Spieletest: Silent Hunter III - Unterwasser-Überflieger
Neuer Silent-Hunter-Titel mit echtem Wellengang, schöner Grafik und gutem Sound. Mit Silent Hunter III hat Ubi Soft eine neue U-Boot-Simulation auf den Markt gebracht, die deutsche U-Boote zur Zeit des Zweiten Weltkriegs simuliert. Virtuell nach feindlicher Tonnage durchpflügt werden können dabei arktische und tropische Regionen sowie der Atlantik und das Mittelmeer.
Abgetaucht werden kann in U-Booten der Typen II, VII, IX bis hin zum Typ XXI. Das Steuern eines derartigen U-Bootes erfordert eine gehörige Einarbeitungszeit, die die Designer des Spiels durch ein gedrucktes aber recht knappes Handbuch, mehreren Tutorials und einstellbaren Schwierigkeitsgraden für alle möglichen Bereiche versuchen so angenehm wie möglich zu machen.
Mit dem grundlegenden Steuern und Navigieren hat man sich auch schnell zumindest soweit vertraut gemacht, dass man sein U-Boot vom Fleck hin zu bestimmten Zielkoordinaten bewegen kann. Dazu steht eine zoombare Karte zur Verfügung, auf der Kurs mit mehreren Wegpunkten eingeben werden kann und so selbst durch die haarige Fjord-Landschaft von Norwegen hindurch kommt, ohne direkt auf Grund zu laufen.
Eine Zeitrafferfunktion sorgt dafür, dass der Spieler nicht wie in der Realität Wochen- und Monatelang vor dem Rechner bzw. im Boot sitzen muss, bis er endlich einmal am Ziel angekommen ist. Die Entwickler haben sogar die Hafeneinfahrten und -Becken mit animierten Leuchttürmen, Fahrzeugen, Begrüßungskommitees und ähnlichen optischen Leckerbissen aufgepeppt.
Die Stationen wie Radar- und Sonartechnik, Torpedorechner, der restlichen Bordwaffen wie Flak und Kanone, die Brückenbesetzung und das Management des Bootes hinsichtlich der Reparaturen und der Mannschaftseinteilung sind durch ein Aufklappmenü jederzeit erreichbar. Die Mannschaft handelt aber weitestgehend autonom: so wird der auf der Karte geplottete Kurs vom Navigator bis auf Widerruf selbstständig befolgt und auch die Tauchmanöver und die Flak- und Kanonenbedienung kann man in die Hände der KI-Mannschaft legen oder – wenn gewünscht – auch hier selbst eingreifen. Die Berechnungen für den Torpedo-Abschuss kann man auch selbst durchführen, was aber ein erhebliches Maß an Übung erfordert.
Die gesammelten Meldungen der einzelnen Stationen gehen in einem scrollbaren Log und auch per akkustischer Meldung ein, so dass man zumindest einigermaßen den Überblick behält, was gerade passiert. Die meiste Zeit wird man in der Regel am Perioskop oder am Kartentisch verbringen, während die Außenansichten letztlich nur ein hübsches Beiwerk sind. Kaum ein Freizeitskipper wird die Brückenwache übernehmen und den Horizont nach Flugzeugen oder Schiffen absuchen, während man in einem weitflächigen Areal kreuzt, in dem Konvois vermutet werden.
Nun besteht das U-Bootfahrerleben die meiste Zeit nicht aus Action, sondern aus recht monotonen Fahrten, die hoffentlich so selten wie möglich aus Flugzeugsichtungen und dem erforderlichen schnellen Abtauchen bestehen. Das heißt auch, dass der Spieler damit konfrontiert wird, dass die Simulation recht häufig etwas langweilig wird – doch wie erwähnt kann man mit dem Zeitraffer derartige Abschnitte schneller ablaufen lassen.
Die Grafik ist ist die im Vergleich zu Silent Hunter II deutlich verbessert worden – sowohl die animierte Innenansicht des U-Bootes, in der man endlich auch Teile der Mannschaft sehen kann, als auch die Außenansichten mit der zuschaltbaren externen Kamera sind spektakulär und tragen viel zur Atmosphäre bei. Der Spieler kann sich im Inneren des U-Boots bewegen, seiner Besatzung zusehen und den körperlichen Zustand im Auge behalten. Dazu gibt es die Möglichkeit, Teile der Besatzung in die Kojen zu schicken, bis sie wieder ausgeruht sind.
Hervorragend ist auch die Seegang-Simulation, die den einen oder anderen Badewannenkapitän auf der Brücke durchaus seekrank machen kann, wenn sich haushohe Wellenberge mit tiefen Wellentälern abwechseln und das U-Boot schwankt und giert wie eine überdimensionale Zigarre. Auch unterschiedliche Wettersituationen sind berücksichtigt worden – und einen Tag- und Nachtmodus gibt es natürlich auch.
Besonders stimmungsbeeinflussend ist aber die akustische Untermalung geworden: Zwar nicht so dramatisch wie im Film "Das Boot" aber immer noch mit sehr vielen gesprochenen Kommandos und Meldungen in mehrerlei Ausprägungen als auch mechanischen Geräuschen und realistisch anmutenden Explosionsgeräuschen ist der Ton neben der Grafik das hervorhebenswerteste Merkmal der Simulation.
Das Spiel bietet neben den Tutorials einige detailliert nachgestellte historische Einzelmissionen als auch einen Karriere-Modus, bei dem man neben Auszeichnungen auch die Möglichkeit erhält, nach erfolgreichen Feindfahrten sein U-Boot mit fähigeren Mannschaften und Offizieren, besserer Bewaffnung und sonstigen Verbesserungen auszustatten. Der Spieler kann hierbei von verschiedenen U-Bootstützpunkten aus operieren und erhält passend dazu Einsatzbefehle.
Das Schadensmodell, das sowohl bei eigenen Boot als auch bei den gegnerischen Überwassereinheiten und den Flugzeugen zum Tragen kommt, sorgt dafür, dass längst nicht jeder Treffer fatal, und nicht jeder Angriff ein Erfolg wird. Sowohl auf der eigenen, als auch auch auf der Seite des Feindes. So sind auch die Schiffsuntergänge – trotz der makaberen Szene – beachtenswert, zumal man sogar unterhalb der Wasseroberfläche beobachten kann, wie Schiffsrümpfe zerbrechen, einzelne Teile sich vom Schiffsrumpf lösen und Kessel explodieren.
Die künstliche Intelligenz des Spiels ist vergleichsweise stark und der Anfänger kann sich darauf gefasst machen, einem gegnerischen Zerstörer so schnell nicht mehr zu entkommen – was zumindest nach einführung von Horchpeilanlagen und ähnlichen Anti-U-Bootmaßnahmen der Alliierten auch in der Realität nicht viel anders war.
Auch ein Mehrspielermodus für LAN und Internet ist vorhanden, mit dem der Spieler dann mit anderen zusammen auf die Jagd gehen kann. Dabei gibt es sowohl einen kooperativen wie auch einen konträren Modus – allerdings sitzt man immer im U-Boot – nicht im Zerstörer. Ein sehr komplexer Missions-Editor ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten, mit dem man die doch recht spärlichen Einzelmissionen erweitern kann.
Silent Hunter 3 erfordert mindestens 256 MByte RAM (sinnvoll sind 512) sowie eine DirectX-9-fähige Grafikkarte mit mindestens 64 MByte Speicher. Beim Prozessor sollte es schon ein Pentium 4 mit ungefähr 2 GHz Taktfrequenz oder ein äquivalenter Athlon-Prozessor sein, wenn man das Spiel mit höchster Detailstufe spielen will. Bei der Auflösung gibt es übrigens keinen höheren Wert als 1.024 x 768 Pixel, was schon zu diversen Unmutsäußerungen im Ubi-Forum geführt hat.
Fazit: Silent Hunter III ist kein actionlastiges Spiel sondern erfordert vom Spieler viel Einarbeitungszeit, Geduld und eine Auseinandersetzung mit den technischen Möglichkeiten sowie der U-Bootkriegsführung, wenn er seine Ziele erreichen möchte. Die hervorragende optische Darstellung der Schiffe und der Umgebung sowie die einstellbaren Schwierigkeitsgrade und der Kampagnenmodus machen Silent Hunter III zu einem Simulations-Spitzentitel.