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Intel liefert ersten Prozessor mit Dual-Core (Update)

Extreme Edition 840 samt neuem Chipsatz. Wie erwartet liefert Intel seit Montag, dem 18. April 2005, seinen ersten Prozessor mit zwei Kernen auf einem Die aus. Passend zur "Pentium Extreme Edition 840" startet auch der 955X-Chipsatz. Zahlreiche PC- und Mainboard-Hersteller liefern passende Produkte.
/ Jens Ihlenfeld
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Intels Marke "Extreme Edition" beschrieb bisher stets den schnellsten Desktop-Prozessor und war vor allem für Computerspieler und die so genannten "Enthusiasten" gedacht, die für ein paar Prozent Mehrleistung gegenüber Standardkomponenten beinahe jeden Preis zahlen.

Die Gamer stehen jetzt als Zielgruppe des neuen Chips nicht mehr an erster Stelle. Intel spricht vielmehr von "Computer-Hobbyisten und Multimedia-Enthusiasten". Das mag daran liegen, dass derzeit nur wenige Spiele von der Kraft der zwei Kerne profitieren. Bei der "Pentium Extreme Edition 840" arbeitet jeder der beiden Cores mit 3,2 GHz, Intels am höchsten getakteter Single-Core-Prozessor (Pentium 4 570J) kommt auf 3,8 GHz.

Der bisher unter dem Codenamen "Smithfield" gehandelte 840, der erstmals auch den Namen "Pentium 4" ablegt, wird folglich von Intel auch vor allem für Multimedia-Authoring empfohlen. Dort sind die meisten Anwendungen, vom MP3-Encoder bis zum aufwendigen Programm für den Videoschnitt, schon seit Jahren auf den Betrieb mit mehreren Prozessoren ausgelegt. Hier sind Leistungssteigerungen bis zu nahezu der doppelten Geschwindigkeit gegenüber einem einzelnen Core möglich. Wie berichtet , unterstützt Intel jedoch schon seit geraumer Zeit Software-Entwickler beim Optimieren für Dual-Cores.

Jeder der beiden Cores im 840, der auf der Netburst-Architektur des Pentium 4 basiert, kann auf ein MByte L2-Cache zugreifen. Dieser ist in je zwei Bänke aufgeteilt, die auf dem Die-Foto deutlich sichtbar sind. Der FSB-Takt beträgt, anders als bei bisherigen Extreme-Editions, effektiv 800 MHz. Bisher waren für Intels Extremisten hier 1.066 MHz üblich, die auch das wesentliche Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem P4 darstellten. Ab jetzt gilt bei den Dual-Core-Prozessoren HyperThreading als Bonus-Feature für die Extreme Edition: Der 840 verhält sich damit gegenüber dem Betriebssystem wie vier Prozessoren. Windows XP Home- und Professional-Edition arbeiten jedoch weiterhin mit den üblichen Lizenzen, da Microsoft Prozessoren nach der Zahl der Sockel und nicht der der Kerne oder gar Virtualisierungstechnologien zählt.

Die weiteren Features des 840 entsprechen dem, was auch Intels Single-CPUs mitbringen: Die 64-Bit-Erweiterung EM64T und das "Execute Disable Bit" werden unterstützt. Intels neue Stromspartechnik EIST beherrscht der 840 jedoch nicht. Die neue Extreme Edition wird auch weiterhin in 90 Nanometern Strukturbreite gefertigt. Da der L2-Cache gegenüber der 600er-Serie insgesamt gleich groß geblieben ist, der zweite Kern aber stromhungrig ist, dürfte die "Thermal Design Power" (TDP) deutlich über 100 Watt liegen. Intel legte dafür aber noch keine verbindlichen Zahlen vor.

Der 840 läuft auch in bisherigen Mainboards mit dem Sockel 775, dafür ist jedoch auf jeden Fall ein Bios-Update nötig. Intel empfiehlt für den neuen Prozessor den PCI-Express-Chipsatz 955X, bisher unter dem Codenamen "Glenwood" bekannt. Der 955X kann DDR2-2-Speicher mit bis zu effektiv 667 MHz betreiben, auch ECC-Module für Workstations sind möglich. Bis zu acht GByte RAM kann der Chipsatz adressieren, womit 64-Bit-Anwendungen gerade auf Workstations endlich einen Sinn haben.

Als Highend-Chipsatz mit einem OEM-Preis von 50,- Dollar bringt der 955X eine komplette Ausstattung mit. Dazu zählen WLAN nach 802.11g, Gigabit-Ethernet, HDA-Sound und Serial-ATA-Raid, das bis zum Raid-Level 5 zu konfigurieren ist. Neben Intel mit dem "D955XB" hat bereits Asus mit seinem "P5WD2 Premium" ein Mainboard mit dem 955X angekündigt. Für das Asus-Board steht auch bereits ein Preis von 269,- Euro fest. Dafür sind dann noch zwei zusätzliche IDE-Controller geboten, einer für je zwei interne oder externe S-ATA-Geräte und einer für vier herkömmliche Laufwerke mit parallelem ATA. Intels Southbridge ICH7R verfügt nur noch über einen parallelen ATA-Port für zwei Geräte.

In den USA bieten bereits Alienware, Dell und Velocity Micro erste Systeme mit Intels neuer Plattform an. Die Preise bewegen sich meist deutlich über 2.000,- US-Dollar – allein der Prozessor kostet die PC-Hersteller in 1.000er-Stückzahlen schließlich 999,- US-Dollar. Für den Massenmarkt kommt laut Intels aktueller Roadmap der erste Dual-Core-Prozessor als "Pentium D" erst Ende Mai auf den Markt.

Update (18. April 2005, 15:30 Uhr):
Inzwischen hat Intel auch die Datenblätter für den 840 und den 955X vorgelegt. Demnach ist die "Thermal Design Power" für den ersten Dual-Core-Prozessor auf 130 Watt festgelegt – mehr als bei jedem anderen bisherigen Desktop-Prozessor. Gerade bei Selbstbau-PC sollte man also Wert auf eine besonders leistungsfähige Kühlung legen.

Zudem kann die Southbridge ICH7R des 955X-Chipsatzes vier PCI-Express-Lanes für einen zweiten PCIe-Grafikslot zur Verfügung stellen, was Asus und Intel auf den abgebildeten Boards auch genutzt haben. Ob sich damit wie bei Nvidias SLI auch zwei Grafikkarten im Tandembetrieb zusammenschalten lassen, ist jedoch noch unklar. [von Nico Ernst]


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