Spieletest: GTA San Andreas - Endlich für PC und Xbox
Umsetzung mit technischen Mängeln, aber konkurrenzlosem Gameplay. Seit Ende 2004 bewohnen bereits unzählige PlayStation-2-Besitzer den fiktiven US-Bundesstaat San Andreas und sorgen dafür, dass der aktuelle Titel aus der legendären GTA-Serie von Rockstar Games weiterhin in den oberen Regionen der Verkaufscharts bleibt. Jetzt ist die Exklusivität für die Sony-Konsole allerdings endlich ausgelaufen - und auch PC- und Xbox-Besitzer kommen in den Genuss der riesigen, stimmungsvollen Spielwelt.
Zum Gameplay soll hier nicht mehr allzu viel geschrieben werden - das unterschiedet sich weder am PC noch auf der Xbox signifikant von der PlayStation 2 und wurde daher bereits ausführlich im Test der PlayStation-Version beschrieben. Nur so viel sei zur Erinnerung nochmals gesagt: Der Spieler schlüpft in die Rolle von Carl Johnson, der nach satten fünf Jahren das erste Mal wieder in seine Heimatstadt Los Santos im Bundesstaat San Andreas zurückkehrt - eine dreckige, Los Angeles nachempfundene Metropole, die in Bandenkriegen, Drogen und Korruption zu versinken droht. Der Grund für Jonsons Rückkehr ist alles andere als angenehm: Seine Mutter wurde umgebracht - Opfer eines der Bandenkriege, die das Leben in Los Santos bestimmen.
Kaum zu Hause angekommen, gehen auch die alten Streitigkeiten von vorne los - somit wird fortan alles daran gesetzt, sich wieder einen Namen auf der Straße zu verdienen und allen feindlichen Gangstern, Drogen-Dealern und der Polizei Respekt einzuflößen. Den erarbeitet man sich vor allem, indem man die Konkurrenz mit Kugeln durchlöchert, aber auch durch einige andere Aktionen wie etwa das Sprühen von Graffiti.
In unzähligen Missionen kann CJ seine Fähigkeiten beweisen; so müssen feindliche Killer ausgeschaltet, Pizzerien platt gemacht, Geld erbeutet oder Drogenkuriere überfallen werden. Wie schon in den vorherigen GTA-Spielen sind auch in San Andreas die Missionen aber nur die eine Seite der Medaille; nebenbei verbringt man deutlich mehr Zeit damit, die unglaublich großen Stadtareale im Staat San Andreas zu durchstreifen und den zahlreichen anderen Zeitvertreiben zu fröhnen.
Wer will, schnappt sich eines der unzähligen Autos, stellt das Radio auf den eigenen Lieblingskanal und cruist zu stimmiger HipHop- oder House-Musik die Highways entlang. Genauso gut ist aber auch ein Abstecher ins Casino möglich, wo das eigene Geld vermehrt oder auch ganz schnell wieder verprasst werden kann. Nebenbei besorgt man sich neue Klamotten, um auch optisch klarzumachen, wer der Chef im Viertel ist, schraubt an den eigenen Fahrzeugen herum, um sie aufzumotzen oder brettert mit Quad und BMX-Rad durchs Gelände.
Auffälligste Neuerung bei PC und Xbox ist natürlich die aufgemotzte Grafik - wobei die vor allem auf der Microsoft-Konsole gar nicht so gut ist, wie man sich vielleicht erhofft hätte. Die PS2-Vergangenheit bleibt jedenfalls offensichtlich, einige Texturen lassen sehr zu wünschen übrig. Auf dem PC freut man sich trotzdem über deutlich höher aufgelöste Szenarien, Anti-Aliasing und vor allem viele stimmungsfördernde Effekte: Wenn die Luft auf Grund der Hitze vor den Augen flirrt oder ein Sonnenuntergang alles in rotes Licht taucht, ist das schon beeindruckend.
Die anderen Neuerungen sind dann doch eher kosmetischer Natur - das Feature, die letzten 30 Sekunden als Replay noch mal anzusehen, ist nett, aber nicht essenziell; und dass man jetzt seine eigene MP3-Sammlung als alternatives Radioprogramm einbinden kann, ist eigentlich kaum nötig, schließlich hat San Andreas nicht nur einen der abwechslungsreichsten, sondern auch umfangreichsten Soundtracks der Videospielgeschichte. Gewichtiger wirkt sich da schon die Maus-/Tastatur-Steuerung am PC aus, die Vor- und Nachteile mit sich bringt: Die Kämpfe lassen sich natürlich präziser steuern, dafür sind die Fahrpassagen ohne Analog-Pad nur halb so schön. Der Besitz eines guten Pads ist für PC-Spieler also sehr von Vorteil, zumal sich problemlos vom Pad zur Tastatur und zurück wechseln lässt.
Die deutsche Version von GTA San Andreas ist ab sofort im Handel erhältlich, wobei auch hier die Sprachausgabe komplett englisch bleibt; deutsch sind nur die optionalen Untertitel. Die USK-Freigabe liegt für die deutsche - und im Vergleich zur US-Version etwas entschärfte - Version bei 16 Jahren.
Fazit: Die spielerischen Neuerungen sind eher kosmetischer Natur und die technischen Verbesserungen sind auch mit Sicherheit nicht so umfassend, wie es PC und Xbox eigentlich erlaubt hätten. Trotzdem ist GTA San Andreas eine Pflichtanschaffung für jeden Videospiel-Fan - selten wurde das Konzept einer lebendigen Spielwelt so gut realisiert wie hier, nur wenig andere Programme lassen einen wirklich derart tief in das Geschehen eintauchen und unzählige Freiheiten genießen. GTA San Andreas ist die vorläufige Krönung einer ohnehin schon herausragenden Serie; man darf gespannt sein, ob und wie Rockstar Games das eines Tages fortsetzen wird.