Auch EMI in den USA künftig mit CD-Kopierschutz
Wie die Musikwoche berichtet(öffnet im neuen Fenster), will EMI die gleiche Technologie einsetzen wie Konkurrent Sony BMG. "Extended Copy Protection" (XCP) nennt die britische Firma First4Internet ihr Verfahren, das nach eigenen Angaben so genanntes "steriles Brennen" erlaubt. Dabei soll es den Nutzern gestattet sein, drei Kopien von CDs zu machen, aber keine Kopien der Kopien anzufertigen. EMI nutzt XCP bisher nur für so genannte Pre-Releases, also Vorabveröffentlichungen von CDs, etwa für Radiostationen.
"Die sichere Brennfunktion ist der vernünftige Weg", sagte First4Internet-Chef Mathew Gilliat-Smith gegenüber Wired News(öffnet im neuen Fenster). "Den meisten Kunden geht es darum, eine Kopie für den eigenen Bedarf zu machen. Die Industrie ist darum bemüht, dass diese Möglichkeit nicht missbraucht wird, indem Kopien für Leute angefertigt werden, die sonst eine CD kaufen würden."
"Extended Copy Protection" lässt es nach Firmenangaben zu, dass CDs auf die Festplatte "gerippt" werden, versieht diese gerippten Songs aber mit einem Kopierschutz. Dabei erlaubt es das Verfahren nur, Musik ins Windows-basierte WMA-Format zu übertragen. Dessen Digitales Rechtekontrollsystem (DRM) werde dann verhindern, dass die Songs weiterkopiert werden.
Nach Angaben von First4Internet basiert der Kopierschutz auf einer Kombination verschiedener Techniken. Zum einen soll eine Software auf der CD dafür sorgen, dass ein PC nur mit speziellen, zugelassenen Programmen auf die CD zugreifen könne, wodurch ein Kopieren unmöglicht gemacht würde. Die Software ist nach Firmenaussage kompatibel mit MacOS 9, MacOS X und Windows 95 bis XP. Werde andere Software zum Kopieren oder Rippen verwendet, bleibe die CD schlicht unsichtbar.
Zusätzlich sei jede CD-Auflage mit einem eigenen Kopierschutz versehen, so dass ein Knacken des Schutzes für eine Auflage keine Auswirkungen auf andere Auflagen habe. "Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass unsere Technik nie geknackt wird, denn es gibt eine Menge clevere Leute", sagte Mathew Gilliat-Smith, "aber es ist ein sehr robustes Konzept, besser als alles andere auf dem Markt."
Zwar sollen derart geschützte CDs dem Standard entsprechen. Anders als viele Kopierschutztechniken, die für CDs in Deutschland eingesetzt werden, würde "Extended Copy Protection" daher nicht verhindern, dass damit versehene CDs in gängigen CD-Spielern laufen. Allerdings würde die Technik es unmöglich machen, Songs auf Apples iPod zu übertragen, das derzeit mit Abstand beliebteste tragbare Musikgerät. Denn Apple verwendet das Fairplay-DRM-System, das die Firma nicht an andere lizenziert.
Kopierschutztechniken für CDs werden in den USA, im Gegensatz zu Deutschland, bisher nicht in großem Stil eingesetzt. Lediglich Sony BMG habe etwa 5,5 Millionen kopiergeschützte CDs ausgeliefert, schreibt Wired News. Bisher verwendet die Musikfirma dafür ein System des Herstellers SunnComm. Diese Firma war in Verruf geraten, nachdem sie den Princeton-Studenten Alex Halderman im Oktober 2003 auf mehrere Millionen Dollar Schadensersatz verklagt hatte. Wenige Stunden, nachdem die erste mit SunnComms "MediaMax"-Technik versehene CD auf den Markt gekommen war, hatte der Student herausgefunden, dass man den Kopierschutz äußerst einfach überwinden konnte. Auf Rechnern mit Windows XP mussten Nutzer dafür lediglich die Hochstelltaste drücken, wenn sie eine CD einlegten.
Nachdem Halderman diese Erkenntnis veröffentlicht hatte, verklagte SunnComm den damals 22-Jährigen mit der Begründung, er habe den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) verletzt, der es – analog zum Paragrafen 95a des deutschen Urheberrechts – verbietet, technische Schutzmaßnahmen zu umgehen. Die hohe Klagesumme rechtfertigte die Firma damit, dass ihr Aktienkurs nach der Veröffentlichung stark gefallen sei. SunnComm zog die Klage jedoch zurück, nachdem der Firma von vielen Seiten vorgeworfen worden war, mit diesem Vorgehen die Forschungsfreiheit zu behindern.
Das Kopieren von Musik-CDs zu privaten Zwecken ist grundsätzlich erlaubt. Wenn aber CDs effektiv kopiergeschützt sind, ist es nicht gestattet, diesen Kopierschutz zu umgehen. Sind CDs mit einem Kopierschutz versehen, führt das oft dazu, dass sie sich nicht in allen gängigen Geräten abspielen lassen. Denn CDs mit Kopierschutz entsprechen meist nicht dem so genannten Redbook-Standard (oder CDDA), der für das Datenformat entwickelt wurde und an dem sich entsprechend viele Hersteller orientieren. [Matthias Spielkamp]
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