fotorealistisch. Technologisch ebenso interessant wirkte Reins zweite Vorführung, mit der er die Physik-Engine demonstrierte. Diese hat Epic von Ageias lizenziert und in die eigenen Grafikroutinen eingebettet.
So konnte Rein nicht nur in einem Raum mit Modellen von Spielfiguren und Einrichtungsgegenständen um sich werfen. Er zeigte auch eine Geröll-Lawine, bei der sich die Felsbrocken immer wieder einzeln anstoßen ließen und realistisch aufeinander reagierten. Begeistert von seinen Schöpfungen reagierte der oft schroffe Rein aber allergisch auf die langen Ladezeiten: "Da habe ich schon immer gesagt: Nvidias Demo-Rechner haben tolle Grafikkarten, aber mistige Festplatten."
Unreal Tournament 2007 soll zuerst für den PC erscheinen, dann auf der Xbox 360 und der PlayStation 3. "Wir legen es nicht darauf an, ein 'Launch Title' zu werden", zeigt sich Rein entspannt, wenn es um die neue Xbox geht. Überhaupt, so erklärt er weiter, sei die Konsolenprogrammierung inzwischen der für PCs viel ähnlicher: "99 Prozent des Codes sind API-Aufrufe". Es sei durch die hohe Leistung der Hardware und die neuen Betriebssysteme nun nicht mehr notwendig, die Hardware direkt zu programmieren. "Das war bisher so, weil es gar nicht anders ging", meint Rein.
In der Multiplayer-Community wird jedoch vor allem UT2007 für den PC mit Spannung erwartet. UT2004 wird inzwischen gerade in Europa von den größeren Ligen stiefmütterlich behandelt und selbst in den USA wurden auf den letzten größeren Turnieren wie der CPL höhere Preisgelder für "Painkiller" aufgestellt als für die UT-Klassiker. Rein zeigt sich auf die Frage, ob denn UT hier auf dem absteigenden Ast sitzt, etwas verschnupft und meint über die Ligen: "Die machen doch ihr Geld nur durch Sponsoren..." [von Nico Ernst]