Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Bellster: Per Internet umsonst ins Festnetz telefonieren

Software macht Teilnehmer zur Vermittlungsstelle ins Festnetz. Mit einer Kombination aus Hard- und Software macht das junge Projekt "Bellster" derzeit auf sich aufmerksam. Das als "Peer-to-Peer fürs Telefon" beschriebene Konzept erlaubt kostenloses Telefonieren über das Internet auch ins Festnetz – wenn man dafür seinen eigenen Anschluss mit anderen teilt.
/ Christian Klaß
58 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Bislang krankt die Telefonie über das Internet (VoIP, Voice over IP) noch an einer Kleinigkeit: dem Routing in Fest- oder Mobilfunknetze. Auch das an sich kostenlose Skype lässt das Wählen von "echten" Telefonnummern zu, ist dann aber nicht mehr gratis zu nutzen. Diesen letzten Schritt will nun durch das Projekt Bellster(öffnet im neuen Fenster) überwinden. Die Idee ist ebenso einfach wie subversiv: Fast jeder Nutzer kann bestimmte Telefonnummern zu bestimmten Zeiten kostenlos nutzen – also werden diese Möglichkeiten gemeinsam benutzt.

In Deutschland gibt es von zahlreichen Telefonie-Providern Minutenpakete, per "T-ISDN-XXL" kann man beispielsweise am Sonntag umsonst ins Festnetz telefonieren. In den USA ist es bei den meisten Anbietern außerdem üblich, im lokalen Ortsnetz sehr geringe oder gar keine Gebühren zu erheben.

Wählt ein Nutzer nun per Bellster eine Telefonnummer, so wird das Gespräch im ersten Schritt über seine zwingend notwendige Internetanbindung geroutet. Das Bellster-Netz sucht sich dann den Teilnehmer des Dienstes, der die endgültige Vermittlung gerade günstig durchführen kann und wählt über dessen Telefonleitung die Nummer an. Für die vermittelten Gespräche erhält der User "Credits", die er dann wiederum abtelefonieren kann. Dadurch soll das Netz fair bleiben.

Der dafür nötige Aufwand an Hard- und Software ist beträchtlich. Im Endeffekt wird jeder Teilnehmer zum Teil einer privaten Telefonanlage, in den USA "PBX" (private branch exchange) genannt. Das erledigt die PBX-Software Asterisk, auf der Bellster aufsetzt und das VoIP-Routing übernimmt. Asterisk läuft als Open-Source-Paket unter Linux und benötigt für die Teilnahme am Bellster-Netzwerk eine ständige Internetverbindung.

Zudem muss der Telefonanschluss, etwa über einen so genannten SIP-Adapter, mit dem Rechner verbunden werden. SIP ist das populärste Protokoll für Internettelefonie. ISDN-Karten unterstützt Bellster scheinbar noch nicht und eine auf Cooperative Linux setzende Windows-Version von Bellster, AstWind(öffnet im neuen Fenster) genannt, soll auch Experten noch auf eine harte Probe stellen.

Will man Bellster ohne eigene Bastelarbeiten nutzen, so gibt es etwa vom Bellster-Erfinder Jeff Pulver für 199,- Dollar ein Set(öffnet im neuen Fenster) mit zwei IP-Telefonen und der Software. Ein komplettes System(öffnet im neuen Fenster) mit vorinstalliertem HP-Rechner samt Telefonie-Karten und zwei IP-Telefonen schlägt mit 1.030,- US-Dollar zu Buche.

Pulver bezeichnet den Status von Bellster derzeit noch als "Beta-Test". Gegenwärtig können die Teilnehmer noch fröhlich an ihrer Vermittlungsstelle herumkonfigurieren, um etwa die Zahl der pro Stunde gerouteten Anrufe zu begrenzen. Jeff Pulver ist in der VoIP-Szene kein Unbekannter. Sein Provider Vonage hat nach eigener Angabe derzeit 400.000 Kunden.

Ob das auch mit Bellster so schnell klappt (zum Vergleich: Skype gibt 21 Millionen Nutzer an), hängt nicht allein von der Technik ab. Auch zahlreiche rechtliche Fragen gilt es zu klären, wenn man sein Telefon mit jedermann teilt. So konnte auch die T-Com am Freitag auf Anfrage von Golem.de nicht unmittelbar Stellung beziehen, ob denn die Nutzung Bellster mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen vereinbar sei. [von Nico Ernst]


Relevante Themen