PC-Titel von Atari mit zahllosen Programmfehlern. Groß waren die Erwartungen an Boiling Point von Atari – was vor allem daran lag, dass der Publisher für diesen Shooter völlige Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit, High-End-Optik und eine riesige Spielwelt mit einer Fläche von 25 x 25 km versprach. Das fertige Produkt hat mit diesen großspurigen Ankündigungen allerdings nur begrenzt etwas zu tun.
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In der Rolle des Soldaten Saul Meyers kämpft man im Dschungel Südamerikas um das Leben der eigenen Tochter und hat – wie es so oft und so schön heißt – nichts mehr zu verlieren. Die eigene Familie ist bedroht, die Tochter nach einem Disput mit dem örtlichen Mafia-Boss verschollen und die klimatischen Verhältnisse sorgen auch nicht gerade für gute Stimmung. Beste Voraussetzungen für einen spannenden Action-Thriller. Zumindest in der Theorie.
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Praktisch ist man bei Boiling Point erst einmal damit beschäftigt, das Spiel überhaupt zum Laufen zu bewegen. Ist das geschafft, geht es allerdings weiter mit den Problemen – angefangen bei massiven Sound- und Grafik-Fehlern über grobe KI-Mängel bis hin zu einigen anderen Ungereimtheiten. Das dürfte den meisten Käufern gleich zu Beginn jegliche Motivation nehmen, das Ganze überhaupt weiter zu verfolgen. Immerhin gibt es mittlerweile aber einen ersten, gleich satte 75 MB großen Patch(öffnet im neuen Fenster), der zumindest die gröbsten Probleme behebt.
Keine Frage, spielerisch sind einige gute Ansätze vorhanden. So gibt es im Dschungel-Szenario gleich einige unterschiedliche Fraktionen, die sich gegenseitig bekämpfen oder auch mal unterstützen. Als Spieler hat man dabei durchaus die Wahl, dem amerikanischen Geheimdienst, der Polizei oder auch den Dschungel-Einwohnern einen Gefallen zu tun und sich so Vertrauen und Unterstützung zu erarbeiten. Die jeweils unterschiedlichen Missionen sorgen da für einige Abwechslung und bringen einen stückweise der Lösung des Rätsels näher – auch wenn es meist immer nur darum geht, an Punkt X zu gelangen, um dort Person Y auszuschalten. Hinzu kommen unterschiedliche Waffen, Ausrüstungsgegenstände sowie diverse Fahrzeuge, etwa Helikopter, Flugzeuge und Boote, deren Steuerung erst nach und nach vollkommen erlernt werden will und die mit einer Verbesserung der eigenen Charakterwerte immer einfacher von der Hand geht – kein Wunder also, dass immer wieder der Vergleich zu GTA gezogen wird.
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Gerade im Vergleich mit GTA wird dennoch umso mehr offenbar, was Boiling Point fehlt. So ist die Story zwar prinzipiell interessant, immer wieder aber auch so wirr, dass sich keine durchgehende Spannung einstellen will. Die Areale sind zwar wirklich riesig, allerdings stellenweise auch vollkommen unbevölkert und leer. Die Computer-Gegner agieren öfter unnachvollziehbar seltsam, die Gefechte sind immer wieder eine Farce und nicht selten kommt es vor, dass Autofahrer ihr Fahrzeug gegen einen Baum setzen und dann auch nicht in der Lage sind, diese "Problem" zu korrigieren. Von der Fahrzeugsteuerung sollte man gar nicht erst reden – die ist wirklich nur etwas für Frust-resistente Spieler
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Noch ein paar Worte zur Technik – denn auch hier wirkt Boiling Point einfach unfertig. Die Hardware-Anforderungen sind gigantisch hoch – ohne 3-GHz-Prozessor und Top-Grafikkarte gibt es wenig Aussicht auf ein ruckelfreies Spiel. Wofür diese Rechenleistung gebraucht wird, will allerdings nicht so recht einleuchten – von der optischen Klasse eines Half-Life 2 oder Far Cry ist Boiling Point weit entfernt. Ebenso wenig bringt einem das viel angepriesene Fehlen von Nachladepausen – im Gegenzug werden nämlich mindestens 1 GByte RAM verlangt.
Boiling Point ist exklusiv für PC im Handel erhältlich und kostet etwa 40,- Euro. Die USK-Freigabe liegt bei 16 Jahren.
Fazit: Boiling Point hätte ein tolles Spiel werden können – praktisch ein GTA im Dschungel mit zahlreichen Shooter- und Rollenspielelementen. Das fertige Produkt wirkt allerdings unfertig, unausgegoren und einfach lieblos zusammengeschustert – daran ändert auch der erste und unbedingt benötigte Patch nur wenig. Im direkten Vergleich zur praktisch zeitgleich erscheinenden PC-Version von GTA: San Andreas hat Boiling Point somit nicht den Hauch einer Chance.