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Intel: Truland soll Xeon-MP Beine machen (Update)

Potomac-Core mit 8 MB L3-Cache, Chipsatz mit vier Speicherkanälen. Die bisher unter dem Codenamen "Truland" bekannte neue Server-Plattform rund um die Xeon-MP-Prozessoren hat Intel nun offiziell vorgestellt. Sie ist voll auf 64 Bit getrimmt und bringt vor allem im Chipsatz echte Neuerungen.
/ Jens Ihlenfeld
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Seit zehn Jahren bietet Intel nun, beginnend mit dem Pentium, Prozessoren an, die auch im Duett rechnen können. Zum Jubiläum wird nun die Brot-und-Butter-Klasse der Server-Produkte bei Intel, der Xeon MP, mitsamt seiner Infrastruktur gründlich aufpoliert.

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Bei den Prozessoren – bisher unter den Codenamen "Cranford" und "Potomac" bekannt – hat Intel mit den Desktop-Varianten der Cores gleichgezogen. Die neuen Xeons werden wie die aktuellen Ausgaben des Pentium 4 in 90 Nanometern Strukturbreite gefertigt und verfügen über Intels AMD64-Variante EM64T. Auch der bei Intel "XD-Bit" genannte Speicherschutz gegen Viren und Pufferüberläufe ist jetzt bei den Xeons integriert. Zudem beherrschen sie "Demand Based Switching" (DBS), womit die Prozessoren Spannung und Takt selbst regeln können. In welchen Grenzen das erfolgt, teilte Intel noch nicht mit.

Für ein fiktives Rechenzentrum eines Finanzdienstleisters, das nur während der üblichen Geschäftszeiten voll belastet wird, hat Intel aber schon einmal die Stromersparnis durch DBS in Dollars umgerechnet. Demnach lassen sich bei diesem Modell mit 876 Servern zwischen 250.000 und 300.000 Dollar an Stromkosten im Jahr sparen.

Die seit dem Prescott-Kern bei Desktops üblichen Multimedia-Befehle namens SSE3 können jetzt auch Cranford und Potomac abarbeiten. Gegenüber den Desktop-Prozessoren, die bei der Extreme-Edition mit bis zu 1066 MHz FSB-Takt arbeiten, taktet der Front-Side-Bus der neuen Xeons aber nur mit 667 MHz. Mehr ist wohl angesichts der deutlich längeren Leiterbahnen eines Server-Boards derzeit nicht möglich.

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Der neue "kleine" Xeon MP namens Cranford ist der Nachfolger des Nocona-Kerns. Die bisher noch strikte Trennung zwischen "Dual"- und "Multi"-Xeons hat Intel mit Cranford aufgehoben: Er kann von Haus aus mit bis zu drei Kollegen im Quartett zusammen spielen.

Gleich geblieben ist gegenüber dem Nocona auch die Cache-Ausstattung mit 1 MByte des schnellen L2-Zwischenspeichers. Der FSB des Cranford taktet jedoch nur mit 667 MHz gegenüber 800 MHz bei den Dual-Noconas. Ein einfaches 64-Bit-Upgrade nur durch Prozessor-Wechsel ist damit nicht möglich. Cranford ist mit 3,16 oder 3,66 GHz zu haben.

Wer mehr Leistung benötigt, greift bei den Xeons traditionell nicht nur zu höherem Takt, sondern vor allem zu mehr L3-Cache. Der "Potomac" ist jetzt mit 4 MByte L3-Cache bei 2,83 GHz zu haben. Noch schneller geht es mit 8 MByte L3-Cache bei 3 GHz oder 3,33 GHz – das dann aber für stattliche 3.682,- Dollar pro Prozessor. Doch angesichts der Infrastrukturkosten für Racks, Stromversorgung und Klimaanlage spielen die Kosten der Hardware bei Servern eine untergeordnete Rolle.

Dennoch ist AMDs Opteron bei kleineren Serven immer beliebter – auch, weil er so billig ist. Dabei liefert er trotzdem beeindruckende I/O-Leistungen, die vor allem seinem integrierten Speichercontroller entspringen. Das kontert Intel jetzt zumindest im Serverbereich mit dem 8500-Chipsatz ("Twin Castle"), der die Basis für Cranford und Potomac darstellt. Jeder der vier Xeons hat dabei einen eigenen Bus zur North Bridge, und diese wiederum bietet vier Speicherkanäle. Jeder dieser Busse kann mit DDR2-400-Speicher umgehen und wiederum acht Module über einen Multiplexer ansteuern. Auch mit relativ preisgünstigen 1-GByte-DIMMs kommt der 8500 so auf 32 GByte Speicher. Wenn demnächst auch DDR2-Module mit 2 GByte verfügbar sind, erreicht der 8500 auch seinen maximalen Speicherausbau von 64 GByte. Voll aufrüsten darf man den 8500 jetzt schon mit herkömmlichen DDR-266-Modulen, die bereits mit 2 GByte zu haben sind. Dann sinkt jedoch die theoretische Bandbreite pro Kanal von 3,2 GByte/s auf 2,13 Gbyte/s.

Über die vier Speicherkanäle kann der neue Chipsatz neben der bei Servern üblichen ECC-Fehlerkorrektur ein von Intel selbst als "RAID" bezeichnetes Verfahren für den Speicher anwenden. Dabei halbiert sich entweder bei zur Sicherheit gespiegelten Speicherinhalten die verfügbare Menge des Arbeitsspeichers. Alternativ dazu können die vier Kanäle auch, ähnlich einem RAID-0 bei Festplatten, zusammen geschaltet werden. Der 8500 kommt dann auf eine maximale Speicherbandbreite von 10,6 Gigabyte pro Sekunde.

Soviel Bandbreite lädt dazu ein, sie auch fürs Netzwerk voll zu nutzen. Dafür bietet der 8500 vier 8x-Ports für PCI-Express-Karten, von denen jeder 2 GByte/s erreicht – ideal also auch trotz aller Overheades für mehrere GBit/s-Netzwerkkarten. Da diese für Server oft noch als PCI-X-Karten angeboten werden, hat Intel auch den passenden Bridge-Baustein namens 6700 PXH im Programm. Drei dieser Bausteine bilden mit den drei 8x-Ports dann insgesamt genug Bandbreite für sechs PCI-X-266-Karten. An den da fast schon mickrig erscheinenden 4x-Port darf auch Intels Netzwerk-Chip "Ophir", der dann zwei Netzwerkanschlüsse mit 1GBit/s bereit stellt.

Laut Intels eigenen Benchmarks ist die neue Xeon-Plattform gegenüber der bisherigen (also vermutlich Gallatin und Nocona) beim SPECfp-Benchmark bis zu 65 Prozent schnellerer. Beim wichtigen Linpack-Test sollen es noch 57 Prozent sein.

Der 8500-Chipsatz ist bereits für Intels Virtualisierungstechnik Vanderpool vorbereitet. Die neuen Xeons unterstützen diese Hardware-Partitionierung jedoch noch nicht, sodass sich wieder einmal der Verdacht aufdrängt, dass die Technik in den Prozessoren bereits vorhanden, aber abgeschaltet ist.

Die neuen Xeons und der 8500-Chipsatz sind laut Intel ab sofort verfügbar. Server damit wollen unter anderem Dell, Fujitsu-Siemens, HP, NEC und Maxdata anbieten. [von Nico Ernst]

Nachtrag vom 30. März 2005, 17:30 Uhr:
Wie aus Intels inzwischen veröffentlichtem Datenbatt zum 8500-Chipsatz hervorgeht, verfügt die North-Bridge doch nur über zwei getrennte FSBs. Bei vier Xeons müssen sich je zwei der Prozessoren einen dieser FSBs teilen. Jeder dieser Busse hat eine theoretische maximale Bandbreite von 5,3 GB/s. Die FSBs sind damit mit insgesamt 10,6 GB/s etwas langsamer als das Speichersystem, das ohne Mirroring auf theoretische 12,6 GB/s kommt.


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