Studie: Kein Verlass auf Ad-hoc-Netze
Ad-hoc-Netze formen sich spontan bei Bedarf aus vorhandenen Rechnersystemen und benötigen keinerlei feste Netzinfrastruktur. Anwendungen für diese so genannten Ad-hoc-Netze sind beispielsweise die drahtlose Vernetzung persönlicher Multimedia-Geräte oder die Kommunikation von Sensoren in intelligenten Häusern.
Im Unterschied zu existierenden drahtlosen Kommunikationsnetzen wie Mobilfunknetzen oder drahtlosen lokalen Netzen, benötigen Ad-hoc-Netze keine Basisstationen, sondern nutzen die direkte Kommunikation zwischen den Endsystemen. Die einzelnen Teilnehmer (Endknoten) übernehmen gleichzeitig die Rolle des Endsystems und des Routers (Zwischenknoten). Befinden sich zwei Knoten nicht in direkter Funkreichweite, muss ein Kommunikationspfad über andere Knoten aufgebaut werden, was als "Multihop-Routing" bezeichnet wird.
Die Forscher machten Unzulänglichkeiten vor allem bei Protokollen für das "Multihop-Routing" aus. Diese Protokolle sollen sicherstellen, dass Daten über mehrere benachbarte Knoten geleitet werden. So können auch Geräte miteinander kommunizieren, die sich außerhalb der jeweiligen Funkreichweite befinden.
Die Darmstädter haben eigennützige Knoten und "Schwarze Löcher" innerhalb von Ad-hoc-Netzen in ihre Untersuchung einbezogen. "Bei den Standardisierungsbemühungen der Internet Engineering Task Force stehen bislang hauptsächlich Kriterien wie Protokoll-Effizienz und Leistungsfähigkeit für statische und dynamische Netztopologien im Vordergrund. Die entworfenen Protokolle gehen dabei jedoch stets von kooperativen Netzknoten aus" , kritisiert Hollick.
Eigennützige Knoten arbeiten unter der Prämisse, Strom zu sparen. Sie leiten Datenpakete deshalb nur dann weiter, wenn sie selbst Quelle oder Ziel der Kommunikation sind. Bösartige Angreifer, die alle Pakete gezielt anziehen, um sie anschließend zu verwerfen, nennt man "Schwarze Löcher". Ohne Rücksicht auf eigene Verluste missbrauchen sie die Protokollmechanismen gezielt, um dem Netz Schaden zuzufügen.
Unter diesen Umständen sinkt die Verlässlichkeit von Ad-hoc-Netzen rapide, so die Forscher. In einem Szenario mit geringer Mobilität in mittleren bis großen Ad-hoc-Netzen (100 bis 500 Knoten) könnten bereits fünf Prozent eigennützige Knoten einen durchschnittlichen Datenverlust von 20 Prozent hervorrufen. Noch deutlich gravierender wirken sich nach den Erkenntnissen der Darmstädter "Schwarzen Löcher" aus. Schon bei einem Prozent solcher Knoten übersteigt der Verlust 50 Prozent aller Datenpakete für ein vergleichbares Szenario.
Die Studie untersuchte außerdem, wie sich die Knotenmobilität sowie ausgewählte Protokolloptimierungen auf die Leistung und Robustheit des Netzes auswirken. "Mit dieser Untersuchung ist es gelungen, ein ebenfalls in Darmstadt entwickeltes analytisches Modell zur Vorhersage von Wirkungen fehlverhaltender Knoten zu validieren und zu ergänzen" , ordnet KOM-Leiter Prof. Ralf Steinmetz die Forschungsergebnisse in die Arbeit seines Instituts ein. Derzeit arbeite man verstärkt daran, so Steinmetz, Lösungen für die beschriebenen Probleme zu finden.