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Hardware-Hersteller kämpfen mit GPL-Verletzungen

Lizenzprobleme durch Unwissenheit oder Ignoranz? Netfilter-Entwickler Harald Welte geht im Rahmen seines Projekts gpl-violations.org zunehmend in die Öffentlichkeit, um so den Druck vor allem auf Hardware-Hersteller zu erhöhen, die sich mit den Pflichten der GPL schwer tun. Zuletzt betraf dies Medion/Aldi, AOpen, Acer und iriver.
/ Jens Ihlenfeld
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So beschwert sich Welte über Acer, die ihre Notebooks Aspire 1800 und 2000 mit einer vollständigen Linux-Distribution ausliefern, aber auf ihrer Webseite nur Kernel der 2.4er-Serie zum Download anbieten. Dabei sei die Forderung ganz klar: "...kompletter, zugehöriger Quelltext, einschließlich der Scripte, die zur Steuerung des Kompilierungsvorgangs und der Installation verwendet werden."

Der MP3-Player-Hersteller iriver gibt hingegen keinen Quellcode frei, obwohl seine Player der Serie PMP-1xx augenscheinlich auf Linux basieren. Man habe vorsichtshalber einen Lieferstopp für die Geräte verhängt, bestätigte iriver gegenüber Golem.de. Noch müsse aber geklärt werden, ob auf dem Gerät wie im offiziellen Datenblatt(öffnet im neuen Fenster) angegeben auch wirklich Linux bzw. andere GPL-Software zum Einsatz kommt. Vorher wolle man sich zu dem Fall nicht weiter äußern. Der Lieferstopp gilt allerdings nur für Deutschland.

Welte ist sich hingegen sicher, dass auf den Geräten zumindest Teile von Linux zum Einsatz kommen, da er durch Reengeneering den FAT-Treiber von Linux identifizieren konnte.

"Was sagt uns das? Sie nehmen die Frage der Lizenzierung unter der GPL nicht ernst, selbst dann nicht, nachdem sie eine Warnung erhalten und eine Unterlassungerklärung unterzeichnet haben", fasst Welte zusammen.

Bei AOpen hingegen gerät schon die Kontaktaufnahme zu einem Hürdenlauf. Der Versuch, AOpen auf der CeBIT einen freundlichen Brief zu übergeben, sei gescheitert, er solle sich schriftlich an die deutsche Niederlassung wenden, erklärte man Welte. Anfang Mai 2005, knapp zwei Monate später, erhielt Welte dann eine telefonische Antwort: Die angemahnten Produkte würden nicht in Deutschland verkauft, er hätte sich daher an den taiwanesischen Mutterkonzern wenden sollen.

"Sie verstehen es nicht. Es ist Ihr Problem, wenn Sie sich nicht an die Lizenz halten. Sie sind es, die für den Lizenzverstoß haften. Mir ist es egal, welche Tochter eines multinationalen Unternehmens verantwortlich ist. Es ist im besten Interesse jedes Tochterunternehmens sicherzustellen, dass man mit den Lizenzbedingungen im Einklang steht", zeigt sich Welte über das Versteckspiel verärgert.

Derweil wartet Aldi mit dem Medion-Notebook MD 95800 ganz aktuell mit einer GPL-Verletzung auf, so Welte gegenüber Golem.de. Die mitgelieferte Software PowerCinema enthalte in Verbindung mit der Instant-On-Funktion Teile von Linux. Dem Notebook liege aber der Text der GPL nicht bei, womit Medion gegen die Lizenz verstoße. Auf seiner Webseite hingegen weist Cyberlink auf die Verwendung von Linux(öffnet im neuen Fenster) hin.

Besonders interessant wird der Fall, da Medion im Zusammenhang mit dem Notebook MD 95500, das Anfang April in den Handel kam, eine Unterlassungserklärung unterzeichnet habe, so Welte.

Künftig will Welte daher stärker mit entsprechenden Details in die Öffentlichkeit gehen, was er bisher weitgehend vermieden hat. Offenbar müsse man den maximalen Druck auf solche Unternehmen ausüben, zeigt sich Welte ernüchtert.

Eine Interpretationshilfe nicht nur zur GPL gibt unter anderem das Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (ifrOSS)(öffnet im neuen Fenster) im JuraWiki(öffnet im neuen Fenster).


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