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HDTV in der Praxis - hochauflösendes Fernsehen am PC

Aufnahme und Wiedergabe auch mit schwächeren Rechnern. Die Ausstrahlung von "Men in Black II" nahm Golem.de zum Anlass, die Möglichkeiten von HDTV mit einfacher PC-Hardware zu überprüfen. Die Ergebnisse sind erfreulich: Auch PCs unter 2 GHz reichen für Aufnahme und Wiedergabe, selbst DVDs lassen sich leicht aus dem aufgezeichneten Material erstellen.
/ Christian Klaß
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Am vergangenen Sonntag, dem 10. April 2005, strahlte ProSieben mit "Men in Black II" einen weiteren Hollywood-Streifen in HDTV aus. Ohne teure Set-Top-Boxen und hochauflösende Displays ließ sich der Film auch am PC in einer neuen Qualität ansehen und aufzeichnen. Für den Test wählten wir bewusst ein älteres Testsystem mit einem Athlon XP 1900+ (1,6 GHz), Windows XP und der DVB-S-Karte "Cinergy 1200" von Terratec zusammen mit der aktuellen Softwareversion 2.2.0.4. Die MPEG-2-Dekodierung wurde dabei von einer Radeon 9800 Pro unterstützt. Bei laufender Aufzeichnung lag die CPU-Auslastung des Rechners bei durchschnittlich 70 Prozent. Wurde die Grafikkarte währenddessen unter 200 MHz getaktet, lag die Last bei 100 Prozent, und der Film kam ins Stocken.

Der HD-Transfer darf als gelungen bezeichnet werden. Bildschärfe und Detailauflösung suchen bei Fernsehausstrahlungen ihresgleichen. Beim digital animierten Hund "Frank" ließ sich die Fellstruktur deutlich sehen und gerade die Totalen mit belebtem Hintergrund profitieren von der neuen Auflösung. Auf einem Display mit 1.280 Punkten horizontaler Auflösung (die verwendeten 1080i bestehen aus 1.920 x 1.080 Pixeln) zeigten sich jedoch bei fein gemusterten Kleidungsstücken bisweilen feine Moiree-Muster. Hier müssen die Programmierer der Decoder-Software oder auch der Grafiktreiber bei der Skalierung noch nachbessern.

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Der Ton lief zwar mit Dolby Digital, da die meisten DVD-Authoring-Programme dieses Format aber noch nicht verkraften, zeichneten wir nur in Stereo auf. Die Raumklang-Informationen bleiben dabei zumindest mit vier Kanälen (Dolby ProLogic) erhalten.

ProSieben strahlte den Film von Beginn an mit einer Datenrate von 22 MBit/s aus, pro Minute entstehen so rund 132 Megabyte Daten. Der gesamte Streifen von 85 Minuten belegte knapp 11 Gigabyte, die auf drei DVD-Rs verteilt werden müssen, wenn man die originale Qualität behalten will. Da ein DVB-S-Transponder typischerweise mit bis zu 38 MBit/s arbeitet, reizte der Sender die Technik recht gut aus – muss sich aber den eigens für ProSieben HD eingerichteten Astra-Transponder auch nicht mit anderen Programme teilen. Unverständlich ist jedoch, warum die Wiederholung des Films um 0:40 Uhr nur in herkömmlicher Auflösung gesendet wurde.

Das Betrachten des Live-Bildes bei gleichzeitiger Aufzeichnung stellten unser System nicht vor nennenswerte Probleme. Anders jedoch die Wiedergabe. Hier hatte Intel für HD-Material im Rahmen des IDF schon vor zwei Jahren "mindestens 3 GHz" gefordert und nach unseren Erfahrungen trifft das für ältere MPEG-2-Decoder durchaus zu. Weder auf dem Testsystem noch auf einem Pentium 4 mit 2.6 GHz ließ sich MiBII flüssig von der Festplatte abspielen – zumindest nicht mit dem betagten WinDVD 3.1 von Intervideo. Die effektive Hardware-Beschleunigung über die Grafikkarte, die dagegen PowerDVD 5 bietet, zeigte den Film jedoch ohne Aussetzer mit durchschnittlichen 60 Prozent CPU-Auslastung auf dem Athlon XP 1900+.

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Wer mehrere MPEG-2-Decoder installiert, sollte beachten, daß die meisten Mediaplayer stets nur den zuerst im System registrierten Codec benutzen. Das gilt beispielsweise für den Windows Media Player oder den DivX-Player. Die nativen Anwendungen der Codecs, hier PowerDVD selbst, greifen dagegen auf ihre eigenen Routinen zurück.

Wer einen HD-Film auf eine herkömmliche DVD speichern will, die auch auf Standalone-Playern läuft, kommt um eine Neukodierung nicht herum. Wir rechneten den Streifen deshalb mit TMPEG auf 720 x 576 Punkte herunter. Die damit entstandene DVD bewegt sich auf dem Niveau guter Kauf-DVDs, da man mit hohen Bitraten um 8 MBit/s arbeiten kann – "Men in Black II" ist schließlich nur 85 Minuten lang. Am PC zeigten sich nur in ruhigen Szenen bei unbewegten Bildteilen leichte Artefakte mit Bildrauschen. Die Qualität liegt aber auch nach dem Transkodieren deutlich über normalen DVB-S-Aufzeichnungen mit 2-4 MBit/s, die teils durch starke Artefakte stören.

Durch diese Ergebnisse wird klar, warum Hollywood so vehement auf den Kopierschutz "HDCP" pocht – mit HD-Ausstrahlungen bekommt der Konsument eine Qualität ins Haus gesendet, die deutlich über jeder anderen Quelle für Filme liegt. Einzig die raren "HD-DVD-ROMs", auf denen Filme in WMV9 gespeichert werden, können derzeit den Ausstrahlungen mit hohen Bitraten Paroli bieten. [von Nico Ernst]


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