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ATI Crossfire: SLI-Konkurrent mit Zusatznutzen

Auch ATI-Grafikkarten können nun im Verbund rendern. Im Rahmen der derzeit im taiwanesischen Taipeh stattfindenden Computex hat ATI seine Antwort auf Nvidias SLI-Konzept vorgelegt. Crossfire benötigt ein neues Mainboard und eine neue Grafikkarte – ältere Radeon-Karten lassen sich jedoch als zweite Grafikkarte zwecks Leistungssteigerung nutzen. Zudem sollen alle Anwendungen ohne besondere Einstellungen von der erhöhten Grafikleistung profitieren.
/ Christian Klaß
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Damit unterscheidet sich Crossfire schon bei der nötigen Hardware von SLI. Bei der Nvidia-Lösung sind zwei als SLI-tauglich gekennzeichnete Grafikkarten erforderlich. Bei ATI muss es nur eine Crossfire-fähige Karte sein, bei der zweiten Karte ist das nicht der Fall. Beim Mainboard-Chipsatz ist man jedoch bisher an die neue Version des Xpress 200 von ATI gebunden, der nun als "Crossfire Edition" angeboten wird. Er steht für Athlon64- und Pentium-4-CPUs sowie den neuen Pentium D zur Verfügung. Für Nvidias SLI ist mangels Treiber-Unterstützung für andere Chipsätze bisher auch noch ein Mainboard mit Nforce 4 SLI nötig.

Auf den Crossfire-Boards finden zwei x16-Slots für PCI-Express-Grafikkarten Platz. Sind zwei Karten im Einsatz, wird jeder Slot mit acht PCIe-Lanes versorgt, im Einzelbetrieb kann die Grafikkarte auch mit allen 16 Lanes arbeiten. Dazu kommt eine der neuen Crossfire-Karten, die mit einem Radeon X850 oder X800 angeboten werden sollen. Der Clou ist jedoch, dass auch eine bisherige X800 oder X850 mit Crossfire arbeiten kann – jeweils mit dem gleichen Chiptyp. Wer also schon eine X800 (gleich welcher Ausführung, ob XT, XT PE oder Pro) besitzt, braucht für Crossfire eine X800-Crossfire-Ausgabe.

Damit dieses Konzept auch mit älteren X800/X850-Karten funktioniert, werden die Grafikkarten nicht wie bei SLI über eine Steckbrücke auf der Oberseite der Boards verbunden. Sie synchronisieren ihre Arbeiten vielmehr über ein externes Kabel, das in die DVI-Ports der beiden Grafikkarten gesteckt wird. Das erinnert optisch an den Urvater des verteilten Rechnens mit zwei Grafikkarten: die Voodoo-Serie von 3dfx. Abgesehen davon, dass 3dfx ironischerweise von Nvidia aufgekauft wurde, existiert jedoch ein wichtiger Unterschied: Damals wurde das Analogsignal der Karten durchgeschleift, bei Crossfire reisen die Daten jedoch digital und verlustfrei.

Bei der Lastverteilung zwischen zwei Karten arbeitet Crossfire wie Nvidias SLI entweder mit "Alternate Frame Rendering" (AFR) oder "Split Frame Rendering" (SFR). Bei Ersterem werden die einzelnen Frames abwechselnd berechnet: eine Karte für die geradzahligen, eine für die ungeradzahligen Frames. Beim SFR rechnet jede Karte nur einen Teil des Frames, das Bild wird also horizontal zwischen Karten aufgeteilt, was aber nicht sichtbar ist. Crossfire kennt noch einen zusätzlichen Modus, den ATI als "SuperTiling" bezeichnet. Dabei wird die darzustellende Szene schachbrettartig in Kacheln (Tiles) aufgeteilt.

Im Unterschied zu SLI soll bei Crossfire der Treiber den optimalen Modus der Bildaufteilung selbst auswählen. Das Einstellen von Profilen ist laut ATI, anders als bei SLI, bei Crossfire nicht nötig. Dadurch sollen alle Anwendungen mit beiden Karten laufen können. Wie ATI das gelöst hat, verrät das Unternehmen noch nicht. Immerhin legte das Unternehmen auch schon eigene Benchmarks mit älteren Titeln wie UT2003, Return to Castle Wolfenstein und Splinter Cell vor, die zum Teil deutliche Beschleunigungen erhalten sollen. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass sich auch Nvidias SLI für nicht direkt vom Hersteller unterstützte Titel freischalten lässt. Dieser Aufwand entfällt bei Crossfire.

Gerade bei älteren Programmen ist jedoch eine weitere Beschleunigung oft nicht mehr sinnvoll – 100 oder 200 Frames machen für den Bildeindruck keinen Unterschied mehr. Statt des verteilten Rechnens kann man mit Crossfire die Mehrleistung dann für eine erweiterte Kantenglättung nutzen, bei ATI "Super Antialiasing" genannt. Die beiden Karten arbeiten dabei mit einem unterschiedlichen Pixelzentrum. Die so gerenderten Bilder werden vor der Ausgabe wieder zusammengesetzt. Da ATI das eigentliche Antialiasing mit dem Supersampling zusammenrechnet, kommt das Unternehmen bei seiner Zählweise marketinggerecht auf effektiv 12x- oder 14x-Antialiasing.

Insgesamt wirkt ATIs Lösung auf dem Papier zunächst viel flexibler als SLI – was bei einer Markteinführung sechs Monate nach SLI wohl auch nötig ist. Ob wirklich alle älteren X800- und X850-Karten mit den neuen Crossfire-Produkten laufen, muss sich noch zeigen – und vor allem, ob und wie weit wirklich alle Programme beschleunigt werden können. Ein entscheidender Vorteil ist jedoch der Verzicht auf eine interne Verbindung. Damit könnte Crossfire in Zukunft auch mit offiziellem ATI-Support auf anderen Chipsätzen laufen. Gebunden ist das Konzept ja an die neuen Crossfire-Grafikkarten, welche die Verwaltung übernehmen. [von Nico Ernst]


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