Moore's Law soll noch 20 Jahre Gültigkeit behalten ...

In der Tat hat dieses bisher fast immer gültige "Moore's Law", das in der Halbleiterbranche beinahe schon wie ein Naturgesetz gesehen wird, aber Auswirkungen auf die Performance-Steigerung der Prozessoren: Mehr Transistoren können für neue Funktionseinheiten und mehr Caches genutzt werden.
Zum 40-jährigen Jubiläum seines Theorems gab sich der inzwischen 76-jährige Gordon Moore telefonisch aus Hawaii die Ehre. In einer Runde aus internationalen Journalisten erklärte er, dass "Moore's Law" noch etwa 10 bis 20 Jahre Gültigkeit behalten werde. Aber: "So eine Sache kann nicht ewig weitergehen" , erklärte Moore. Da seine Regel auf einer exponentiellen Steigerung der Transistor-Dichte beruht, "sagt man bei Extrapolationen immer das Desaster voraus" , scherzte Moore.
Selbst da inzwischen mit Strukturbreiten von 65 Nanometern eigentlich das Niveau der Nano- und nicht mehr der Mikro-Technologie erreicht wäre, seien die Dichte-Steigerungen von "Moore's Law" noch immer möglich. Moore stellte dabei heraus, dass man zwar inzwischen bei einigen Strukturen mit nur noch fünf Atomlagen dicken Schichten arbeite (Moore meinte damit die Dicke des Dielektrikums am Boden eines Transistors), aber die Industrie arbeite inzwischen unternehmensübergreifend zusammen, um noch kleinere Strukturen möglich zu machen. Moore spielte damit wohl beispielsweise auf die Belichtung mit extrem kurzwelligem Licht an (EUV), die derzeit von allen großen Halbleiterherstellern erforscht wird.
Die derzeit drängendsten Probleme in der Praxis brachte Moore auch auf den Punkt: "Die Desktop-PCs müssen mit ihrer Leistungsaufnahme nach unten gebracht werden." Aus der Centrino-Technologie habe man dabei gute Lehren ziehen können. Wie Intel dies aber in kommenden Prozessoren umsetzen will, verriet Moore noch nicht.
Trotz aller Fortschritte seien Computer aber noch weit von der künstlichen Intelligenz entfernt, meinte Moore. Erst wenn beispielsweise sein Rechner die Bedeutung der englischen Worte "two" und "too" unterscheiden könnte, sei eine "sinnvolle Unterhaltung" mit der Maschine möglich. Dies, so Moore weiter, sei der erste Schritt zu wirklicher Intelligenz.
Nebenbei erwähnte Moore auch noch, dass Intel in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts beinahe den Homecomputer erfunden hätte. Damals sei ein junger Ingenieur mit Plänen für einen kompakten Computer für zu Hause zu ihm gekommen. Moore habe diesen Entwurf zwar für realisierbar gehalten, sah aber den Nutzen nicht: "Die einzige sinnvolle Anwendung, die ich mir damals vorstellen konnte, war eine Datenbank mit Rezepten für meine Frau." Dank IBM und dem ersten PC mit Intel-Prozessor änderte sich das zum Glück für Intel. Das Rennen bei Heimcomputern machte aber in den 80er-Jahren tatsächlich Motorola mit seinen 6502- und 68000-Prozessoren.
Gordon Moore hatte Intel 1968 zusammen mit Andy Grove und Robert Noyce gegründet. Von 1979 bis 1987 leitete er das Unternehmen als CEO und 1997 trat er offiziell in den Ruhestand. Seitdem ist er Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats von Intel, lässt es sich aber nicht nehmen, hin und wieder in der Firmenzentrale in Santa Clara aufzutauchen, um den Entwicklern über die Schulter zu gucken. [von Nico Ernst]



