Mensch gegen Technik: Alltagsgeräte überfordern Anwender

Die wachsende Überforderung sei jedoch nicht nur ärgerlich, sondern auch sinnlos, teuer und gefährlich. Der wirtschaftliche Schaden durch fehlerhafte Bedienung elektronischer Gebrauchsgegenstände soll allein in Deutschland in die Milliarden gehen. In den USA werde etwa jedes dritte Bürosystem von den Anwendern als ungeeignet abgelehnt und aussetzende Elektronik sei in den Industriestaaten eine der Hauptursachen von Autopannen.
Seriösen Schätzungen zufolge sollen in den USA bereits mehr Menschen durch die Fehlbedienung untauglicher medizinischer Geräte ums Leben kommen als etwa durch Aids oder bei Verkehrsunfällen, berichtet GEO.
Dagegen ließe sich laut GEO einiges unternehmen: Längst existiere das Know-how für anwenderfreundliche Maschinen, sind die psychologischen Beschränkungen der menschlichen Aufnahmekapazität doch bekannt. Zudem gebe es spezielle Labors zum Test der Gebrauchstauglichkeit von Geräten.
Daran, dass dieses Wissen unzureichend genutzt wird, sollen auch die Verbraucher nicht ganz unschuldig sein: Weil sich zum Beispiel immer noch eine große Anzahl von Kunden durch eine Vielfalt von Funktionen zum Kauf eines Gerätes verleiten lasse, steige das Risiko, etwas falsch zu machen, "ins Unermessliche" – schon die Anordnung von nur neun Bedienelementen in einer Menüleiste erlaubt nicht weniger als 362.880 Varianten. Ein Lernen durch Verständnis sei so kaum mehr möglich: "Das frustrierende und zeitraubende Ausprobieren durch Versuch und Irrtum nimmt notwendigerweise zu" , konstatiert GEO.
Erdulden könnten so etwas nur Menschen mit viel Zeit. Oder mit großer Neugier – also vor allem Kinder. Daraus erkläre sich GEO zufolge auch der allseits bekannte Wissensvorsprung von Jugendlichen gegenüber Erwachsenen auf dem Sektor der Unterhaltungselektronik. Da ihnen jedoch wirkliches Verständnis fehle, werden sie ihr Wissen kaum weitergeben können.
Helfen soll auch ein bewusster, besonnener Umgang mit dem überbordenden Angebot: In einer neuen Studie des Massachusetts Institute of Technology wurde laut GEO festgestellt, dass sich mit weniger, gezielt eingesetzter Technik ein wesentlich entspannteres Leben führen lässt.



