Angetestet: PalmOS-Gerät LifeDrive mit 4-GByte-Festplatte
Neues palmOne-Modell mit WLAN, Bluetooth und hochauflösendem Display. Nun ist es offiziell: palmOne stellt mit dem LifeDrive eine neue Geräteklasse vor, die sich durch eine eingebaute Festplatte auszeichnet. Das erste LifeDrive-Modell ist mit einer 4-GByte-Festplatte sowie mit WLAN, Bluetooth und einem hochauflösenden Display versehen. Besonderes Augenmerk lenkt palmOne auf die Festplatte, um die eigene Musiksammlung, Urlaubsfotos sowie wichtige Office-Dokumente ständig dabeihaben zu können.
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Seit mehreren Wochen schon verdichteten sich die Gerüchte zu einem neuen palmOne-Gerät, das zu Beginn unter dem Titel Tungsten X durch das Internet geisterte und nun als LifeDrive auf den Markt kommt. Es hatte sich bereits abgezeichnet, dass palmOne mit dem LifeDrive – wie das Unternehmen bereits vor einigen Tagen mitteilte – eine neue Produktkategorie einführen wird. Denn im LifeDrive steckt – im Unterschied zu normalen PDAs – eine Festplatte, um so möglichst viele Daten auch ohne den Einsatz von Speicherkarten bei sich haben zu können. Nach palmOne-Lesart eröffnet das LifeDrive die Kategorie "Mobile Manager" parallel zu der PDA- und Smartphone-Reihe des Unternehmens.
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Das besondere Augenmerk im LifeDrive gilt der eingebauten Festplatte, bei der es sich um ein Microdrive von Hitachi mit einer Kapazität von 4 GByte handelt. Davon stehen dem Nutzer 3,85 GByte an Speicherplatz zur Verfügung, da sich eine Reihe von Anwendungen auf der Festplatte befinden und auch von dort gestartet werden, die bei PalmOS-Geräten üblicherweise im ROM-Speicher liegen und sonst von dort aufgerufen werden. Somit dauert der Start von Applikationen auf dem LifeDrive auch etwas länger als man es von anderen aktuellen PalmOS-Geräten gewohnt ist. Zwar kommt es nicht zu unerträglichen Wartezeiten, aber einige Sekunden können schon vergehen, bis umfangreichere Applikationen einsatzbereit sind. Hier sind Nutzer anderer PalmOS-Geräte verwöhnt, Applikationen unmittelbar nach dem Aufruf auf dem Display zu haben.
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Ergänzend zu der Festplatte legt palmOne dem LifeDrive Windows-Software bei, die einen besonders einfachen Datenabgleich bringen soll. So sollen sich komplette Verzeichnisse leicht zwischen PC und mobilem Gerät synchronisieren lassen, wobei sich Dateien gezielt festlegen lassen, die bei jedem Synchronisationsvorgang abgeglichen werden. Das als "intelligente Dateiverwaltung" bezeichnete Konzept sorgt dafür, dass bei Versionskonflikten Sicherungskopien der Dateien angelegt werden, um so ein unerwünschtes Überschreiben zu verhindern. Natürlich lässt sich die Festplatte auch als normales Wechsellaufwerk ansprechen, um Daten per Drag-and-Drop auf die Festplatte zu kopieren oder von dieser auf den PC zu übertragen, was dann nicht nur unter Windows, sondern auch auf anderen Betriebssystemen möglich ist. Der Datenabgleich per Kabel geschieht per USB 2.0.
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Die eingebaute Festplatte soll dazu dienen, die eigene CD-Sammlung in digitaler Form oder seine digitalen Fotoalben bei sich zu haben. Aber auch wichtige Office-Dokumente sollen so immer zur Verfügung stehen und auch die Mitnahme von Videodaten ist möglich. Auch wenn der Speicher von 4 GByte für einen PDA enorm erscheint, so stößt man in der Praxis leicht an die Festplattengrenzen: Denn hochauflösende Fotos oder umfangreiche MP3-Sammlungen füllen schnell die 4-GByte-Festplatte, was erst recht für Speicher verschlingende Videodaten gilt. Somit bleibt man also auch beim LifeDrive nicht davon verschont, genau zu überlegen, welche Daten man unterwegs dabeihaben möchte und auf welche man besser verzichtet. Über den integrierten SD-Card-Steckplatz kann weiterer Speicher nachgerüstet werden oder man kann Funktionserweiterungen vornehmen, da SDIO unterstützt wird.
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Im LifeDrive steckt ein transflektives TFT-Display mit einer Auflösung von 480 x 320 Pixeln bei maximal 65.536 Farben. Nach Aussage von palmOne wurde die Display-Qualität gegenüber dem Tungsten T5 verbessert, was durch eine um 40 Prozent erhöhte Helligkeit und eine um 35 Prozent gesteigerte Farbbrillanz erreicht wurde. Auch wenn sich die Werte bei Begutachtung des Gerätes nicht überprüfen ließen, so vermittelt das Display einen guten Eindruck und zeigt etwa Fotos in guter Qualität, was zumindest für den Einsatz in Innenräumen gilt.
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Unter direkter Sonneneinstrahlung verblasst der gute Eindruck dann ein wenig, weil sich die Informationen im direkten Vergleich zum Treo 650 weniger gut ablesen lassen – hier punktet die starke Display-Helligkeit vom Treo 650. Die Display-Ausrichtung vom LifeDrive kann über einen Knopfdruck bequem verändert werden, um den Inhalt wahlweise im Hoch- oder Querformat zu betrachten. Texteingaben sind über ein einblendbares Soft-Graffiti-Feld per Graffiti 2 oder über die Bildschirmtastatur möglich.
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Zu den weiteren technischen Details des LifeDrive gehören 64 MByte nicht flüchtiger RAM, wie er auch im Tungsten T5 oder im Treo 650 zu finden ist. Als Prozessor steckt in dem Neuling ein mit 416 MHz getakteter XScale-Prozessor von Intel. Damit hat das LifeDrive eigentlich genug Rechenkraft, um im Hintergrund MP3-Daten abspielen zu können, während man beliebige Applikationen im Vordergrund nutzen kann. Hier erweist sich aber anscheinend die Festplatte als Bremsklotz, denn immer wieder kommt es zum Aussetzen, wenn bei der Musikwiedergabe Applikationen geladen werden.
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Durch den Einsatz von PalmOS 5.4 Garnet haben sich endgültig alle Hoffnungen zerstreut, dass es sich bei der neuen Geräteklasse um das erste Modell mit PalmOS Cobalt alias PalmOS 6 handeln könnte. Es wird also noch dauern, bis das erste Gerät auf Basis von PalmOS Cobalt das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Das Betriebssystem vom LifeDrive soll in einem 16-MByte-ROM-Baustein stecken und umfasst die üblichen Applikationen des Betriebssystems, wozu auch der verbesserte Kalender gehört. Im Adressbuch können Kontakten Fotos zugeordnet werden, um diese am Konterfei zu erkennen.
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Auf dem Gerät sind außerdem der Web-Browser Blazer 4.1 von palmOne und der E-Mail-Client VersaMail 3.1 integriert, um damit entweder über WLAN 802.11b oder Bluetooth 1.1 bequem ins Internet gehen zu können. Zudem können Daten drahtlos über die eingebaute Infrarotschnittstelle übermittelt werden. Mit einem an der oberen linken Seite befindlichen Knopf lassen sich Sprachnotizen über das eingebaute Mikrofon aufzeichnen. Für die Musikwiedergabe dient der eingebaute Lautsprecher oder es können beliebige Kopfhörer an die 3,5-mm-Buchse angeschlossen werden – ein Kopfhörer gehört allerdings nicht zum Lieferumfang.
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Durch die Beigabe von Documents To Go 7 lassen sich Word-, Excel- und PowerPoint-Daten ohne Konvertierung direkt auf dem Gerät betrachten. Word- und Excel-Daten können sogar bearbeitet werden. Leider lassen sich PDF-Dateien damit erst nach einer Konvertierung an einem PC auf dem mobilen Begleiter lesen, so dass diese auf dem LifeDrive nicht ohne weiteres betrachtet werden können. Außerdem liegt dem Gerät die Musikwiedergabe-Software Pocket Tunes bei und man erhält eine Bildbetrachtungssoftware mit Diashow-Funktionen.
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Das 121 x 73 x 19 mm messende Kunststoffgehäuse beherbergt unter dem Display den mittlerweile bei palmOne-Geräten üblichen 5-Wege-Navigator sowie vier Schnellstartknöpfe, um bestimmte Funktionen leicht aufrufen zu können. In der Standard-Konfiguration ruft man darüber die Medienverwaltung, den Programmstarter, den Dateimanager oder die Favoriten auf. Sehr schön: Mit einem am Gerät befindlichen Hold-Schalter werden die Knöpfe deaktiviert, um das versehentliche Anschalten des Displays etwa bei der MP3-Wiedergabe zu verhindern, was kostbaren Akkustrom spart.
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Der fest eingebaute Lithium-Ionen-Polymer-Akku sorgt dafür, dass das LifeDrive auf ein Gewicht von leichten 193 Gramm kommt. Der Hersteller verspricht, dass man bei WLAN-Nutzung und MP3-Wiedergabe auf eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 2,5 Tagen kommt. Dieser Wert scheint dann allerdings sehr optimistisch zu sein. Nach Testberichten aus den USA ist der Akku bereits nach knapp 3 Stunden kontinuierlicher WLAN-Nutzung am Ende, ohne dass die MP3-Wiedergabe dabei läuft. Mit gelegentlicher WLAN-Nutzung, MP3-Wiedergabe und moderaten Festplattenaktivitäten muss der Akku nach etwas über 3 Stunden wieder geladen werden. Bei deaktiviertem Display und ohne WLAN-Nutzung kann man Musik am Stück lediglich etwas über 4 Stunden genießen. Bei häufiger WLAN-Nutzung, intensiver Festplattenaktivität und gekoppelt mit Musikwiedergabe sinkt die kontinuierliche Nutzungsdauer auf weniger als 1,5 Stunden.
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Das LifeDrive soll ab sofort zum Preis von 499,- Euro im Handel zu finden sein. Zum Lieferumfang gehören eine Schutztasche und ein USB-Synchronisationskabel; eine USB-Dockingstation liegt nicht bei. Für die Verbindung zum Rechner besitzt das LifeDrive den vom Tungsten T5 oder Treo 650 bekannten Anschluss Multi-Connector. Auf einer beiliegenden CD befindet sich der Palm Desktop in aktueller Version sowie eine Reihe weiterer Applikationen.
Fazit: Für PDA-Fans und Technik-Freaks ist das LifeDrive ein hübsches Schmankerl, um möglichst viele Daten ständig bei sich haben zu können. So ist es durchaus nett, eine umfangreiche Musiksammlung dabeizuhaben und seine Lieblingsfotos auf einem ansprechendem Display präsentieren zu können. Enttäuschend sind dann aber die Akkulaufzeiten, damit das LifeDrive als würdiger Ersatz für einen normalen Festplatten-MP3-Player dienen kann.
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Auch als Notebook-Ersatz taugt das LifeDrive nicht, auch wenn man Office-Dokumente damit verwenden kann. Aufwendigere Bearbeitungen machen weder mit dem Graffiti-Feld noch über die Soft-Tastatur Vergnügen, so dass man für einen solchen Einsatzzweck nicht um die Anschaffung einer externen Tastatur herumkommt. Für den mobilen Internetzugang stehen WLAN sowie Bluetooth bereit und der mitgelieferte Web-Browser kann viele Informationen auf dem hochauflösenden Display darstellen, allerdings lässt auch hier die WLAN-Dauer durch die schwache Akkukapazität zu wünschen übrig.
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Auch wenn das LifeDrive quasi als eierlegende Wollmilchsau daherkommt, zeigen sich doch einige Schwächen im Vergleich zu ähnlichen Produkten am Markt. So dürfte es palmOne schwer fallen, mit dem LifeDrive neben dem normalen PDA-Nutzer neue Kundengruppen anzusprechen. Mehr dazu in einer separaten Markteinschätzung auf Golem.de.