Vivisector - Erwachsenen-Shooter lässt Fetzen fliegen
Publisher Pointsoft will den ukrainischen Shooter im April 2005 ausliefern. Im Jahr 2000 begann das ukrainische Spielestudio Action Forms die Entwicklung eines Prototyp-Projekts namens "Duke Nukem: Endangered Species", warf das Konzept über den Haufen und startete 2002/2003 mit "Vivisector: Beast Inside" die Entwicklung eines neuen Shooters, in dem es gilt, durchgeknallte Tiermenschen zur Strecke zu bringen. Zum eigentlich schon für 2004 erwarteten Spiel hat nun Serge Roar von Acion Forms mehr verraten – aktuelle Screenshots belegen zudem, dass der Shooter wirklich nur für Erwachsene gedacht ist.
Vivisector wird – anders als ursprünglich einmal geplant – als reiner Einzelspieler-Shooter auf den Markt kommen, dessen Story im Jahr 1978 angesiedelt und Roar zufolge von Büchern wie "Die Insel des Dr. Moreau" von Herbert Wells entlehnt ist. Auch von David-Lynch- und Terry-Gilliam-Filmen (Fear and Loathing in Las Vegas, Brazil, 12 Monkeys) habe man sich inspirieren lassen.
Den Mehrspieler-Modus musste man "zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgeben" , da es ein Spiel innerhalb des Spiels bedeutet und deutlich mehr Entwicklungsarbeit erfordert hätte. "Man kann nicht einfach mehrere Spieler auf die gleichen Level stellen und mit den gleichen Waffen ausstatten, die sie im Einzelspieler-Feldzug hatten." Damit dürfte es Vivisector schwer fallen, mit Größen wie Far Cry , Doom 3 , Half-Life 2 und dem ebenfalls 2005 erscheinenden Stalker mitzuhalten, die alle ihre Netzwerkmodi und – sofern Entwicklerpakete angeboten werden – mehr Anreiz für eigene Fan-Erweiterungen bieten.
In Vivisector landet man während der Jagd nach Drogenbaronen überraschend auf einer als Testgelände zur Schöpfung genetisch manipulierter Soldaten dienenden Insel und muss als einziger Überlebender einer Einsatztruppe von der Insel entkommen und gleichzeitig seine gefallenen Kameraden rächen. Insgesamt streiten vier Fraktionen auf der Insel, die es auch zwecks Untersuchen der Hintergründe zu besuchen gilt.
Das Besondere am Spiel ist allerdings nicht die etwas an Far Cry erinnernde Story, sondern dass der Spieler Erfahrungspunkte sammeln kann, indem er verschiedene Aufträge oder Spezialbewegungen ausführt. "Er bekommt sie, wenn er ein Geheimnis entdeckt, mehrere Feinde gleichzeitig ausschaltet, außergewöhnliche Präzision an den Tag legt oder einen Stunt ausführt. Mit den gesammelten Punkten kann er dann die Eigenschaften seines Charakters oder seiner Waffe verbessern" , so Roar.
Die Gegner sind primär Tiermenschen, auf deren Darstellung von Fell und Haaren man dank der eigenen AtmosFear-Engine besonders stolz ist. Roar schwärmt: "Bisher wirkten die Haare bei Tiercharakteren immer unrealistisch. Wir finden, mit unserer selbst entwickelten Engine haben wir in dieser Beziehung ausgezeichnete Ergebnisse erreicht." Die Entwickler haben ihr Windows-PC-Spiel sowohl auf das DirectX 9 Shader Model 2.0 als auch das bisher nur von GeForce-6-Hardware unterstützte effizientere Shader Model 3.0 optimiert und versprechen eine entsprechend aufwendige 3D-Grafik mit Partikel-, Rauch-, Wasser- und Lichteffekten. Die Screenshots zeigen das bisher aber nur bedingt.
Dank der Physik-Engine von Vivisector sollen viele Objekte im Spiel nicht nur zerstört oder beschädigt werden können, sondern auch berücksichtigt werden, wie gut die Deckung durch Gegenstände ist. Der Spieler kann sich zudem hinter einer Kiste oder einem Möbelstück in Deckung begeben, die durch Beschuss durch den Gegner aber in der Schutzfunktion stetig verringert wird. Kugeln können so die Kisten durchschlagen und das dahinter versteckte Monster treffen.
"Wir sind wirklich stolz auf unser Schadensystem. Es ist ja bereits eine etablierte Tatsache bei FPS-Spielen, dass ein Kopfschuss größeren Schaden anrichtet als ein Bauchschuss. Doch wir wollten noch weiter gehen. Bei Vivisector kann der Spieler seinen Feinden Arme und Beine abschießen und deren Körper durchlöchern" , betont Roar. Mit stärkeren Waffen könne man einem Monster ein Loch in den Bauch ballern, filmreif den Lauf hindurchstecken und ein dahinter stehendes Viech erledigen.
"Das ganze Spiel ist extrem theatralisch ausgelegt und ähnelt den großen Hollywood-Actionfilmen" , so Roar. Gleichzeitig richtet sich das Spiel laut dem deutschen Publisher Pointsoft eindeutig an Erwachsene – man erwarte nicht, dass die USK eine Einstufung vergibt, die unter "Ab 18" liegt, hieß es auf Nachfrage von Golem.de. Man darf gespannt sein, ob zotige Sprüche und Monty-Python-Humor, den die Entwickler ebenfalls für sich entdeckt haben wollen, die splatterfreudige Schießerei etwas auflockern können.
Der Rest liegt in den Details: In Vivisector muss der Spieler erst Kisten aufbrechen, um an Erste-Hilfe-Pakete, Munition oder Waffen zu kommen. Letztere stammen größtenteils aus dem Jahre 1978 und umfassen Messer, Pistolen, Schrotflinten, Karabiner, Präzisionsgewehre und – gegen Ende des Spiels – auch futuristisch anmutende Waffen. Mit diesen muss man sich durch die insgesamt 20 Level der Insel kämpfen. Es soll sowohl offene Umgebungen als auch dunkle, verborgene Schauplätze geben.
"Unsere Lieblingsumgebungen sind die auf der Forschungs-Basis, wo Sie Zeuge der Schöpfung der Tiermenschen werden, von der Herstellung der Skelette bis zum kryogenischen Einfrieren und der anschließenden Wiederbelebung" , so Roar. "Ich glaube, den Spielern wird auch das militärische Trainingsgelände gefallen, auf dem diese Wesen getestet wurden, denn dort ist sehr viel Platz und sie können an der Verfeinerung ihrer mörderischen Taktiken arbeiten."
Action Forms zufolge musste man bei der Entwicklung hauptsächlich den Mehrspieler-Modus wegfallen lassen, auch eine Reihe von zusätzlichen Monstern soll nicht mehr zum Einsatz kommen. "Aber keine Sorge, die erfolgreichsten Schöpfungen des Dr. Morhead sind in der endgültigen Version enthalten" , versichert Roar abschließend. Wie erfolgreich hingegen Vivisector im Markt der Shooter sein wird, muss sich noch zeigen – Pointsoft hofft, das Spiel im April 2005 in Deutschland ausliefern zu können.