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Exeem: BitTorrent-basiertes Filesharing-Netz in offener Beta

Durchsuchbares Netzwerk nutzt Bittorrent und macht zentrale Tracker unnötig. Die durch den ehemaligen Tracker-Aggregator Suprnova.org unterstützte kommerzielle Filesharing-Software Exeem ist nun in die offene Beta gegangen. Der Entwickler Swarm Systems Inc. will damit die Peer-to-Peer-Welt revolutionieren – das per Cydoor werbefinanzierte Exeem macht das von Bram Cohen entwickelte Filesharing-Protokoll BitTorrent unabhängig von zentralen Server-Anwendungen zur Dateitransfer-Organisation.
/ Christian Klaß
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Als eigenständiges Filesharing-Netz verbindet Exeem die Suchmöglichkeiten traditioneller Filesharing-Netze wie Kazaa oder eDonkey mit den Vorzügen von BitTorrent mit verteiltem Tracker. Dabei dient jeder Exeem-Client als kleiner Tracker, der zuerst die Metadaten für eine zum Download angebotene Datei(-sammlung) überträgt und damit dem Client des Herunterladenden mitteilt, von welchen weiteren Clients die Datei(en) ebenfalls zum Download angeboten wird – um so per "Swarming" von möglichst vielen Quellen gleichzeitig herunterladen zu können.

Die Metadaten einer über Exeem angefragten Datei sind modifizierte Torrent-Dateien, Exeem kann aber auch herkömmliche Torrents öffnen. Neben der Suche über das Exeem-Netz und das Aufrufen heruntergeladener BitTorrent-Torrents sind auch per Webbrowser Links auf Exeem-Downloads möglich, die mit exeem:// anfangen und ähnlich, wie man es von anderen Filesharing-Netzen kennt, einen installierten Exeem-Client aufrufen.

Exeem erlaubt es jedem, eigene Dateien ins Exeem-Netz einzustellen – zum Upload angebotene Dateien werden per "Publish file pack" ausgewählt, die Metadaten erstellt und dann wenige Sekunden später zum Download angeboten ("seeding"). Dabei müssen Art der Datei (Software, Film, Musik etc.), eine Unterkategorie (z.B. Betriebssystem) und Sprache angegeben werden, auch eine zusätzliche Textbeschreibung ist möglich.

Exeem beschränkt die Uploads derzeit auf Dateien, die mindestens 1 MByte groß sind, um zu vermeiden, dass zu viele kleine einzelne Dateien angeboten werden. Außerdem ist die Zahl der gleichzeitig zum Upload angebotenen Dateien derzeit beschränkt, da die meisten Nutzer – primär DSL-Nutzer mit geringem Upstream – nicht genügend Bandbreite für viele Datei-Uploads haben, so das Exeem-Team.

Die Software wird kostenlos zur Verfügung gestellt, bisher nur für Windows 98 bis Windows XP. Eine Linux-Version soll ebenfalls entwickelt werden, aber erst nachdem es die erste Nicht-Beta-Version für Windows-Nutzer gibt. Zu MacOS X wurde bisher nichts verlautet. Die nun öffentliche Beta-Version 0.20 für Windows findet sich zum Download(öffnet im neuen Fenster) auf www.Exeem.com(öffnet im neuen Fenster) , Suprnova-Nutzer testeten während der geschlossenen Beta die Exeem-Version 0.18. Die Installationsdatei bringt eine Werbe/Such-Toolbar für den Internet-Explorer mit sich, die man aber nicht installieren muss, um Exeem nutzen zu können.

Finanziert wird die Exeem-Entwicklung per Werbung: Swarm Systems integrierte dazu eine Software von Cydoor, die auch von KaZaA oder LimeWire eingesetzt wird und deren Deinstallation mit Zusatztools wie AdAware die Arbeitsverweigerung von Exeem zufolge haben dürfte. Cydoor verbindet sich mit verschiedenen Werbeservern und blendet Werbefenster auch ohne laufendes Exeem und ohne Internetverbindung ein. Da die Cydoor-Adware auch die Surfgewohnheiten des Nutzers analysiert, wird sie oft auch als Spyware eingestuft – Cydoor versucht, entsprechende Sorgen in seinen Datenschutzrichtlinien(öffnet im neuen Fenster) zu zerstreuen und verspricht nur anonymisierte Auswertung zwecks gezielterer Werbeschaltung. Es gibt jedoch genügend Kritik an Cydoor, dass Vorsicht durchaus angebracht ist.

Ähnlich wie es bei KaZaA mit KaZaA Lite der Fall ist, hat auch Swarm Systems dank der Cydoor-Integration bereits mit einer Spyware-befreiten Version von Exeem zu kämpfen – Exeem Lite hinkt aber bisher noch eine Version hinterher und ist zudem von Swarm Systems nicht genehmigt. Witzigerweise soll das offizielle Exeem in Zukunft seine Nutzer nicht nur optional per Virenscanner, sondern auch gegen Spyware schützen können – entsprechende Software soll später mitgeliefert werden.

Während BitTorrent sich auch bei Open-Source-Projekten großer Beliebtheit erfreut, bleibt abzuwarten, ob auch Exeem sich hier etablieren kann, steht die Software im Gegensatz zu BitTorrent doch unter einer proprietären Lizenz und liegt nicht im Quelltext vor. Allerdings macht die Technik die Veröffentlichung von Materialien deutlich einfacher, auch da kein eigener Tracker aufgesetzt werden muss.

Für den illegalen Austausch urheberrechtlich geschützter Werke gilt vermutlich Ähnliches wie für viele andere Systeme: Auch in Exeem ist man nicht anonym und es wird sicher nicht lange dauern, bis auch Inhalteanbieter darin nach unerlaubt verbreiteten Dateien fahnden, um die Nutzer zur Verantwortung zu ziehen. Insbesondere da es hier anders als bei BitTorrent keine zentralen Punkte gibt, werden die einzelnen Nutzer wieder stärker in den Fokus der Rechteinhaber treten.


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