Geplatzte Kondensatoren: Erster Board-Hersteller lenkt ein
Etwa seit 1999 häufen sich die Berichte von Anwendern, deren Mainboard plötzlich und unerwartet den Dienst verweigert. In einigen Fällen weisen dabei die an der Versorgung des Prozessors beteiligten Kondensatoren deutliche Veränderungen auf: Sie beulen sich aus, laufen zum Teil aus und einige platzen explosionsartig. Je länger die Mainboards im Einsatz sind, umso häufiger sind auch andere Kondensatoren betroffen, wie das folgende, von einem Golem-Leser geknipste Bild zeigt:
Dazu muss das Board nach dem 1. Januar 1999 gekauft worden sein und bis 15. Februar 2006 bei Abit eingehen. Wer ein defektes Mainboard bereits auf eigene Kosten reparieren ließ, muss bis zu diesem Datum die Rechnung vorlegen. Im Endeffekt kommt dies einer Garantieverlängerung gleich. Schadensersatz für eventuelle weitere defekte PC-Komponenten oder gar Datenverlust sind von der Regelung nicht abgedeckt.
Von den deutschen Niederlassungen taiwanesischer Mainboard-Hersteller äußerte sich auf Nachfrage nur MSI unmittelbar auf die Nachricht aus den USA. Dort will man, wie es bereits bisher geschehen sein soll, defekte Mainboards mit auffälligen Kondensatoren weiterhin kostenlos austauschen – auch wenn die Garantie bereits abgelaufen ist.
Die Hintergründe der vergleichsweise häufigen Defekte durch geplatzte Kondensatoren sind auch Jahre nach Beginn der Phänomene noch unklar. Die populärste Theorie, die unter anderem die Webseite Badcaps(öffnet im neuen Fenster) vertritt, dreht sich um einen angeblichen Fall von Wirtschaftsspionage. Dabei hätten taiwanesische Kondensator-Hersteller ein unvollständig von japanischen Firmen entwendetes Rezept für das Elektrolyt der Kondensatoren verwendet. Ob es sich dabei um eine romantische Verschwörungstheorie handelt, ist nicht abschließend zu klären. Fest steht jedoch, dass gerade ältere Mainboards nach wenigen Monaten oder Jahren des Betriebs den Geist aufgeben können. Bei neueren Produkten, etwa ab 2003, trat dieses Phänomen bisher äußerst selten auf. [von Nico Ernst]



