Plextor-Mutter droht Open-Source-Entwicklern (Update)
PxScan und PxLinux beherrschen einige Funktionen der Windows-Software Plextools Professional, die der Hersteller Plextor seinen Laufwerken mitliefert. Das unter die Open-Source-Lizenz GPL gestellte Windows-Tool PxScan kann nach dem Brennen einige Medientests – C1/C2, PIE, PIF, Jitter/Beta und TA – auf den Plextor-Laufwerken Plextor PX716, PX712 und Premium durchführen. Zeb portierte PxScan auf Linux und nannte das Projekt PxLinux.
Die Plextor-Mutter wirft den privaten Entwicklern vor, die Funktionen der Plextools per Reverse Engineering unerlaubt kopiert und mit ihrer eigenen Software unerlaubt vervielfältigt zu haben. Damit seien die Urheberrechte in Verbindung mit geschützten Schnittstellen sowie die Marke des Unternehmens verletzt worden. Unlauter sei zudem der Vergleich von PxScan mit den Plextools und die Darstellung, dass es sich um eine volle Alternative zu den PlexTools handle.
Den Anschuldigungen widersprach ein sichtlich von Plextor/Shinano Kenshi angewiderter Zeb im CDFreaks.com-Forum(öffnet im neuen Fenster). Als ein PX716A-Käufer und Linux-Nutzer wolle er die gleichen Funktionen wie Windows-Nutzer erhalten, zumal er den gleichen Preis bezahlt habe, ziele aber nicht darauf ab, Plextor in irgendeiner Hinsicht zu schädigen. Zum einen sei das Projekt nicht kommerziell, zum anderen würden Plextor-Laufwerke damit attraktiver für Linux-Nutzer. Weder er noch Alexander Noe hätten die Software von Plextor kopiert, man habe lediglich die Laufwerkskommunikation über das bekannte MMC3-SCSI-kompatible Standard-Interface beobachtet und eigene Software geschrieben. Entsprechend sei man sich keiner Schuld bewusst.
Der in Deutschland lebende PxScan-Entwickler Noe erklärte zudem im CDRLabs.com-Forum(öffnet im neuen Fenster), dass das Reverse Engineering von Schnittstellen ohne Dekompilieren von Software explizit durch das deutsche Urheberrecht erlaubt sei. "[...] Und das betrifft mich, da ich Deutscher bin, ich in Deutschland lebe und meine Tools über eine deutsche Website anbiete, genauer gesagt auf dem Webspace den meine Universität jedem ihrer Studenten kostenlos gibt", so Noe. Zudem habe Eric Fernandez mit der Portierung von PxScan auf Linux kein Reverse-Engineering betrieben – so dass er, egal welches Urheberrecht für ihn gelten möge, nicht dafür verantwortlich gemacht werden könnte.
Auf Nachfrage von Golem.de bestätigte Alexander Noe, dass man ihm einen Verstoß gegen die EULA, illegales Reverse-Engineering, einen Verstoß an den Rechten der Interfaces von Shinano und an den Warenzeichen des Unternehmens vorwerfe. Ernst nimmt er die für ihn haltlosen Anschuldigungen nicht: "Ich sehe momentan keinen Handlungsbedarf meinerseits", so Noe. Die ersten Reverse-Engineering-Vorwürfe seitens Plextor gegen PxLinux tauchten Noe zufolge schon Anfang 2005 auf – schon damals zeigte er sich nicht beeindruckt(öffnet im neuen Fenster).
Zeb kündigte bereits an, sich mit Plextor in Verbindung setzen zu wollen. Golem.de selbst hat auf Nachfragen sowohl bei Shinano Kenshi als auch bei Plextor bisher keine Antwort bekommen. Derweil bemüht sich die Anwaltskanzlei der Plextor-Mutter darum, die beiden Entwickler mundtot zu machen: Die Betreiber von CDRLabs.com(öffnet im neuen Fenster), in deren Forum die Aktion des Herstellers sehr negativ aufgenommen wurde und noch diskutiert wird, erhielt eigenen Angaben zufolge von der Kanzlei die Aufforderung, Alexander Noe und Eric Fernandez die "Bewerbung" ihrer Tools nicht mehr zu erlauben. CDRLabs solle garantieren, alles dafür zu tun, dass Plextors Rechte in Zukunft nicht mehr verletzt würden.
Plextor Europe hat – recht passend zum Streit um die freien Tools – zum 1. Juni 2005 mit den PlexTools Professional XL 3.02 eine neue Version ihrer mittlerweile kostenpflichtigen Software vorgestellt. Die Version 3.02 soll bei den Funktionen AudioCD Maker, Disc Maker und Disc Copy mit einer neuen automatischen Medienüberprüfung aufwarten. Dabei wird das Medium vor und nach dem Brennen getestet. PlexTools Professional XL 3.02 soll ab Juni 2005 für 39,- Euro erhältlich sein, zwei Jahre (ab Kaufdatum) kostenlose Updates inbegriffen. Eine 14-Tage-Testversion wird auch geboten.



