Microsoft: Wikipedia ist superschnell

Britta Best: Die Encarta ist ein Wissens- und Informationswerkzeug für jemanden, der zwar auch mit dem Internet arbeitet, sich aber dennoch fundiert informieren möchte, ohne auf ein Buch zurückzugreifen. Es ist ein Nachschlagewerk mit mehr als 50.000 gründlich recherchierten und sorgfältig niedergeschriebenen Artikeln. Diese werden immer wieder überarbeitet. Auch neue Ereignisse kommen dazu, so dass die Nutzer immer up to date bleiben. Die Encarta ist ein multimediales Nachschlagewerk für wissbegierige Menschen, die sie sowohl im professionellen Bereich als auch im Heimbereich für die ganze Familie einsetzen können. Und das wohlgemerkt sowohl offline als auch online in Kooperation mit msn.de.
Golem.de: Die Wikipedia hat im Internet einen ziemlich großen Erfolg und Zulauf, jeder kann mithelfen. Bei der Encarta verfolgt man ein anderes Konzept, das haben Sie schon herausgestellt – redaktionelle Pflege, Kontrolle, Verlässlichkeit der Informationen. Das Konzept ist bei der Wikipedia zwar ein bisschen anders, sie bietet aber ein vergleichsweise riesiges und mitunter sehr detailliertes Informationsangebot. Bei einem stichpunktartigen Vergleich der beiden wirkt die Encarta mitunter etwas halbherzig?
Bei Wikipedia kann es passieren, dass Artikel nach mehreren Tagen komplett anders aussehen, denn jeder kann Korrekturen vornehmen. Das erschwert den Umgang: Wikipedia benutzen bedeutet, kritisch zu hinterfragen und auch in anderen Artikeln quer zu lesen. Das macht den Service nicht schlecht, sondern ermöglicht es vor allem, sehr schnell informiert zu werden. Ich habe das zum Beispiel bei der Tsunami-Flutkatastrophe versucht: Innerhalb von zwei Tagen hatte die Wikipedia sehr vielfältige Informationen zu bieten – über die ganze Art der Flutwelle, wie sie entsteht etc. So schnell kann man mit einem Nachschlagewerk natürlich nicht sein, es ist schließlich erst ein Update erforderlich.
Wikipedia ist zwar schnell, die Frage ist aber: Stimmt auch die Theorie zu den tektonischen Platten? Ich weiß es nicht und das Wissen ist auch nicht in Stein gemeißelt. Und das ist im Internet immer so, der Leser kann es kritisch durchleuchten, kann es annehmen, es ist schnell, aber ob es ein fundiertes Wissen liefert, weiß keiner so genau.
Golem.de: Aber gerade wenn Sie sagen, das Wissen ist nicht in Stein gemeißelt, das Wissen ändert sich, dann scheint ja gerade der Ansatz der Wikipedia sehr vorteilhaft zu sein, zumal Sie sagen, die Artikel ändern sich teilweise sehr schnell.
Ich gehe zwar davon aus, dass die Fakten, die in der Wikipedia stehen, stimmen, ich weiß es aber nicht. Keiner weiß es und niemand zeichnet wirklich dafür verantwortlich. Wenn Microsoft aber die Encarta-Redaktion beauftragt, die Sachverhalte sauber zu recherchieren, auch auf einer wissenschaftlichen Ebene, dann kann ich davon ausgehen, dass die Inhalte stimmen. Da können zwar auch Fehler passieren, denn jeder Mensch ist fehlbar, aber die Fehlerquote ist bei einem Nachschlagewerk doch deutlich geringer als bei einer Wikipedia oder im Internet. Kein Thema: Wikipedia ist superschnell – aber Schnelligkeit ist nicht immer alles.
Golem.de: Wie wird denn die Qualität bei der Encarta gesichert, gibt es ein Peer-Review?
Golem.de: Im Vergleich zu älteren Encarta-Ausgaben kommt mir die aktuelle Version etwas enttäuschend vor. Ich hatte das Gefühl, die Encarta hinkt insbesondere im Hinblick auf die Multimedia-Funktionen ihrer Zeit hinterher. Microsoft spricht viel über HDTV, bietet entsprechende Audio- und Video-Codecs an, doch in der Encarta suchte ich diesbezüglich technisch aktuelle Multimedia-Inhalte vergebens?
Microsoft müsste also auch hier eine Agentur beauftragen, die entsprechende Ereignisse aufzeichnet, um diese dann in die Encarta einzufügen. Das wäre ein zu großer Aufwand und es ist auch eine Rechtefrage. Heute können Sie die Videos nehmen und diese auch zum Beispiel in eine Powerpoint-Präsentation einbinden.
Während die Videos – zeigt man sie im Explorer an – nur nummeriert sind, soll sich dies beispielsweise in künftigen Versionen verbessern.
Golem.de: Da Sie gerade das Thema "Rechte" ansprachen: Zwar nicht Microsoft, aber doch Bill Gates hält umfangreiche Rechte auch an historischen Materialien. Inwiefern fließen diese in die Encarta ein?
Britta Best: Dazu kann ich leider nichts sagen.
Golem.de: Sie haben vorhin die Update-Funktion angesprochen, wie häufig wird das vorgenommen?
Golem.de: Wird denn alles aktualisiert, also auch neue Bilder und Videos?
Golem.de: Und danach kann man das dann kostenpflichtig verlängern?
Britta Best: Nein, eine kostenpflichtige Verlängerung ist nicht möglich. Mir ist bis jetzt aber nicht aufgefallen, dass das der Kunde fordert. Gekauft wird sehr intensiv die Update-Version für rund 50,- Euro, was zur positiven Folge hat, dass die multimedialen Elemente auch als Update zur Verfügung stehen.



