Mac-Emulator: Vorbei mit Kirschen essen
Der monatelang andauernde Konflikt zwischen den Anbietern von CherryOS und dem Open-Source-Projekt PearPC findet mit einem Weblog-Eintrag von Arben Kryeziu(öffnet im neuen Fenster) ein jähes Ende. Demnach sei CherryOS selbst bis heute nicht fertig geworden und man werde das Produkt nicht mehr weiter anbieten. Obwohl die Software demnach nie fertig war, hat es die Leute hinter CherryOS nicht davon abgehalten, sich den Mac-Emulator für einige Zeit bezahlen zu lassen. Derzeit ist nicht bekannt, ob zahlende Kunden nun ihr Geld zurückerhalten. Keinen Ton verlor Arben Kryeziu zu den gegen CherryOS erhobenen Plagiatsvorwürfen.
Mit dem Ende von CherryOS kann das Produkt auf eine bewegte Geschichte zurückblicken: Im Oktober 2004 wurde CherryOS vorgestellt, ohne dass damals ein Erscheinungstermin genannt wurde. Dafür konnte man die Software bereits vorbestellen, ohne genau zu wissen, was man dafür bekommt. Nur für ganz kurze Zeit gab es ein Download-Archiv der Software, so dass dieses analysiert werden konnte. Die Analyse ergab, dass CherryOS Programmcode des Open-Source-Projekts PearPC enthalte, einem vor CherryOS erschienenen Mac-Emulator.
Obwohl der Hersteller von CherryOS die Vorwürfe damals bestritt, wurde der Marktstart von CherryOS gleich um mehrere Monate verschoben. Eigentlich sollte die Software noch im Oktober 2004 erscheinen, kam dann aber erst im März 2005, nachdem die CherryOS-Webseite Monate lang keinerlei Informationen bot. Einen Grund dafür hat der Hersteller nie genannt. Es gab damals die Vermutung, dass die Macher von CherryOS durch den Aufschub ihre Spuren des vorgeworfenen Code-Diebstahls beseitigen wollten.
Im März 2005 war CherryOS nach Monaten der Wartezeit erhältlich. Und sogleich erneuerten die Macher von PearPC mit entsprechenden Belegen ihre Vorwürfe, wonach CherryOS Programmcode aus PearPC widerrechtlich übernommen habe. Zudem soll CherryOS auch Quellcode des wie PearPC unter der GPL stehenden Projekts MacOnLinux enthalten.
Ohne jegliche Ankündigung wurde dann einen Monat nach dem offiziellen Erscheinen von CherryOS Ende März 2005 der Preis überraschend verdoppelt, ohne dass Kunden dafür mehr geboten bekommen hätten. Nun sollten Interessenten statt 50,- US-Dollar von diesem Zeitpunkt an 100,- US-Dollar bezahlen.
Nur wenige Tage später wurde die CherryOS-Webseite dann abermals komplett vom Netz genommen, ohne dafür irgendwelche Gründe zu nennen. Zeitgleich dazu wurden weitere Plagiatsvorwürfe gegen Maui-X Stream, dem Anbieter hinter CherryOS, bekannt. Der Firma wurde vorgeworfen(öffnet im neuen Fenster), dass auch die beiden Produkte V30Encoder sowie V30Live widerrechtlich Programmcode diverser Open-Source-Projekte enthalte. Demnach findet sich der Quellcode von Xvid, Mplayerc, FileDropListCtrl, DEFLATE, Inflate, JOrbis sowie LAME in den Produkten von Maui-X Stream.
In den folgenden Tagen überschlugen sich dann die Ereignisse: Nur einen Tag später hieß es auf der CherryOS-Webseite, dass man den Mac-Emulator am 1. Mai 2005 als Open Source veröffentlichen wolle. Begründet wurde dies mit einer "überwältigenden Nachfrage"; auf die Plagiatsvorwürfe ging das Unternehmen auch hier nicht ein. Allerdings war dieses Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn die PearPC-Macher sehen in CherryOS einen mehrfachen Verstoß gegen die GPL, weshalb dem Anbieter von CherryOS jedwedes Recht entzogen wurde, den von Daniel Foesch entwickelten Programmcode aus PearPC zu verwenden – ganz gleich, ob CherryOS kommerziell oder als Open-Source-Projekt angeboten wird.
Tags darauf hieß es dann, dass die Macher von CherryOS das Produkt unter einer speziellen Open-Source-Lizenz veröffentlichen und das Produkt zugleich weiterhin kostenpflichtig anbieten wollen. Allerdings sollte der Preis dazu deutlich von zuletzt 100,- US-Dollar auf 14,95 US-Dollar gesenkt werden. Als Starttermin wurde weiterhin der 1. Mai 2005 genannnt. Allerdings hat sich auf der CherryOS-Seite seit Anfang April 2005 bis zum heutigen Tag nichts mehr getan.
Mit dem offiziellen Aus von CherryOS scheint das Kapitel nun endlich beendet zu sein und die Entwickler von PearPC können sich wieder auf die eigentliche Arbeit an dem Mac-Emulator konzentrieren.