Powerline: Keine Lösung für die letzte Meile
In Europa soll die so genannte Powerline-Kommunikation (PLC), die Datenübertragung auf dem herkömmlichen Stromnetz also, als alternative Zugangstechnik zu den verbreiteten DSL-Techniken (z.B. ADSL) etabliert werden. Gleichzeitig soll die Verbreitung des neuen Internetprotokolls IPv6 vorangetrieben werden. Hierzu hat die EU ein Forschungsprojekt lanciert, an dem auch die FHBB mit den Abteilungen Informatik und Elektrotechnik beteiligt war. Von einer Alternativtechnik verspricht sich die EU mehr Wettbewerb bei den Internetzugängen, attraktivere Preise für die Endkunden und eine größere Verbreitung von breitbandigen Internetzugängen.
Der Auftrag an die Fachhochschule beider Basel bestand in der Entwicklung von Mechanismen, um via Stromnetz Sprach- und Videodaten optimal zu übertragen. Sowohl Sprache als auch bewegte Bilder reagieren sensibel auf große Übertragungsverzögerungen. Die entwickelten Mechanismen sollen Multimediadaten erkennen und diese zum Beispiel gegenüber E-Mails prioritär behandeln.
Aus diesem EU-Projekt wurde mit Unterstützung der Kommission für Technik und Innovation (KTI) des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) ein Folgeprojekt ins Leben gerufen. Hierbei wurde untersucht, ob es Powerline Energieanbietern erlaubt, ihren Kunden über die vorhandenen Stromleitungen Datendienste anzubieten.
Die Datenübertragung wurde auf dem IWB-Netz getestet. Im Basler Gundeldingerquartier wurde die Datenübertragung zwischen einer Trafostation der IWB und verschiedenen Wohnhäusern untersucht. Die verwendeten PLC-Prozessoren stammten vom spanischen Hersteller DS2 (PLC 45 MB, erste Generation, nicht zu vergleichen mit der neuen 200-MByte-Generation), der seine Powerline-Technik sowohl für den Heimgebrauch als auch für den so genannten Access-Einsatz vorsieht.
Beim Test wurden Datensignal und Datenübertragungseigenschaften gemessen. Die Bedingungen auf einem Stromnetz sind aber sehr unterschiedlich und schwierig vorauszusehen; für die Übertragung von Daten sind das schlechte Voraussetzungen. Als Alternative wurde die Powerline-Technik im Heimeinsatz untersucht. Dabei können private Computer miteinander über das heimische Stromnetz verbunden werden. Weitere Messungen ergaben, dass die Powerline Communication für den hausinternen Gebrauch gute Dienste leistet.
Die Powerline-Technik, zumindest nach Machart des spanischen Herstellers DS2, bietet nach Ansicht der Forscher momentan keine Option, um die so genannte "letzte Meile" zum Kunden zu überbrücken. Für den Heimeinsatz hingegen ist die Powerline Communication den Ergebnissen zufolge eine gute Alternative zu der viel verkauften W-LAN-Technik. Gerade in Gebäuden mit dicken Wänden oder mit mehreren Stockwerken ist mit Powerline unter Umständen die größere Strecke überbrückbar, so das Fazit.
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