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Spieletest: Guild Wars - Konkurrenz für World of Warcraft?

Dynamische Missionen, Spielerkämpfe in Arenen und hübsche Grafik. NCSofts Online-Rollenspiel Guild Wars wurde schon im Vorfeld als die größte Gefahr für World of Warcraft beschrieben. Nicht nur weil Ex-Blizzard-Angestellte am Spiel arbeiteten, die Grafik hübsch ist und Guild Wars ebenfalls einsteigerfreundlich sein sollte, sondern weil dafür keine monatlichen Gebühren anfallen. Ein echter World-of-Warcraft-Killer ist Guild Wars zwar nicht geworden, machte Golem.de aber sehr viel Spaß.
/ Christian Klaß
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Das für Guild Wars verantwortliche Entwicklerstudio ArenaNet wurde von ehemaligen Blizzard-Angestellten gegründet, die zuvor an Warcraft, StarCraft, Diablo und Blizzards eigenem Spieleserver Battle.net arbeiteten. Guild Wars startete Ende April 2005 als ein weiteres Online-Rollenspiel im überbordendem Fantasy-Genre. Der World-of-Warcraft-Konkurrent bemüht sich, die in anderen Online-Rollenspielen oft anzutreffenden Probleme möglichst zu vermeiden, um sich so von der Konkurrenz abzuheben. So können Spieler aus aller Welt zwischen den Abenteuern die Server-Instanzen beliebig wechseln und lernen die recht große Welt von Guild Wars durch leicht verständliche Missionen und Zwischensequenzen kennen.

Da Spieler beim Verlassen der sicheren Regionen Abenteuer in eigenen Instanzen der Spielwelt erleben, gibt es auch keine Probleme mit Störenfrieden, die einem wie etwa in World of Warcraft die Gegner oder Gegenstände wegnehmen können. Alleine sollte man sich aber auch in Guild Wars kaum in die Wildnis hinauswagen, denn die durch den Kampf zwischen Gut und Böse in Mitleidenschaft gezogene Welt bietet einige unangenehme Gegner.

Wer in Städten oder Außenposten keine Mitspieler findet oder einfach mal alleine durch die Gegend ziehen will, darf sich in Guild Wars dazu eine Gruppe mit gut funktionierenden, computergesteuerten Kumpanen aufbauen – eine sehr gute Idee, zumal davon auch Spielergruppen profitieren, die auf die Schnelle keinen Heiler finden können. Zur Auswahl stehen Bogenschütze, Heiler, Kämpfer und Magier.

Gruppen bestehen anfangs aus zwei, dann aus bis zu vier und in härteren Regionen aus bis zu sechs bzw. acht Mitgliedern, eigene Haustiere und mitreisende Nichtspielercharaktere (engl. NPCs) nicht eingerechnet. Zu lösende Missionen werden mit anderen Spielern geteilt – und gerade Missionen sind für das Weiterkommen des eigenen Charakters enorm wichtig, da es dafür am meisten Erfahrungspunkte gibt. Dennoch sind Kämpfe ein wichtiges Mittel, um an "Rohstoffe" für den Erwerb von Gegenständen zu kommen – und auch wenn das Leveln bei Guild Wars etwas in den Hintergrund rücken mag, ist es dennoch notwendig, um Attribute steigern und neue Fertigkeiten lernen zu können.

Bei der Charakterentwicklung, den Fertigkeiten und den Berufen ist Guild Wars sehr flexibel – zwar gibt es nur die Möglichkeit, Menschen zu spielen, doch dafür können die sechs Basisberufe Krieger, Waldläufer, Mönch, Elementarmagier, Mesmer (Illusionist) und Nekromant mit einer Sekundärklasse ergänzt werden. So lässt sich per Krieger/Mönch auch eine Art Paladin spielen – oder ein Nekromant mit Waldläuferkomponente kann die ganze Bandbreite der möglichen "Haustiere" abdecken. Allerdings erhält man für die Sekundärklassen nicht alle Fertigkeiten, die ihnen als Primärklasse zur Verfügung stehen. Jeder Spieler darf vier verschiedene Helden haben.

Fertigkeiten gibt es mal als Belohnung für eine Mission, mal müssen sie von Trainern gekauft werden. Aus dem Sammelsurium der vom Helden erlernten Fertigkeiten gilt es, in den Städten oder Außenposten acht Stück auszuwählen. Die Fertigkeiten lassen sich durch Stufenaufstieg verbessern, indem die zur Verfügung stehenden Punkte an zu Grunde liegende Fertigkeitsarten wie Angriff, Vorbereitung, Schrei und Zauber verteilt werden.

Interessant wird die kombinierte Nutzung der verschiedenen Fertigkeiten beider Charakterklassen, hier können sich Strategen ihre bevorzugte Angriffs- und Verteidigungsmethode herausarbeiten. Zudem profitieren die physischen oder magischen Fertigkeiten von unterschiedlichen Attributen, an die beim Level-Anstieg ebenfalls Punkte verteilt werden können. "Verskillen", also die falschen Fertigkeiten zu verbessern, ist bei Guild Wars kein Thema – der Spieler kann auch im Nachhinein alles problemlos ändern.

Gekämpft wird hingegen wieder wie bei anderen Online-Rollenspielen: Der Gegner wird angewählt und die gewünschten Fertigkeits-Buttons gedrückt. Der eigene Charakter greift, sofern die Ausdauer für bestimmte Fertigkeiten mal nicht ausreicht, mit seinem Standardangriff an. Beißt man im Spiel mal ins Gras, wird man am nächsten Schrein wiederbelebt und erhält einen mit jedem Tod weiter anwachsenden Malus, der nur solange bestehen bleibt, bis eine Mission abgeschlossen oder abgebrochen wurde.

Sind die Abzüge nicht zu stark, können sie auch durch gewonnene Erfahrungspunkte abgebaut werden. Für erfolgreiche Kämpfe innerhalb einer Mission gibt es auch kleine Boni. Gegner tauchen in Guild Wars nicht einfach wieder auf – wurden sie umgelegt, bleiben sie in der Instanz in der Regel auch erst einmal verschwunden, was die Welt etwas glaubwürdiger macht, als wenn aus dem Nichts ständig neue Gegner auftauchen.

Die Bewegung durch die Welt erfolgt entweder per Tastatur und Maus oder auch nur per Maus. Der eigene Held bewegt sich sowohl durch Tastendruck als auch durch Klicken in die Landschaft in die gewünschte Richtung. Auch wenn man sich recht schnell daran gewöhnt, ist es leider nicht möglich, Hänge zu erklimmen oder Abhänge herunterzuspringen, andere Spiele bieten hier mehr Bewegungsfreiheit.

Durch Missionen und Entdeckerdrang finden sich im Verlauf des Spiels weitere Städte und Außenposten, die per Klick auf die Landkarte direkt angesprungen werden können, während ansonsten eine durch Gegner gespickte gefährliche Reise durch die Landschaft angetreten werden muss. Die eigenen Instanzen für einzelne Spieler bzw. Gruppen können hierbei auch zum Nachteil werden: Man trifft in der Wildnis nicht auf Mitspieler, die nicht bereits in der eigenen Gruppe mit von der Partie sind. Auf Rettung in letzter Sekunde braucht also nicht gehofft zu werden.

Gefechte zwischen Spielern sind zwischen zwei oder mehr Vierer-Gruppen oder Achter-Gruppen in Form von Turnierkämpfen möglich. Für Spieler-gegen-Spieler-Wettstreitigkeiten gibt es Arenen, Gildenhallenkämpfe und Turnierspiele, für die Teams aus Gildenmitgliedern oder anderen gerade verfügbaren Spielern gebildet werden können. Im Turnierkampf "Welten im Krieg" können Spieler aus den verschiedenen geographischen Regionen gegeneinander antreten und diese zum Ruhm führen – im Spiel gibt es dann auch oft die Nachricht, dass gerade Korea, Nordamerika oder Europa vorne liegt.

Wer in anderen Rollenspielen viel Zeit für das Erstellen von Gegenständen und den Bau von eigenen Gebäuden investiert, der wird mit Guild Wars beim derzeitigen Entwicklungsstand nicht glücklich. Zwar gibt es viele interessante Schätze zu entdecken, doch Helden können – anders als bei World of Warcraft – nicht mit eigenen Produkten berühmt werden. Es können lediglich Rohstoffe gesammelt, Gegenstände in ihre Bestandteile zerlegt und schließlich gegen Geld von NPC-Handwerkern zu festgelegten Waffen oder Rüstungen verarbeitet werden. Ob eine spätere Erweiterung auch etwas für "Crafter" bieten wird, bleibt abzuwarten. Geplante Erweiterungen des Spiels beinhalten ein noch fehlendes Auktionssystem – bisher kann nur direkt verkauft werden – und einen Beobachtermodus für die Spielerwettkämpfe.

Grafisch ist Guild Wars gut gelungen und muss sich mit seinem ganz eigenen Stil hinter World of Warcraft nicht verstecken. Jede der Charakterklassen hat zwar ihre eigene Körperstatur, lässt sich aber in Geschlecht, Größe, Haar- und Hautfarbe sowie Gesichtzügen recht gut individualisieren, auch wenn es überschaubar viele Möglichkeiten zur Modifikation gibt. Beim Sound ist das Spiel ebenso wie bei der Grafik recht stimmungsvoll.

Zum Spielen empfehlen ArenaNet und Publisher NCSoft einen Windows-Rechner ab 1-GHz-Pentium III, 512 MByte RAM, Radeon 9000/GeForce 4 Ti mit 64 MByte, allerdings sollte dann eher in niedriger Auflösung und mit geringer Detailstufe gespielt werden. Sinnvoller sind schnelle Athlon 64 oder Pentium-CPUs sowie DirectX-9-Grafikkarten. Ein DVD-Laufwerk ist nicht nötig, Guild Wars installiert sich von zwei CDs. Erwirbt man nur einen Key über das Internet, installiert sich das Spiel mittels kleinem Installer dank AreaNets gelungener Streaming-Technik zügig auf die Festplatte – Inhalte werden dabei erst heruntergeladen, wenn sie auch benötigt werden. Die gleiche, rasante Technik setzt AreaNet für Client-Updates ein und zeigt damit Blizzard, wie man es besser macht.

Das am 28. April 2005 auch in einer Sonderedition in den Handel gekommene und mittlerweile durch mehrere Patches verbesserte Guild Wars ist das erste Kapitel der Geschichte. Zur Veröffentlichung erschien das Spiel auch in Deutsch. In Zukunft sollen weitere Kapitel erscheinen, die einzeln verkauft werden und Zugang zu neuen Regionen der Welt, neuen Fertigkeiten, Fähigkeiten, Gegenständen, Klassen und Weiteres bieten – so können in Zukunft nicht nur Menschen gespielt werden.

Die Entwickler vergleichen das Fertigkeitssystem deshalb mit dem Sammelkartenspiel "Magic: The Gathering": "Je mehr Karten Ihr besitzt, desto mehr verschiedene Spieldecks könnt Ihr im Spiel auswählen. Wenn Ihr neue Kapitel von Guild Wars erwerbt, erhaltet Ihr eine größere Auswahl an Fertigkeiten und Fähigkeiten, aus denen Ihr Euren Fertigkeitssatz zusammenstellen könnt." Der Vergleich mit Magic ist allerdings doch etwas unpassend, wenn gleichzeitig versprochen wird, dass man mit den Erweiterungen nicht mehr Macht erhält. Hier bleibt abzuwarten, wie gut die Spielbalance zwischen Spielern mit unterschiedlichen Kapiteln austariert wird.

Wie viele Kapitel pro Jahr geplant sind, wurde noch nicht bekannt gegeben, preislich werden sie wohl ebenso viel kosten wie das jetzige Guild Wars. Dafür gibt es aber keine monatlichen Kosten und zwischenzeitliche kostenlose Updates des Spiels. "Außerdem wird der Kauf neuer Kapitel natürlich die weitere Entwicklung des Spiels unterstützen" , heißt es in der FAQ zum Spiel.

Guild Wars ist bisher für Windows-PCs erschienen und kostet rund 40,- Euro bzw. in der Sammleredition mit leuchtendem Helden und einigem Zubehör rund 70,- Euro. Alternativ kann es online über PlayNC.com(öffnet im neuen Fenster) erworben werden. Versionen für MacOS X und Linux scheinen die Entwickler nicht abgeneigt zu sein, doch bisher wurden keine konkreten Pläne zur Umsetzung verkündet.

Fazit:
Guild Wars ist ein harter Konkurrent, aber kein World-of-Warcraft-Killer. Das grafisch schöne Online-Rollenspiel bietet seinen ganz eigenen und sehr gut gelungenen Mix aus Abenteuern, Charakteraufbau-Strategie und Kämpfen auch zwischen Spielern und Gilden. Wer jedoch hofft, in Guild Wars ähnlich wie in World of Warcraft selbst Gegenstände zu schaffen oder wie in Dark Age of Camelot Häuser bauen zu können, der wird in Guild Wars nur ein zeitweiliges Zuhause finden. Doch anders als die Konkurrenz ist Guild Wars auch dafür gut positioniert – man kann jederzeit wieder ins Spiel hinein, da keine monatlichen Gebühren bezahlt werden müssen. Dass Guild Wars vom Spielprinzip mitunter etwas an eine Mixtur aus Online-Rollenspiel und Diablo erinnert, verwundert mit Blick auf die Ex-Blizzard-Mitarbeiter von ArenaNet nicht.


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